Unter einem UV-Lichtgerät lassen sich Banknoten auf Echtheit prüfen. Links liegt der falsche, rechts der echte 50-Euro-Schein. Foto: AP

Blüten: Vor allem bei 20- und 50-Euro-Scheinen ist Vorsicht geboten -Schaden in Millionenhöhe.

Professionell nachgedruckte Euro-Scheine, falsche Werte oder mit einfachen Strichzeichnungen bemalte Geldscheine: In ihrer Kreativität kennen Geldfälscher keine Grenzen. Ist Geld zu fälschen kriminell? Ja, sicher. Aber der Besitz von Blüten ist nicht strafbar.

Er sitzt in einem Hinterhof, lehnt sich im Stuhl zurück und hält eine Banknote ins Licht. Mit einer Lupe vor dem Auge kontrolliert er, ob alles richtig ist. So werden Geldfälscher in Filmen dargestellt. Von dieser Vorstellung kann man sich verabschieden.

"Den Gelegenheitsfälscher trifft man nicht mehr so oft", sagt Rainer Elm, Leiter des Nationalen Falschgeldzentrums in Mainz. 90 Prozent der Blüten werden von professionellen Banden produziert. Am meisten werden dabei 20- und 50-Euro-Scheine gefälscht. 18.852 Blüten wurden bis Juli in Umlauf gebracht - 14.000 Stück davon entfielen auf diese beiden Banknoten. Der Schaden beläuft sich seit Anfang des Jahres auf 1,2 Millionen Euro.

Handel leidet am meisten

Die Fälscher greifen auch deshalb auf niedrige Werte zurück, weil im Handel meistens keine 200- oder 500-Euro-Scheine angenommen werden. Aus gutem Grund: Der Handel ist am meisten von Fälschungen betroffen. "Das liegt vor allem an den Verteilerwegen der Banden", sagt Elm. Ziel sei es, immer möglichst viel Wechselgeld für eine gefälschte Note zu bekommen. Die Leute, die das Falschgeld ausgeben, haben dann meist nur ein oder zwei Scheine bei sich. Wird so jemand erwischt, kann die Polizei selten eine Straftat nachweisen.

Der Besitz von Falschgeld ist nämlich nicht strafbar. "Man ist auch nicht gesetzlich verpflichtet, jemanden anzuzeigen, der einem Falschgeld anbietet", sagt Elm. Erst der Versuch, bewusst Falschgeld auszugeben, wird zur Straftat. Ein Recht darauf, die Blüte ersetzt zu bekommen, hat man nicht. Am Geldautomaten kann einem aber so gut wie nichts passieren: "Da wurden die Banknoten vorher kontrolliert", sagt Elm. "Falschgeld kann man eigentlich nur als Wechselgeld erhalten."

Anfassen, anschauen, kippen

Anfassen, anschauen, kippen

Deshalb rät der Spezialist, immer wachsam zu sein, wenn man 20- oder 50-Euro-Scheine als Wechselgeld erhalte. Zur Arbeit des Falschgeldzentrums gehört die Prävention: "Wir erklären, wie mit einfachen Methoden erkannt werden kann, ob die Note echt oder falsch ist." Durch anfassen, anschauen und kippen des Scheins lässt sich das mit Hilfe der Sicherheitsmerkmale schnell herausfinden.

Damit die Kunden im Laden nicht jeden Geldschein gegen das Licht halten müssen, empfiehlt der Experte für den Schnelltest das Erfühlen. "Das Papier der Scheine fühlt sich immer sehr griffig an", erklärt der Leiter der Falschgeldstelle. "Im Gegensatz zu Kopierpapier zum Beispiel, das ist sehr glatt." Das hat mit dem Druckverfahren zu tun, das zur Herstellung eingesetzt wird. So ist auch der Schriftzug der Europäischen Zentralbank rauer.

Immer mehr einfache Fälschungen

Um Fälschern auf die Spur zu kommen, gibt es das Nationale Falschgeldzentrum der Bundesbank. Hier werden alle Blüten aufbewahrt, die innerhalb der letzten 20 Jahre gefunden wurden. Findet die Polizei eine neue Blüte, wird sie ebenfalls dorthin geschickt. Dann untersuchen Druckingenieure die Banknote. Wie ist die Fälschung hergestellt worden? Wurde ein bestimmter Drucker verwendet? Welches Papier ist benutzt worden? Pro Tag werden bis zu 250 Scheine untersucht. "Jede Fälschergruppe hat ihre eigene Handschrift", sagt Elm. So können die Experten eine Art Landkarte an die Polizei liefern: Welche Fälscher sind wann und wo aktiv?

Bei ihren Analysen haben die Mainzer festgestellt, dass seltener professionell gearbeitet wird. Der Anteil an einfachen Fälschungen gestiegen ist: "Heute hat fast jeder einen Farbdrucker, einen Scanner, einen Computer", so Rainer Elm. Damit lassen sich recht passable Fälschungen herstellen. Das mache es umso schwerer für die Polizei, die Banden festzunehmen. Früher wurden die Druckplatten einfach eingezogen und die Fälscher festgenommen. Heute tauschen die Kriminellen die Daten einfach per USB-Stick aus: "Die Banden können sich immer wieder neu organisieren."

Zuweilen kommen Fälscher auf kuriose Ideen. Manche etwa zeichnen die Scheine einfach per Hand nach, erzählt Elm. Es gibt auch Fälscher, die aus einer 10-Euro-Note einen 100-Euro-Schein machen. Besonders dreist - oder dumm - sind diejenigen, die Werte in Umlauf bringen, die es gar nicht gibt: etwa einen 300-Euro-Schein.

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