Raser nimmt die Polizei in dieser Woche besonders ins Visier: Tempokontrollen werden in ganz Europa intensiviert. (Symbolfoto) Foto: Jan Woitas/dpa

Überhöhtes Tempo ist Hauptursache von tödlichen Verkehrsunfällen. Dafür will die Polizei sensibilisieren. So läuft die Blitzer-Aktionswoche im Kreis Esslingen ab.

Alles ist im Einsatz, teilt der Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen mit, das auch für den Kreis Esslingen zuständig ist. Klingt nach Großalarm, ist aber keiner. Auch wenn es einen dramatischen Hintergrund hat. Im Einsatz ist alles, was Geschwindigkeit misst: Polizeibeamte mit Laserhandmessgeräten und den im Volksmund als Radarfallen bekannten, teilweise auf Anhängern montierten Lichtschrankenmessgeräten. Seit Montag läuft bei der Polizei wieder die Speedweek – natürlich mit umgekehrter Bedeutung als im Motorsport: weniger statt mehr Vollgas.

 

„Noch die ganze Woche bis kommenden Sonntag liegt bei uns der Fokus auf Geschwindigkeitskontrollen“, sagt der Reutlinger Polizeisprecher. Vor allem in Tempo-30-Zonen, bei Kitas, Schulen und Seniorenheimen sowie an Fußgängerüberwegen sollen Rasern die Bußgelder auf die Bleifüße fallen. Was nicht heiße, dass nur in solchen sensiblen Zonen kontrolliert werde, betont die Polizei.

Noch keine Zahlen und Auswertungen

Wo genau im Kreis Esslingen die Blitzer aufgestellt sind, wird natürlich nicht verraten. Auch liegen laut dem Polizeisprecher noch keine Zahlen und Auswertungen über Tempoverstöße und illegale Höchstgeschwindigkeiten vor. Was vorliegt, sind Erhebungen des Statistischen Bundesamts für ganz Deutschland zur Ursache tödlicher Verkehrsunfälle. Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit führt die Liste an: 30 Prozent aller Unfälle mit Todesfolge sind darauf zurückzuführen.

Das dürfte in ganz Europa so oder ähnlich sein. Der Kampf gegen die lebensgefährliche Raserei wird deshalb nicht nur bundes-, sondern europaweit geführt. Und zwar auf Initiative des European Roads Policing Network (Roadpol), eines internationalen Polizeinetzwerks, dem Verkehrspolizeien aus 31 Ländern angehören, darunter auch Nicht-EU-Staaten wie Großbritannien, Norwegen oder die Türkei. Roadpol hat es sich zum Ziel gesetzt, mit den Mitteln der Verkehrskontrolle vor allem die Zahl schwerer Unfälle zu senken. Und während gemeinen Autofahrern angesichts der Toten und Schwerverletzten nichts Besseres einfällt, als über „Blitzabzocke“ zu meckern, findet die Aktion die volle Unterstützung des ADAC: „Die Blitzer-Aktionswochen leisten nach Ansicht des ADAC einen Beitrag zur Verkehrssicherheit“, heißt es auf der Website des größten deutschen Autofahrervereins.

Mit Kontrollen will die Polizei dafür sorgen, dass Tempolimits auch für Raser gelten. Foto: Stock Adobe

Die Aktionen werden europaweit von Roadpol koordiniert – nicht ohne Grund auch in der Ferienzeit, um den Urlauberverkehr zur Vorsicht zu mahnen. Auch im Ausland sollte man also besser mal den Fuß vom Gaspedal nehmen. Einige Bundesländer – darunter Bayern – haben sich von der Sommeraktion allerdings ausgeklinkt. Im Unterschied zur ersten Aktionswoche in diesem Jahr vom 7. bis 13. April findet diesmal auch kein sogenannter Blitzer-Marathon statt, bei dem „an einem Tag Mann und Maus mit Messgeräten unterwegs sind“, wie der Reutlinger Polizeisprecher sagt. Jetzt wird der Einsatz über die ganze Woche gestreckt, um den Präventionseffekt zu vertiefen. Just auf diesen Effekt zielt freilich auch die Medienresonanz, die mit spektakulären Aktionen wie im Frühjahr erreicht werden soll. Es geht nicht nur ums Überwachen und Strafen, sondern um allgemeine Aufmerksamkeit für die Risiken des Rasens.

Bürgerbefragung in Heilbronn

Heilbronn startete dafür eine spezielle Vorfeld-Aktion. Die Stadt forderte ihre Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich auf,  Raser-Hotspots zu nennen: von missachteten Tempolimits im Wohngebiet bis zu Zebrastreifen, über die ungebremst hinweggebrettert wird. Im Kreis Esslingen sind Bürgerbefragungen dieser Art unbekannt, bestätigt der Polizeisprecher. Ebenso in den drei übrigen Landkreisen, für die das Reutlinger Präsidium zuständig ist. Die Städte Esslingen, Nürtingen und Ostfildern weisen aber darauf hin, dass sie Beschwerden über zu schnelles Fahren nicht nur vor und während den Aktionswochen nachgehen. „Wir nehmen die Bürgerbeschwerden ernst und prüfen sie sorgfältig“, sagt die Ostfilderner Stadtsprecherin Tanja Eisbrenner. In Esslingen gibt es für solche Hinweise die E-Mailadresse vollzugsdienst@esslingen.de.