Doris und Klaus Krauß auf ihrem Balkon im Fellbacher Rotkehlchenweg. Foto: Gottfried Stoppel

Wie sorgen Teilnehmer der Blumenschmuckwettbewerbe in Fellbach und Schorndorf für eine farbenfrohe Blütenpracht? Die Jury schaut jedenfalls ganz genau hin.

Sie sind ein Hingucker: die mit Blüten überbordenden Balkone. Noch in den sonnigen Oktobertagen strahlen sie in leuchtenden Farben. „Wir mögen es bunt“, sagen Doris und Klaus Krauß. Die Hängegeranien in Rosa und Rot, der weiße Jasmin, hellblaue Petunien und die schwarzäugige Susanne in Gelb schmücken ihren Balkon im Rotkehlchenweg. Und nicht nur den Balkon – die bunte Blütenpracht wirkt auch nach außen. „Viele sehen den bunten Balkon im ersten Stock von der Pfarrstraße aus“, sagt Doris Krauß.

 

Genau das ist das Anliegen des Blumenschmuckwettbewerbs. Die Blumenpracht soll „in den öffentlichen Bereich ausstrahlen“, wie es in der Ausschreibung heißt, und einen Beitrag dazu leisten, die Stadt farbenfroher zu machen. Doris Krauß ist einer der Ehrenpreisträger, die vor Kurzem beim Fellbacher Herbst im Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle im festlichen Rahmen beim Blütenzauber ausgezeichnet wurden. Auch Selma Bucher, Giuseppe da Ronco, Otto Gauß, Bettina Glatthaar, Christiane Bürkle und Gabi Hannebauer erhielten Ehrenpreise für die von ihnen geschaffene Farbenpracht.

Viel Einsatz war wegen Trockenheit und Hitze gefragt

Die Jury hatte im Sommer die Balkone und Gärten inspiziert. Und in diesem Sommer war aufgrund der Dürre und Hitze besonderer Einsatz gefragt. Eine Fünf-Liter-Kanne Wasser für einen Blumenkasten sei nötig gewesen. Manchmal habe man am Tag zwei oder drei Mal gießen müssen. „Dabei musste das Wasser immer etwas temperiert sein, man durfte nie kaltes Leitungswasser verwenden“, sagt Doris Krauß. Das hätten auch die Kinder beherzigen müssen, als sie das Gießen während ihres Urlaubs übernommen hatten. Die Pflanzen stammten von regionalen Gärtnereien. „Die Qualität ist von Anfang an entscheidend“, sagt Doris Krauß. Seit vielen Jahren ist Doris Krauß beim Blumenschmuckwettbewerb dabei. Anfang November werde dann der Blütenschmuck, der auch als blühender Sichtschutz fungiere, abgeräumt. Im Garten übrigens hat Doris Krauß, die auch bei den Fellbacher Landfrauen im Vorstand engagiert ist, ein Hochbeet mit bienenfreundlichen Blumen. Das sei jedoch nicht einsehbar.

Manche Wettbewerbe rücken auch Insektenfreundlichkeit in den Fokus

Insekten- und Bienenfreundlichkeit liegt bei vielen Menschen mit grünem Daumen im Trend. Die Stadt Aalen im angrenzenden Ostalbkreis hat beispielsweise die Möglichkeit geboten, sich als Sonderthema unter dem Motto „Mein Vorgarten – ein Insektenparadies“ beim Blumenschmuckwettbewerb anzumelden. Auch im Landkreis Biberach wurde in diesem Jahr Bürgern in einer separaten Kategorie die Möglichkeit gegeben, sich mit mehrjährigen Pflanzen wie Stauden, Rosen und insektenfreundlichen Blühmischungen am Wettbewerb zu beteiligen. In Backnang wurde gemeinsam mit dem Naturnaher-Garten-Wettbewerb neu ein Zier- und Nutzgarten-Wettbewerb gestartet. Unter dem Motto „Backnang blüht auf“ vereinten sich die Garten-Wettbewerbe, -Vorträge und -Workshops der Stadt Backnang.

Lange – mehr als 35 Jahre – dabei beim Fellbacher Blumenschmuckwettbewerb mit viel Einsatz ist auch Draginja Wegener-Nestorovic vom Hotel Eintracht am Fellbacher Bahnhof. Ihr Hotel hatte schon oft beim Fellbacher Blumenschmuckwettbewerb durch seine Blütenfülle gepunktet und Ehrenpreise erhalten. In voller Ausstattung sind es 45 Blumenkästen, die das markante Hotel mit der Sandsteinfassade, das eine mehr als hundertjährige Geschichte hat, schmücken.

Die gelernte Hauswirtschafterin betreibt das traditionsreiche Gebäude zusammen mit ihrem Mann Miroslav seit 2008 als Hotel und Restaurant. „Ende des Monats räumen wir die Kästen ab“, sagt Draginja Wegener-Nestorovic. Nur im Erdgeschoss, das sind aber immerhin auch 13 Blumenkästen, wird dann eine Herbst- und Winterbepflanzung folgen. Das Gastronomenpaar hatte bereits im Gerokstüble und in der Rose – Fellbacher Restaurantbetriebe, die sie vorher geführt hatten – für blühenden Augenschmaus gesorgt. Trotz mancher Vandalismusschäden halten sie an der Blumenpracht an ihrem Hotel fest. „Wir wechseln jedes Jahr die Farben“, sagen die beiden. Das Team des Hotels, allen voran ihr Mann Miroslav, kümmert sich um das aufwendige Gießen der vielen über die Stockwerke verteilten Blumenkästen. „So würdigen wir das schöne historische Gebäude“, sagen sie. Und Draginja Wegener-Nestorovic macht keinen Hehl daraus, dass sie sich am liebsten einen größeren Garten an ihrem Hotel wünschen würde. „Das wäre einfach toll“, sagt sie. Eine große Freude an Blumen hätte sie schon immer gehabt.