Im Juni war die Marke BMW weltweit führend bei den Premiummarken Foto: dpa

Vor seinem Abgang verteilt BMW-Vorstandschef Krüger einige Seitenhiebe an die Wettbewerber Audi und Daimler. BMW stehe insgesamt gut da.

München - Die Seitenhiebe auf die Konkurrenz sind deutlich. „Wir liefern, was wir versprechen“, betont der scheidende BMW-Chef Harald Krüger bei der Vorlage seiner letzten Quartalsbilanz in München. Das tun nicht alle Premiumhersteller. Der Erzrivale Daimler musste jüngst eine vierte Gewinnwarnung binnen Jahresfrist verkünden. BMW dagegen will alle Absatz- und Margenziele bis Jahresende erreichen, wobei die Bayern im ersten Quartal auch schon nach unten korrigieren mussten. Zum Halbjahr sieht die Lage wieder etwas besser aus. Das gilt vor allem für den Absatz. Der erreicht nach sechs Monaten mit rund 1,3 Millionen verkauften Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce ein knapp einprozentiges Plus, was sich bis Jahresende tendenziell so fortsetzen soll.

Bei den heimischen Wettbewerbern Mercedes-Benz und Audi sind die Verkäufe dagegen um je knapp fünf Prozent zurückgegangen. Zum Halbjahr und auf Basis von Einzelmarken ist Mercedes-Benz mit 1,13 Millionen verkauften Autos weltweit zwar weiter die Nummer eins vor der Marke BMW mit 1,08 Millionen verkauften Autos und Audi mit gut 906 000 Fahrzeugen. Aber zum einen sind die Abstände zwischen Mercedes-Benz und BMW zum Halbjahr von über 125 000 Fahrzeugen auf knapp 55 000 Wagen geschrumpft. „Und im Monat Juni stand die Marke BMW weltweit an der Spitze des Premiumsegments“, freute sich Krüger.

Bei der operativen Gewinnmarge hat Audi die Nase vorn

Bei der Profitabilität geht es dagegen auch für die Bayern abwärts, wenn auch weniger dramatisch als für Daimler. Im zweiten Quartal ist bei BMW der Gewinn nach Steuern um ein Viertel auf rund 1,5 Milliarden Euro eingebrochen. Zum Halbjahr hat er sich sogar auf nur noch zwei Milliarden Euro mehr als halbiert. Das geht zum Großteil auf eine Rückstellung für zu erwartende EU-Kartellstrafen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro zurück, die schon im Auftaktquartal verbucht worden sind. Das ist aber immer noch besser als der Milliardenverlust, den Daimler zuletzt ausweisen musste.

Bei der operativen Gewinnmarge im reinen Autogeschäft sind die Münchner zum Halbjahr bei mageren 2,8 Prozent gelandet und peilen bis Jahresende bei dieser wichtigen Kennziffer 4,5 bis 6,5 Prozent an. Mercedes-Benz erwartet mit 3,0 bis 5,0 Prozent noch weniger. Hier hat mittlerweile wieder Audi die Nase vorn. Die Ingolstädter peilen dieses Jahr 7,0 bis 8,5 Prozent Rendite an – vorausgesetzt die Autokonzerne müssen ihre Prognosen nicht wieder einmal senken.

Im August will Krüger nach seinem Abgang bei BMW erst einmal Urlaub machen

Für BMW sind Autoanalysten wie Frank Schwope von der NordLB skeptisch. „Eine Gewinnwarnung von BMW würde nach Amtsantritt des neuen Konzernchefs Oliver Zipse nicht überraschen“, unkt Schwope. Zipse tritt am 16. August an und löst dann Krüger vor dem Ende seines Vorstandsvertrags ab. Auch für andere der konzernweit rund 134 000 Beschäftigten stehen ungewisse Zeiten an. Zwar droht bei BMW unter dem Strich kein Stellenabbau. Dem Aufbau mehrerer tausend Stellen, etwa für das neue Werk in Mexiko, müsse aber ein entsprechender Abbau an anderer Stelle im Konzern gegenüber stehen, sagte Finanzchef Nicolas Peter. Das wolle man über die natürliche Fluktuation regeln.

Insgesamt stehe BMW gut da und könne sich für neue Technologien weiter steigende Milliardenaufwendungen leisten, betonte Krüger in seiner persönlichen Abschlussbilanz. Krüger wirkte bei seinem letzten öffentlichen Auftritt befreit nach erkennbaren Anspannungen in den letzten Monaten. Im August werde er erst einmal Urlaub machen und sich dann um seine weitere Karriere kümmern, ließ der 53-jährige wissen, um am Ende doch noch sentimental zu werden. „BMW wird immer in meinem Herzen bleiben“, sagte Krüger.

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