Die Filmkomödie „Blues Brothers“ von John Landis aus dem Jahr 1979 hat Regisseur Andreas Kloos auf die Bühne gebracht. An der Esslinger Landesbühne führt der Roadtrip mit dem Moped durch The Länd.
Die actiongeladene Filmkomödie „Die Blues Brothers“ auf die Bühne zu bringen ist schon ein Spagat. Regisseur Andreas Kloos geht mit dem Ensemble der Esslinger Landesbühne noch weiter. Den Musikfilm aus den Südstaaten der USA verpflanzt er in die schwäbische Provinz. Dabei gelingt dem musikalischen Ensemble das Kunststück, den Filmklassiker von John Landis nicht plump zu übertragen, wie das der Untertitel „Ein Roadtrip through The Länd“ nahelegen mag.
Mit schwäbischer Textfassung und der Originalmusik aus dem Film, großartig für das Theater arrangiert vom musikalischen Leiter Edgar Müller-Lechermann, peitscht Regisseur Kloos die Akteure durch eine abenteuerliche Flucht vor der Polizei. Dabei retten die Brüder Hans und Elmar Eisele alias Jake und Elwood Blues mit ihrer Band ein christliches Kinderheim. Dass es dem Team nicht um eine Mundartpersiflage geht, zeigt das Bühnenbild. Statt rustikalem Landmief grenzt die Ausstatterin Esther Bätschmann die Bühne mit einer riesigen US-Flagge ein. Da brechen Markus Michalik als Jake und Martin Theuer in der Rolle des Elwood Blues 1979 zu ihrer Reise in die schwäbische Bluesszene auf – statt eines flotten Schlittens ist ihr Blues-Mobil ein Moped. Die Tour beginnt in der Justizvollzugsanstalt Stammheim.
Mit Sonnenbrille und schwarzem Humor
Da hat Jake seine Haftstrafe verbüßt. Mit Sonnenbrille, Hut und schwarzem Anzug ist Markus Michalik stilecht ausstaffiert. Mit trockenem Humor denkt er über Gott und die Kriminalität nach: „Ich und der liebe Gott – wir haben uns geeinigt.“ Sein Bruder Elwood steht ihm in nichts nach. Da sein Führerschein eingezogen ist, fälscht er den Lappen und bringt so die Polizei zur Weißglut. Als Ordnungshüter ist Antonio Lallo wunderbar komisch. Das Blaulicht auf der grünen Polizeimütze ist zu viel der Karikatur. Auch Oliver Moumouris treibt es als Bob, der Chef des Country-Bunkers ist, mit überzogenen Gesten zu bunt. Sein starker Blues-Gesang macht das wett. Feline Zimmermann entführt das Publikum in die liebeshungrige Welt der American Diner, auch wenn die Burger im Kirchheimer Industriegebiet Fleischküchle sind. Mit Leidenschaft zelebriert Kim Patrick Biele als Kellner wie als Finanzbeamter seine Komödienkunst. Eva Dorlaß und Franziska Theiner punkten als Soul-Girls.
Die Dynamik reißt nicht ab
Obwohl sich die wilden Actionszenen, die John Landis im Film mit den Stars Dan Aykroyd und John Belushi drehte, nicht auf die Bühne übertragen lassen, reißt die Dynamik in dem fast zweieinhalbstündigen Musiktheater nicht ab. Sogar die Szenen in der Baptisten-Gemeinde verortet Regisseur Kloos im Schwäbischen. Im rot-goldenen Gewand läuft Felix Jeiter mit seinen sangesfreudigen Gläubigen zu Höchstform auf. Als Klaus Häberle, der sich „Reverend Cleophus“ nennt, inszeniert der Schauspieler lustvoll eine Besessenheit, wie man sie auch dem schwäbischen Pietismus zuschreibt.
Mit starken Bassstimmen und tänzerischem Talent, an dem Choreograf Harald Kratochwil feilte, sind die beiden Hauptdarsteller Michalik und Theuer der Motor des bemerkenswerten Musiktheaters an der Landesbühne. Beim großen Finale mit dem Ensemble interpretieren sie den „Jailhouse Rock“ aus der Feder so überzeugend, dass das Premierenpublikum von den Stühlen aufstand und Zugaben forderte.
Nächste Vorstellungen im Schauspielhaus der Esslinger Landesbühne: 10. und 13. Oktober sowie 9. und 24. November.