Heute können Touristen auf Flower-Power-Tour gehen, um ein wenig von der früheren Stimmung zu erhaschen. Foto: AP

Hippies strömten 1967 in die kalifornische Stadt, die sie sich heute nicht mehr leisten könnten. Eine Zweizimmerwohnung im damaligen In-Viertel Haight Ashbury kostet heute 5000 Dollar Miete im Monat. Bob Weir von Grateful Dead, Sohn der Stadt, erinnert sich.

San Fancisco - Sie kamen wegen der Musik, der „Bewusstsein erweiternden Drogen“, um sich dem Vietnamkrieg und der amerikanischen Spießigkeit der 1960er Jahre zu widersetzen: Vor 50 Jahren wurde San Francisco zum Mekka der Hippies. Scott McKenzie gab singend den dringenden Rat, Blumen im Haar zu tragen und Eric Burdon und die Animals empfahlen Europäern, alles Ersparte zusammenzukratzen und nach San Francisco zu fliegen.

Heute ist San Francisco aus Sicht der mittellosen Poeten, Musiker, Maler und Künstler eine andere Stadt. Selbst die Gutverdiener des Silicon Valley jammern, dass eine Zweizimmerwohnung im einstigen Hippie-Viertel Haight-Ashbury mit 5000 Dollar Monatsmiete doch etwas teuer sei. Aber der „Spirit“, der laut Grateful-Dead-Legende Bob Weir damals in der Luft lag, lässt sich trotzdem feiern - dafür sorgt die Tourismus-Marketingabteilung: Hotels locken mit „psychedelic Cocktails“, „Love Bus“-Touren, fadengefärbten Einkaufstaschen und Seifenblasen.

Wilde Partys bei Jefferson Airplane

Weir, in San Francisco geboren und Schulabbrecher, bevor er 1965 die Rockband Grateful Dead mitgründete, beschreibt die Blumenkinder-Stimmung in der Stadt so: „Wir stellten uns vor, wenn genug von uns zusammen kommen und uns mit Herz und Verstand einbringen, ist alles möglich.“

Vor allem war es damals extrem billig, sich in Haight-Ashbury niederzulassen, erinnert sich der nun 69-jährige Gitarrist. „Das lockte Künstler und Bohemians an, weil diese Community dazu neigte, dahinzugehen, wo sie es sich leisten konnte (zu leben)“. Grateful Dead hatten damals ein geräumiges viktorianisches Haus in der Ashbury Street. Janis Joplin wohnte in derselben Straße, ihr gegenüber Joe McDonald von der psychedelischen Rockband Country Joe and the Fish. Jefferson Airplane kauften ein paar Blocks weiter ein Haus in der Fulton Street, in dem sie legendäre, wilde Partys feierten.

„Alle scheinen sich an die Musik zu erinnern, aber es war viel mehr als das“, sagte David Freiberg, Sänger und Bassist von Quick Messenger Service und später Jefferson Airplane, inzwischen 75 Jahre alt. „Es waren Künstler, Dichter, Musiker, all die schönen Kleiderläden und Hippie-Lebensmittelläden. Es war eine komplette Gemeinschaft.“

Wie komme ich nach San Francisco?

Die Bands besuchten sich of gegenseitig oder spielten - umsonst und draußen - im Golden Gate Park und seiner östlichen Erweiterung, dem Panhandle. Folk, Jazz, vom Blues inspirierte elektrifizierte Rockmusik verwoben sich zum „San Francisco Sound“. Das dreitägige Monterey Pop Festival - der Mutter aller Open Air Events, die noch kommen sollten - brachte den Durchbruch für Grateful Dead, Jefferson Airplane sowie Big Brother and the Holding Company, der Band von Janis Joplin. Und ja, Jimi Hendrix war auch da.

„Jede Fantasie, die sich um den Summer of ‚67 rankt - Frieden, Freude, Liebe, Gewaltlosigkeit, Blumen im Haar und sagenhafte Musik - wurde in Monterey real. Es war ein Glück“, sagt Dennis McNally, langjähriger Publizist und Biograf der Grateful Dead, der eine Ausstellung zum 50-jährigen in der California Historical Society kuratiert hat, die bis zum 10. September läuft. „On the Road to the Summer of Love“ erklärt, wie es damals dazu kommen konnte und warum San Francisco der Ort sein musste, in dem es geschah.

Bis Januar 1967 war San Franciscos sich entwickelnde Szene von den - heute würde man Mainstream-Medien sagen - ignoriert worden. Dann gab es das „Human Be-In“, in dem der Psychologe und Drogen-Guro Timothy Leary der Hippie-Community ihr Mantra gab: „Turn on. Tune in. Drop out.“

„Nachdem die Medien das mitgekriegt hatten, ist es einfach explodiert“, sagt McNally. „Plötzlich strömten Massen durch die Haight Street. Jedes gelangweilte Schulkind - und das sind alle - fragte: „Wie komme ich nach San Francisco?““

Doch für einige blieb es ein Traum wie im Song „California Dreamin’“ der Mamas & The Papas beschrieben. Andere endeten am „Dock of the Bay“, wie Otis Redding sang. Und jene, die es in die Hippie-Metropole schafften, genossen vor allem eins: die Wärme der „San Franciscan Nights“, die die Animals besangen.

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