Foto aus vergangenen Tagen: Petra Herrling ist nicht mehr Blüba-Chefin. Foto: Archiv (Simon Granville)

Nach nicht mal dreieinhalb Jahren endet die Amtszeit für Petra Herrling völlig überraschend. Was steckt dahinter? Wir haben nachgehakt.

Die Blüba-Saison ist in vollem Gange, erst vor wenigen Tagen haben zig Tausende das große Ballonblühen vor dem Ludwigsburger Schloss genossen. Wer überraschend fehlte, war die Direktorin des Blühenden Barock, Petra Herrling. Ein Umstand, der im Nachhinein wie ein Vorbote für die kommenden Ereignisse erscheint: Am Montag ist Petra Herrling offiziell aus ihrem Amt als Geschäftsführerin ausgeschieden.

 

Die offizielle Pressemitteilung zu der Personalie gibt nur wenig Aufschluss über die Gründe. Von gegenseitigem Einvernehmen zwischen ihr und dem Aufsichtsrat ist die Rede und dass es „unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung der Gesellschaft“ gab. Wir haben nachgehört, wie es zu dieser nach außen hin so unerwarteten Entscheidung gekommen ist.

Hinter den Kulissen brodelte es

Demnach ist es hinter den Kulissen des Blüba offenbar schon eine ganze Weile am Brodeln. Einige Quellen berichten von Problemen, auch aus der Mitarbeiterschaft soll es Vorwürfe gegeben haben. Andere sehen die Situation differenzierter: Nach einer so langen Ära unter einem anderen Geschäftsführer sei die Zeit für die neue Direktorin nicht immer leicht gewesen.

Petra Herrling selbst wollte sich zu den näheren Gründen für ihren Abschied sowie zu den genannten Vorwürfen nicht äußern. „Mein Ausscheiden aus der Geschäftsführung des Blühenden Barock Gartenschau Ludwigsburg GmbH erfolgte einvernehmlich mit dem Aufsichtsrat“, schreibt sie auf Anfrage. „Dies ist der am 4. Mai veröffentlichten Pressemitteilung des Blüba zu entnehmen. Damit ist der Sachverhalt dargestellt.“

Petra Herrling hat das Amt Anfang 2023 nach einer Einarbeitungsphase von ihrem Vorgänger Volker Kugel übernommen. In ihrer Zeit als Direktorin hatte sie die Leitung über zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen und versuchte dabei, dem Blüba einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Themen wie Artenvielfalt, die bei den Traumpfaden und diversen Ausstellungen zum Tragen kamen, waren ihr ein Anliegen, aber auch das Thema Inklusion mit Blick auf die Stationen im Märchengarten.

Stefan Hinner, Geschäftsführer der Juckerfarm Deutschland, die unter anderem die Kürbisausstellung und den derzeit laufenden Blütenzauber organisiert, hebt vor allem Herrlings Leistung mit Blick auf die Blüba-Homepage und die Social-Media-Auftritte hervor. „In diesem wichtigen Bereich hat sich sehr viel getan.“

Herrling galt als sehr umstritten

Gleichzeitig wurde Petra Herrling immer wieder mit Kritik von außen konfrontiert, was ihre Vorstellungen oder Herangehensweisen betrifft. So weit, so normal, auch Volker Kugel musste sich zum Beispiel bei der Einführung des interaktiven „Tumults im Märchengarten“ Kritik gefallen lassen. In einem Interview erzählte sie allerdings, dass diese Kritik oft in einem Ton geäußert würde, den bei ihrem Vorgänger niemand so angeschlagen hätte. Trotzdem sei es nicht so, als hätte Petra Herrling Rückmeldungen von außen nicht auch ernstgenommen, so Stefan Hinner. Beispielsweise sei die Zahl der Ausstellungen für dieses Jahr zurückgefahren worden, um dem Blüba eine von vielen gewünschte „Ruhephase“ zu gönnen.

Andere berichten dagegen von der Kehrseite der Medaille. Namentlich möchte sich niemand entsprechend zitieren lassen. Jedoch liegen unserer Zeitung aus mehreren Quellen Informationen darüber vor, dass die Blüba-Direktorin sowohl bei Veranstaltern als auch bei Mitarbeitenden als sehr umstritten galt. Ein Veranstalter bezeichnet die Zusammenarbeit als schwierig, da Herrling unter anderem grundsätzlich bei allem habe mitbestimmen wollen und Entscheidungen zum Teil sehr kurzfristig geändert habe. Petra Herrling selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Von fehlendem Fingerspitzengefühl ist von unterschiedlicher Seite die Rede – was sich dem Vernehmen nach vor allem auf die Mitarbeitenden ausgewirkt hat, die mit dem Führungswechsel Schwierigkeiten hatten. Anscheinend haben unter Herrlings Führung mehrere Mitarbeitende das Blüba verlassen. Ein ehemaliger Mitarbeiter bemängelt ganz konkret, dass einige sich nicht ernstgenommen fühlten und ihre Expertise zwar gehört, bei Entscheidungen aber nicht berücksichtigt worden sei. Petra Herrling selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Und wie geht es nun weiter? Die Interimsgeschäftsführung übernimmt Bernhard Gieß, Jurist und ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrats der BlüBa GmbH. Über die dauerhafte Neubesetzung der Geschäftsführung wird der Aufsichtsrat zu gegebener Zeit entscheiden. Ein entsprechender Auswahlprozess wird nun eingeleitet. Bernhard Gieß leitete vor seinem Ruhestand 2021 für acht Jahre das für Immobilienmanagement, Schlösser und Gärten sowie Kulturliegenschaften zuständige Referat im Finanzministerium. Er kommt ursprünglich aus Denkendorf im Landkreis Esslingen und studierte Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen.