Der Blüba-Südgarten als neuer, öffentlicher Weg durch die Stadt – diese Idee haben Stadträte in Ludwigsburg eingebracht. Nun melden sich zwei engagierte Bürgerinnen zu Wort, befürworten die Idee und nehmen die Gegenargumente auseinander.
Es ist nur wenige Tage her, da hat die Stadt Ludwigsburg einen Preis von Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne) erhalten. Die Barockstadt habe herausragende Leistungen im Bereich des Fuß- und Radverkehrs erbracht, beispielsweise die Radwegverbindungen in der Weststadt und der neue Zebrastreifen vor dem Bahnhof. Ein Preis für selbstverständliche Projekte, die viel zu spät und zögerlich umgesetzt wurden – die Ludwigsburgerin Rowitha Matschiner findet das nur noch zum Kopfschütteln.
Die ehemalige Grünen-Stadträtin hat sich den Großteil ihres Lebens für bessere Rad- und Fußwege in Ludwigsburg eingesetzt – passiert sei jedoch viel zu wenig. Nun sieht sie aber eine neue Chance, Ludwigsburg fußgängerfreundlich und lebenswerter zu machen. In der Öffnung des Südgartens des Blühenden Barocks sehen Matschiner und eine zweite Bürgerin viel Potenzial für die Stadt – die Argumente des Oberbürgermeisters können sie nicht nachvollziehen.
Im Oktober haben Freie Wähler und SPD im Ludwigsburger Gemeinderat einen Antrag eingereicht, der das Blühende Barock auf den Kopf stellen könnte. Die zwei Fraktionen fordern vom Blüba-Aufsichtsrat, sich mit kostenfreien Zugängen zum Südgarten zu beschäftigen. Damit sollen Bürger einfacher von der Oststadt in die Innenstadt gehen können – de facto würde der Südgarten damit zu einem öffentlichen Park werden.
„Das Krankenhaus und der Friedhof wären schneller erreichbar, Bürger müssten nicht den Umweg an der viel befahrenen Schorndorfer Straße nehmen“, sagt Roswitha Matschiner. „Ich habe früher einmal im Krankenhaus gearbeitet, der Umweg hat mich jedes Mal geärgert“, ergänzt Elke Vogelsang. Die Ludwigsburgerin hat sich bei dieser Redaktion gemeldet, um sich öffentlich für einen kostenlosen Südgarten auszusprechen. „Wir wollen uns doch alle in Ludwigsburg wohlfühlen, ein Südgarten für alle würde da auf jeden Fall helfen.“ Mit dem Schloss und dem Blühenden Barock habe die Stadt so ein großes Potenzial, das man zum Wohle der Bürger nutzen solle.
Vogelsang und Matschiner sehen im offenen Südgarten einen potenziellen Naherholungsort, einen Spaziergarten und einen Treffpunkt. Die Bürger würden von der kostenfreien Parkanlage profitieren, andere barocke Anlagen würden es bereits vormachen, sagen die zwei Ludwigsburgerinnen. Die Gartenanlagen des Potsdamer Schlosses Sanssouci, der Münchener Nymphenburg und des Wiener Schlosses Schönbrunn sind alle kostenlos zugänglich und beleben die Stadt.
Die CDU im Gemeinderat und Oberbürgermeister Matthias Knecht sehen die Idee eines offenen Südgartens jedoch kritisch. Denn einerseits könnte die Verantwortung für den Park in die Hände der Stadt fallen – neue Kosten und personeller Aufwand wären die Folgen. Zudem gibt es die Befürchtung, dass die offene Anlage verschmutzt und die Gärten demoliert werden könnten.
Blüba-Leiterin Petra Herrling äußert sich nicht zum Vorstoß der Freien Wähler und SPD, laut eigener Aussage kann sie zu dem Thema nichts beitragen. Die Blüba-Leitung wird der Öffnung jedoch höchstwahrscheinlich kritisch gegenüberstehen. Der kostenpflichtige Bereich des Blüba würde mit der Öffnung des Südgartens um 20 Prozent schrumpfen. Ein Einfallstor für Diskussionen um eine Senkung der Eintrittspreise.
Sie erkenne keine stichhaltigen Argumente, sagt Rowitha Matschiner. Ein neuer Eingang mitsamt Drehkreuz sei schnell und kostengünstig installiert. Auch wegen des Vandalismus brauche man sich keine Sorgen machen. „Der Schlosshof ist schon frei zugänglich und dort passiert auch nie etwas.“ Zudem könnte man die Tore zum Südgarten in der Nacht schließen, ergänzt Elke Vogelsang. Die Gefahr von Vandalismus würde sich dadurch auf ein Minimum reduzieren.
Es braucht mutige Stadträte – und eine aktive Bürgerschaft
Die beiden Ludwigsburgerinnen glauben nicht, dass die Öffnung einen wirtschaftlichen Schaden für das Blüba zur Folge hätte. Die Zugpferde wie der Märchengarten und die Kürbisausstellung bleiben im kostenpflichtigen Bereich, Besucher von außerhalb würden weiterhin Eintritt zahlen, sind sich beide sicher. Mit Blick auf Freunde und Verwandte glauben sie auch nicht, dass der Dauerkartenverkauf bei Einheimischen drastisch einbrechen könnte. Im Gegenteil: Eine Öffnung könnte Vorteile bringen, sagt Matschiner. Beispielsweise während der Barocken Gartentage, die sich über mehr Laufkundschaft freuen würden.
Sie hoffen, dass die Stadträte den Antrag mit Nachdruck verfolgen – aber auch, dass ein Ruck durch die Stadtbevölkerung geht. Matschiner glaubt, dass ein Großteil der Ludwigsburger die Öffnung gutheißt: „Man muss dann aber auch dafür einstehen.“
Wer entscheidet über die Zukunft des Blühenden Barock?
Organisatorischer Aufbau
Stadträte können in Form von Anträgen Einfluss auf die Zukunft des Blüba nehmen, eine Entscheidungsmacht haben die gewählten Vertreter jedoch nicht. Die Macht liegt bei den drei Organen der Blühenden Barock Gartenschau Ludwigsburg GmbH: Die Geschäftsführung in Person von Petra Herrling, der sechsköpfige Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung.
Aufsichtsrat
In der Frage nach einem kostenlosen Südgarten spielt besonders der Aufsichtsrat eine wichtige Rolle. Dessen Vorsitz hat Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht. Zudem sitzen zwei Stadträte der stärksten Gemeinderatsfraktionen im Aufsichtsrat: Klaus Herrmann von der CDU und Laura Wiedmann von den Grünen. Drei weitere Sitze haben die Landesbeamtinnen Juliane Weckerle, Lena Funk und Sabine Schmidt aus dem Finanzministerium inne.