Der Mörder von Buffalo sieht sich als Teil eines globalen Netzwerks weißer Rechtsextremisten. Bereits in der Highschool war der 18-Jährige auffällig geworden.
Auf seinem AR-15-Schnellfeuergewehr hat der Mörder von Buffalo die Zahl „14“ eingraviert. Die Anhänger der Idee einer „weißen Vorherrschaft“ wissen sehr genau, was damit gemeint ist. Es handelt sich um die vierzehn Wörter der Losung des US- Rechtsextremisten David Eden Lane, die übersetzt ungefähr so lautet: „Wir müssen die Existenz unseres Volkes und eine Zukunft für unsere weißen Kinder sichern.“
Ein Schlachtruf unter Rechten
Gefährdet sei diese durch das, was Verschwörungstheoretiker der Rechten „The Great Replacement“ (dt. Der große Austausch) nennen. Der Franzose Renaud Camus gebrauchte den Begriff als Titel eines im Jahr 2011 selbst publizierten Buches („Le Grand Remplacement“), in dem er die frei erfundene Behauptung aufstellt, Einwanderer aus dem Süden schafften die europäische Kultur ab. Im US-Kontext sind es Schwarze, Latinos und Juden, die Weiße und Christen angeblich verdrängten. Aus diesem Gedankengut stammt der Schlachtruf der rechtsextremen „Unite-the-Right“-Demonstranten von Charlottesville im August 2017, die „You will not replace us“ („Ihr werdet uns nicht ersetzen“) skandierten.
Die Verschwörungstheorie reicht nach Erkenntnissen der Extremismus-Forscherin Cynthia Miller-Idriss bis weit ins national-konservative Lager hinein. Fox-Moderator Tucker Carlson predigt sie in seinem Abendprogramm, das von Millionen Zuschauern gesehen wird. Der 18-jährige Massenmörder von Buffalo schreibt in einem 180-Seiten- Pamphlet, das er vor seiner Bluttat im Internet publizierte, dass ihm Beiträge auf „4chan“, einem Tummelplatz von Rechtsextremisten im „Darknet“, die Augen geöffnet hätten. Rund ein Drittel seines Manifests hat er bei einem neuseeländischen Terroristen abgekupfert, der 2019 in Christchurch 51 Muslime in zwei Moscheen ermordet hatte.
In der Highschool auffällig geworden
Ein anderes Vorbild war der norwegische Rechtsextremist, der 2011 ein Blutbad in einem Sommerlager anrichtete. Wer auch immer den mutmaßlichen Rechtsterroristen von Buffalo motivierte, der Hass im Internet mündete in einer minutiös geplanten, im Streaming-Dienst „Twitch“ live übertragenen Bluttat. Der in seiner Highschool auffällig gewordene Mann überfiel zur Haupteinkaufszeit einen „Tops“-Supermarkt in Buffalo. Laut Augenzeugen eröffnete er auf dem Parkplatz das Feuer, tötete den Wachmann und nahm gezielt Kunden ins Visier. Die Polizei stellte den Angreifer am Tatort. Die Polizei nannte die Tat ein „rein rassistisch motiviertes Hassverbrechen“.
Der Präsident Joe Biden versprach, „alles in unserer Macht Stehende zu tun, um den von Hass getriebenen Inlandsterrorismus zu beenden“. Der Extremismusforscher Amarnath Amarasingam fürchtet, dies sei nicht so einfach. Die Gedankengut der „Great-Replacement“-Theorie werde in den USA zur besten Sendezeit und von gewählten Politikern verbreitet. „Die Normalisierung dieser Inhalte darf nicht unterschätzt werden.“