Die Wahl ist entschieden. Nun ist klar, wer neuer Chef auf dem Rathaus wird. Foto: Karsten Schmalz

Die Erdmannhäuser haben auf Führungserfahrung gesetzt. Mit Blick auf das, was kommt, ist das richtig, sagt Karin Götz in ihrem Kommentar zur Bürgermeisterwahl.

Erdmannhausen - Dieses Mal ist ihm die Wende gelungen. Hatte sich Marcus Kohler bei seiner Kandidatur in Oberstenfeld vor fünf Jahren sowohl in Wahlgang eins, als auch in Wahlgang zwei mit dem bitteren zweiten Platz begnügen müssen, hat er in Erdmannhausen nicht nur die 13 Stimmen Abstand zu Robin Reindl aufgeholt, sondern den Vorsprung sogar ausgebaut. Mit einem Plus von 85 Stimmen geht er in seine erste Amtszeit. Damit wiederholt sich in Erdmannhausen nach acht Jahren die Geschichte eines relativ knappen Wahlsieges. Sie erinnern sich? Amtsinhaberin Birgit Hannemann hatte vor acht Jahren gerade mal mit 91 Stimmen die Nase vor dem damaligen Rathauschef Lutz Schwaigert.

Hinter Kohler und Reindl liegt ein von beiden fair geführter Wahlkampf. Beide hatten es nicht leicht. Das Coronavirus und die damit verbundene Kontaktsperre machte ihnen einen Strich durch die Wahlkampf-Rechnung. Beide agierten besonnen. Die Gesundheit aller hat oberste Priorität. Das betonten sie immer wieder – und es blieb nicht bei leeren Worten.

Was hat also letztlich das Blatt zugunsten von Marcus Kohler gewendet? Es scheint, als ob die Mehrheit der Erdmannhäuser, vielleicht auch gerade vor dem Hintergrund der Coronakrise, auf den Bewerber gesetzt hat, der Erfahrung, Ruhe, Besonnenheit aber auch Tatkraft ausstrahlt. Robin Reindl hat eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Ein Plus, das er ohne Frage einbringen hätte können. Doch er hat keine Führungserfahrung. Und genau die wird es in den nächsten Monaten mehr denn je brauchen. Denn die See wird stürmisch werden. Die Kommune wird mit den Nachwirkungen der Coronakrise zu kämpfen haben. Und da braucht es einen erfahrenen Kapitän auf der Kommandobrücke. Einen, der die Richtung vorgibt, den Kurs hält – und dennoch auf seine Mannschaft hört.

Beides Fähigkeiten und Eigenschaften, die Kohler vorweisen kann. Durch seine Arbeit als Unternehmer im Bereich Management- und Personalberatung und durch seine zahlreichen Ehrenämter – als Fußballtrainer, als Kommunalpolitiker, als Vorsitzender des Bürgervereins Oßweil. Kohler nimmt seinen Gegenüber ernst und ist ein Brückenbauer. Aber er redet niemandem nach dem Mund, sondern steht zu Positionen und erliegt nicht der Versuchung, Wahlversprechen zu machen. Siehe Feuerwehr-Neubau auf der grünen Wiese.

Diesen Eindruck hat er bereits im Wahlkampf in Oberstenfeld und jetzt erneut in Erdmannhausen gemacht. Jetzt muss er seinen Worten auch Taten folgen lassen und zeigen, dass die Bürger die richtige Wahl getroffen haben. Und der Verlierer kann mit einem guten Gefühl und durchaus selbstbewusst die Wahlbühne verlassen. Mit seinen 27 Jahren steht ihm noch alles offen. Er hat nichts falsch gemacht. Es war einfach nicht der richtige Ort zur richtigen Zeit.

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