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Die Stadt Stuttgart hat 2012 mehr Temposünder ertappt als im Vorjahr. Am Neckartor ging es dabei um Luftreinhaltung. Mit Wirkung: Die Werte für Stickstoff­dioxid gehen dort massiv zurück.

Stuttgart - Eine Entwarnung käme zu früh. Das Stuttgarter Neckartor bleibt bei der Luftverschmutzung weiter einer der größten Problemfälle in Deutschland. Nach wie vor werden dort sämtliche Grenzwerte deutlich übertroffen. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer im schier aussichtslosen Kampf der Stadt gegen die dicke Luft.

Das Ordnungsamt hat jetzt errechnet, wo in der Stadt im vergangenen Jahr wie viele Autofahrer wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt worden sind. Und dabei nicht nur festgestellt, dass es erneut mehr gewesen sind als im Jahr davor. Fast noch wichtiger ist eine andere Erkenntnis: Es lässt sich inzwischen ein klarer Zusammenhang zwischen neuen stationären Überwachungsanlagen und der Luftqualität feststellen. Besonders am Neckartor.

Stickstoffdioxidbelastung ist deutlich zurückgegangen

„Seit die Blitzer in der Cannstatter Straße im Spätsommer 2010 in Betrieb gegangen sind und man die Höchstgeschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer abgesenkt hat, ist die Stickstoffdioxidbelastung dort deutlich zurückgegangen“, sagt Ulrich Reuter, Stadtklimatologe beim Umweltamt. Der zulässige Stundenmittelwert darf pro Jahr in nur 18 Stunden überschritten werden. Noch vor wenigen Jahren verzeichnete man hier 400 bis 800 Stunden. Im Jahr 2010, vorwiegend vor Installation der Blitzer, waren es 182. In den Jahren 2011 und 2012 sind es nur noch je 70 gewesen.

Der Experte erklärt sich das mit zwei Auswirkungen: Zum einen fahren die Autos durch das gesunkene Tempolimit und die Überwachung deutlich langsamer als früher. Zudem verstetige sich der Verkehr, fließe also gleichmäßiger. Doch alles erklärt sich damit auch für das Umweltamt nicht: Warum etwa im Januar keine einzige Überschreitungsstunde verzeichnet worden ist, stellt auch die Experten vor Rätsel.

Für den Feinstaub gilt die Verbesserung nicht in gleichem Maße. „Dort nimmt die Belastung zwar auch ab, die Schwankungen von Jahr zu Jahr sind aber recht groß“, sagt Reuter. Die endgültigen Zahlen für 2012 liegen noch nicht vor, der Experte rechnet am Neckartor aber mit rund 80 Tagen mit Grenzwertüberschreitungen. Nach 89 Tagen 2011 und noch jeweils zwischen 160 und 190 Tagen in den Jahren 2004 bis 2006 wäre das ein guter Wert – der aber immer noch weit über den erlaubten 35 Tagen pro Jahr liegt.

Stadt wird mit weiteren Blitzern gegen Luftverschmutzung vorgehen

Es gilt deshalb als sicher, dass die Stadt mit weiteren Blitzern und Tempolimits gegen die Luftverschmutzung vorgehen wird. In der Hohenheimer Straße etwa gilt seit kurzem Tempo 40. Erkenntnisse über erste Erfolge liegen bisher laut Umweltamt noch nicht vor.

Auf der B 14 soll sich im Lauf des Jahres eine weitere Blitzersäule zu den beiden bestehenden in der Cannstatter Straße hinzugesellen. „Der genaue Zeitpunkt und Standort sind noch unklar“, sagt Thomas Grab von der Verkehrsüberwachung der Stadt. Die Anlage soll aber wohl auf Höhe des neuen Innenministeriums in der Willy-Brandt-Straße stehen und im Wechsel mit den beiden anderen bestückt werden. „Wir gehen davon aus, dass sich der Verkehrsfluss damit weiter verstetigt“, sagt Grab, „in der Cannstatter Straße ist das eklatant.“ Versuchsweise soll künftig auf Teilen der B 14 je nach Bedarf zwischen Tempo 40 und 50 gewechselt werden. Die Überwachungssäulen müssen dafür jeweils von Hand umgestellt werden.

Damit aber noch nicht genug der neuen Blitzer. Im zweiten Halbjahr soll auch am Schattenring stadteinwärts eine Säule installiert werden. Dort geht es freilich nicht um bessere Luft: Weil viele Autofahrer, die aus Richtung Vaihingen kommen, mit zu hoher Geschwindigkeit auf die B 14 zum Heslacher Tunnel abbiegen, kommt es dort immer wieder zu schweren Unfällen.

Dass Blitzer auch in dieser Hinsicht helfen können und nicht nur bei der Luftqualität, sieht die Stadt durch ihre Unfallstatistik belegt. 2001 gab es im Stadtgebiet 670 Unfälle, die durch zu schnelles Fahren ausgelöst worden sind. Zehn Jahre später sind es noch 296 gewesen. Deshalb wird der Kontrolldruck weiter hoch gehalten. Dass das offenbar nötig ist, zeigen die Zahlen: 2012 sind an den stationären Anlagen 217 000 Tempoverstöße registriert worden, 7500 mehr als im Jahr zuvor. Auch mit mobilen Anlagen wurden mehr Temposünder erwischt: 94 000 sind ein Plus von über 2000. Eine Entwarnung käme wie am Neckartor also auch hier zu früh.

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