Der Tatort im Stuttgarter Westen: Bereits am Mittwoch soll sich ein blutiges Beziehungsdrama abgespielt haben Foto: Max Kovalenko

Eine Wohnung, Blut, Kampfspuren – und die Wohnungsinhaberin spurlos verschwunden. Die Kriminalpolizei fahndete am Freitag unter Hochdruck. Der als Verdächtiger gesuchte Lebensgefährte wurde am Nachmittag tot in der Schweiz gefunden.

Stuttgart - Das Schicksal der 59-jährigen Elfi H. blieb auch am Freitag ungewiss. Seit über 15 Jahren wohnte sie in einem fünfstöckigen Mehrfamilienhaus unterhalb des Westbahnhofs – zusammen mit ihrem 46 Jahre alten Freund und einer Untermieterin, die eines der Zimmer bewohnt. Unter einem anderem Vornamen ist Elfi H. einem größeren Kreis bekannt – im Erdgeschoss des Hauses betrieb sie als Geschäftsführerin ein Zentrum für Meditation. Nun wird befürchtet, dass die 59-Jährige das Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.

Am Mittwoch gab es das letzte Lebenszeichen, als die Untermieterin das Haus verließ. Am Abend kehrte sie heim, dabei fiel ihr noch nichts Ungewöhnliches auf. Am nächsten Morgen aber kam ihr die Ruhe in der Wohnung merkwürdig vor. Als sie im Zimmer der 59-Jährigen nach dem Rechten schaute, machte sie eine grausige Entdeckung. Massive Blutspuren, umgestürzte Gegenstände. Hier musste gekämpft worden sein. Von der Vermieterin und ihrem Freund fehlte jede Spur. Am Donnerstag um 10.30 Uhr alarmierte die Zeugin die Polizei.

Seither sucht die Ermittlungsgruppe Berg nach den Beteiligten eines blutigen Beziehungsstreits. Die Kripobeamten befürchten, dass die 59-Jährige Opfer eines Tötungsdelikts wurde – bisher freilich ein Mord ohne Leiche. Am Freitag wurde vor allem nach dem 46-jährigen Lebensgefährten gefahndet, der ebenso wie sein Auto fehlte. Er lebte erst seit relativ kurzer Zeit mit der 59-Jährigen zusammen. Der Polizei ist er kein Unbekannter. Er war in der Vergangenheit wegen Gewaltdelikten aufgefallen. „Am Freitagnachmittag standen wir kurz davor, eine Öffentlichkeitsfahndung zu starten“, sagt Po­lizeisprecher Thomas Geiger, „doch dann kam eine Nachricht aus der Schweiz.“

Der mutmaßliche Täter hat sich das Leben genommen

Weil es sich bei dem Gesuchten um einen Deutschschweizer handelte, war auch die Polizei im Nachbarland in die Fahndung einbezogen worden. Die Ermittlungsbehörden wurden knapp 200 Kilometer vom Tatort entfernt fündig. In Winterthur wurde der 46-Jährige tot entdeckt. „Nach den bisher vorliegenden Meldungen von den Schweizer Kollegen hat er selbst seinem Leben ein Ende gesetzt“, sagt Polizeisprecher Geiger.

Ganz offensichtlich hatte er sich nach der Tat über die Autobahn 81 in Richtung Bodensee aufgemacht. Auch das gesuchte Fahrzeug des Tatverdächtigen wurde zwischenzeittlich sichergestellt und wird durch die Schweizer Behörden kriminaltechnisch untersucht.

Von der 59-jährigen Wohnungsinhaberin fehlt weiterhin jede Spur.  Die Ermittlungen über die Hintergründe des Falls dauern an. Elfi H. hatte eher das Gegenteil von Gewalt gelebt. Mit ihrem als Verein eingetragenen Meditationszentrum bot die 59-Jährige meditative Therapien an, die Körper und Geist ausbalancieren, inneren Anspannungen, Konflikten und Kämpfen entgegenwirken sollen.