Blutmond über Stuttgart So haben Mondfans am Schloss Solitude den Abend verbracht

Von Jan Sellner 

Hunderte Mondfans haben sich am Freitagabend vor dem Schloss Solitude in Stuttgart versammelt, um sich das Spektakel anzuschauen. Ein magischer Moment, wenn nur die Beleuchtung nicht gewesen wäre.

Stuttgart - Nie ist der Name Solitude (auf deutsch: Einsamkeit) unzutreffender als am Freitagabend: Hunderte Mond- und Sternengucker pilgern zum Mond-Festival auf die Wiese vor dem Schloss Solitude in Stuttgart, nachdem sie zuvor die Zufahrtsstraßen zugeparkt haben. Der Andrang ist riesig, die Stimmung bestens. Picknickdecken werden ausgerollt, Stative aufgestellt. Menschen lachen, Korken knallen, Gläser klingen, Didgeridoos brummen. Wie soll man das nennen? Einen Sommernachtstraum!

Die friedliche Menge lechzt nach dem Blutmond. Der Blick geht nach Osten, wo sich langsam ein rötlicher kreisrunder Schatten in den Abendhimmel schiebt. „Es geht los!“ Handys schießen in die Höhe. Wahlweise kann man auch ein Brautpaar knipsen, das sich den Abend zum Heiraten rausgesucht und sich fröhlich in Pose geworfen hat.

Ein echtes Spektakel

Rund ums Schloss wird gefachsimpelt: „Jetzt steht der Mond im Kernschatten!“, „Die Totalität endet um 23.13 Uhr.“ Manchmal wird auch nur gesimpelt: „Ich hab mir die Mondfinsternis nicht so finster vorgestellt.“ Dummerweise haben die Staatlichen Schlösser und Gärten vergessen, das Licht auszumachen.

Große Scheinwerfer beleuchten wie jeden Abend die Schlossszenerie und lassen den Blutmond lange recht blass aussehen. „Kann man die Scheinwerfer nicht dimmen?“ Kann man nicht. Aber man kann ein paar Schritte weiter gehen raus aus dem Lichtkegel auf eine benachbarte Wiese, wo das Schauspiel am wolkenlosen Himmel ein echtes Spektakel, das Erdreich allerdings frisch gedüngt ist.

Wie versprochen lässt sich zur Feier des Abends der Mars blicken. Sieht gut aus. Jetzt fehlt nur noch die Raumstation ISS. „Da ist die ISS!“, ruft jemand über die Wiese. Ist sie nicht. Das wiederholt sich jedes Mal, wenn ein neuer Stern am Nachthimmel erscheint. Irgendwann kommt sie wirklich, saust links an Mond und Mars vorbei. Der Höhepunkt dieses Fünf-Sterne-Abends. Ein magischer Moment. Die Himmelskörper nehmen ihren Lauf, der Mond geht wieder auf, die Menge langsam auseinander. Man sieht sich wieder an gleicher Stelle im nächsten Jahrhundert.

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