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Von Blütenpracht kann im Blühenden Barock noch keine Rede sein. Schuld ist der Winter.

Ludwigsbug - Erfolgreich durch die Krise: Wie andere Ausflugsziele im Land profitiert auch das Blühende Barock vom veränderten Freizeitverhalten der Schwaben. Zum Saisonstart sind mehr als 33.000 Dauerkarten weg, die Gartenschau rechnet erneut mit über 500.000 Tagesgästen.

Von Blütenpracht kann im Blühenden Barock zur Eröffnung noch keine Rede sein. Nach dem ebenso langen wie schneereichen Winter ist die Natur knapp zwei Wochen im Verzug, allenfalls die vor der Südfassade des Ludwigsburger Residenzschlosses in die Rabatten gesetzten Tulpen bringen etwas Farbe ins winterliche Grau. Für einen Ausflug ins Blühende Barock werden die meisten Besucher noch bis Ostern warten, der Saisonauftakt lockt höchstens Gartenschau-Puristen auf den drei Kilometer langen Rundweg durch das 30 Hektar große Areal im Herzen der Stadt.

"Vor einer Woche hatten wir noch zwölf Grad unter null", räumt Gartenschau-Chef Volker Kugel ein, dass im Kampf gegen die Kälte in diesem Jahr selbst die besten Tricks der Gärtner versagt haben. Normalerweise päppeln Mitarbeiter knapp 60.000 Tulpenzwiebeln im Gewächshaus auf, um pünktlich zum Saisonbeginn strahlende Farben bieten zu können. In diesem Jahr erlitten die vorkultivierten Blüten prompt einen Kälteschock. "Selbst den Rollrasen mussten wir am Niederrhein besorgen", stöhnt Chefgärtner Kugel über den Temperatursturz.

Schon mehr als 33.000 Jahreskarten weg

Allerdings: Trotz der Mühen zum Saisonauftakt geht das Blühende Barock erneut von einer erfolgreichen Bilanz aus. "Wie alle Ausflugsziele im Land profitieren wir derzeit davon, dass die Menschen auf teure Flugreisen verzichten und lieber einen Kurztrip zu Freizeiteinrichtungen in der Nähe unternehmen", weiß Kugel. Er erwartet auch 2010 mehr als eine halbe Million Tagesgäste in den Ludwigsburger Schlossgärten. Am Rande einer Fachtagung in Rastatt hat dem Gartenschau-Chef jüngst der Freizeitforscher Horst W. Opaschowski bestätigt, dass ein Ende dieses Trends nicht absehbar sei. "Für Opaschowski ist Natur eines der zehn Zukunftsthemen. Und wenn er als Trendpapst den Garten als einen der letzten Freiräume des Menschen sieht, glaube ich ihm das aufs Wort", berichtet Kugel.

Das Ergebnis des Vorverkaufs bei den Dauerkarten scheint die Zuversicht zu bestätigen: Schon vor dem Saisonstart gingen mehr als 33.000 Jahrestickets weg, das sind nur 500 weniger als beim durchs Jubiläum des Märchengartens angekurbelten Rekord im Vorjahr. Bermerkenswert ist diese Zahl schon deshalb, weil die Gartenschau 2010 nicht mit einer neuen Attraktion aufwarten kann. Weil Stadt und Land ihren Zuschuss auf je 400.000 Euro gekürzt haben, fehlen Kugel unterm Strich 225.000 Euro im Etat. Der lange geplante Bau eines Vogel- und Kakteenhauses im Nordgarten musste deshalb verschoben werden, den Umbau des Haupteingangs hat die Gartenschau auf Eis gelegt. "Wir gönnen uns eine Verschnaufpause", meint Kugel zum verordneten Sparkurs - mehr als die überfällige Sanierung des Bootshebewerks im beliebten Märchenbach ist dieses Jahr finanziell nicht drin.

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