Eine Zeitungsmeldung, die unserem Kolumnisten zu denken gab. Foto: Decksmann/KNITZ

Kolumnist KNITZ wird immer sprachsensibler. Plötzlich stößt er sich an einer ganz gemeinen Zeitungsmeldung.

KNITZ wird mit den Jahren immer sprachsensibler. Unlängst ist er zusammengezuckt, als er in seiner Zeitung las: „Chaos wegen herrenlosem Gepäckstück“.

 

Früher hätte er sich gefragt, wo das Gepäckstück für Chaos gesorgt hat. Oder an Weihnachten: Ob es sich nicht um einen Vertipper handelt und das Gepäckstück ein Gebäckstück war. Jetzt aber schoss es ihm durch den Kopf: Woher wissen die, dass es das Gepäckstück eines Herren war? Hätte es nicht auch ein damenloses Gepäckstück sein können? Noch ist KNITZ nicht so weit, an ein diverses Gepäckstück zu denken. Das kommt aber bestimmt auch noch.

Wie muss ein Herr heutzutage aussehen?

Überhaupt, die Sache mit den Damen und den Herren, die man von einem Podium herab begrüßt. Klingt irgendwie komisch. Der Comedian Torsten Sträter hat KNITZ draufgebracht, als er im Fernsehen fragte: „Wie viele Herren kennen sie konkret?“ Und dann persiflierte Sträter, was er sich heute so unter einem Herrn vorstellt: „Der Ronny, wie der morgens mit seinem Lipizzaner zum Penny-Markt reitet, das sind so majestätische Bilder.“ Wir sind Typen, rief Sträter, Typen.

Doch nicht nur KNITZ, auch sein Umfeld wird immer sprachsensibler. Er ist verblüfft, wie wenig es manchmal braucht, um ein harmloses Tischgespräch auf ein hochpolitisches Stammtischniveau zu bringen. Da reicht ein Wort wie „Stadtbild“ oder, neuerdings, „rehbraune Augen“.

Warum hat die Grünenpolitikerin nicht Farbe bekannt?

Aus gutem Grund hält sich KNITZ für gewöhnlich aus politischen Debatten heraus, aber wenn eine junge Grünenpolitikerin ein acht Jahre altes Video des CDU-Kandidaten Hagel raushaut, in dem der über die „rehbraunen Augen“ einer Schülerin sinniert – und sie dann behauptet, dass das nichts mit Wahlkampf zu tun habe, dann kommt KNITZ nicht umhin, seinen Senf dazu zu geben.

Warum hat die Frau nicht Farbe bekannt, und gesagt, sie finde, dass das für sie auch im Nachhinein noch skandallos sei und man so einen Mann nicht wählen dürfe? Findet KNITZ zwar nicht, aber das wäre wenigsten ehrlich gewesen.

Hätte Stochs Fahrer altes Baguette kaufen sollen?

Ohnehin wirkt die Erregbarkeit vor den Landtagswahlen bisweilen lächerlich. Nehmen wir den SPD-Stoch, der, nachdem er im Badischen eine Tafel besucht hat, seinen Fahrer über die Grenze schickt, um bei einem französischen Metzger Spezereien zu besorgen. Ein gefundenes Fressen für moralinsaure Kostverächter! Hätte der Stoch den Fahrer zu einem Bäcker schicken sollen, um altes Baguette zu kaufen, das man, in Milch eingelegt, mit Eiern zu einem Arme-Leute-Essen aufbereiten kann?

KNITZ will an einem kleinen Beispiel zeigen, was ihm unter einem Politikum vorschwebt: Vor einiger Zeit hat der gute Stoch beklagt, dass die grün-schwarze Landesregierung nichts gegen die gängige Praxis unternehme, wonach Vertretungslehrer vor den Ferien gekündigt und hinterher wieder eingestellt werden. Ein guter Einwurf, bei dem man aber im Hinterkopf haben sollte, dass er aus dem Mund eines Mannes kommt, der von 2013 bis 2016 baden-württembergischer Kultusminister war.

„Bein wie ein Reh“ ist nicht lustig

Eigentlich kann KNITZ froh sei, wenn nun rehbraune Augen ins Blickfeld gerückt sind. Dann dürfte er ungestört durchkommen, wenn er in diesen Tagen beim Radeln wieder Bein zeigt. Jeden Frühling den Spruch „Beine wie ein Reh. Nicht so schön, aber so behaart“ zu hören, ist nicht lustig.