Die Wahlbeteiligung bei Bürgermeisterwahlen ist auch im Landkreis Ludwigsburg gering. An fehlender Gereiztheit scheint es allerdings nicht zu mangeln. Warum Wählen wichtig ist.
Glückwunsch, Sie haben gewählt! 1816 Menschen in Großbottwar haben am vergangenen Sonntag ihr Bürgerrecht wahrgenommen und ihre Stimme bei der Bürgermeisterwahl vergeben. 1816 von 6444 Wahlberechtigten. Das sind knapp 29 Prozent.
29 Prozent ist eine beachtliche Wahlbeteiligung bei einer Bürgermeisterwahl, bei der nur ein Kandidat seinen Hut in den Ring geworfen hat. Kürzlich in Asperg erreichte Christian Eiberger bei der gleichen Konstellation knapp 32 Prozent Wahlbeteiligung. Beide, Eiberger und Zimmermann, freuen sich über den Zuspruch aus ihrer Bevölkerung. Zu Recht?
Bürgerrecht ist Bürgerpflicht
Ist es wirklich ausreichend, wenn nur ein Drittel der Bürger an einer Wahl teilnimmt? Nein, ist es nicht. Auch dann nicht, wenn nur ein Kandidat antritt und der Wahlausgang damit schon vorher klar ist. Denn Bürgerrecht ist auch Bürgerpflicht.
In einer Demokratie zu leben, in der es freie Wahlen gibt, ist nicht selbstverständlich. Das Argument, dass anderswo Menschen ihr Leben aufs Spiel setzen, um wählen zu können, mag abgedroschen klingen, ist aber Fakt. Ebenso wie die Tatsache, dass Demokratie nur funktioniert, wenn alle – oder zumindest viele – mitmachen.
Zwei Drittel der wahlberechtigten Bürger in Großbottwar und Asperg sind am Wahlsonntag zu Hause geblieben beziehungsweise haben sich nicht die Mühe gemacht, Briefwahlunterlagen zu beantragen und auszufüllen.
Schaut man auf andere Bürgermeisterwahlen im Landkreis, auch solche mit mehreren Kandidaten, sieht es nicht unbedingt besser aus. 56 Prozent in Pleidelsheim, 42 Prozent in Kornwestheim, um nur zwei Beispiele zu nennen. Besonders bezeichnend: Nicht mal 37 Prozent waren es 2019 bei der Oberbürgermeisterwahl in Ludwigsburg, als der jetzige OB Matthias Knecht gegen den langjährigen Amtsinhaber Werner Spec angetreten war.
Der Durchschnittswert liegt laut Statistischem Landesamt übrigens bei 53 Prozent. Heißt: Es geht nur jeder Zweite wählen, wenn es darum geht, zu entscheiden, wer Bürgermeister im Ort wird – also derjenige, der Themen setzt, Debatten steuert und zum Wohl einer Kommune massiv beitragen kann.
Ist es Desinteresse, das einen antreibt, sein Wahlrecht links liegen zu lassen? Eine starke Meinung scheint ein Großteil der Leute ja durchaus zu haben: Blickt man in die sozialen Medien, werden die jeweiligen Positionen, meist ungefiltert, in die Welt gepustet. Egal, ob es um große Politik oder die Milchkanne direkt vor der eigenen Haustür geht.
Leider geschieht das selten konstruktiv, sondern oft aggressiv. Leider geht das immer wieder unter die Gürtellinie. Leider verlieren sich die User dort in lautes Gekeife, das niemanden weiterbringt.
Bürgermeister gestalten Zukunft mit
Ein guter Bürgermeister arbeitet gemeinsam mit seiner Verwaltung und dem Gemeinderat aktiv an dem, was in einer Kommune passiert. Und genau das werden die Einwohner in den nächsten Jahren spüren. In den aktuellen Zeiten klammer Kassen umso mehr. Es geht um Kita-Gebühren, Hundesteuer, Stadtentwicklung, Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und vieles mehr.
Einen Wahlzettel bei einer Bürgermeisterwahl auszufüllen, dauert nicht länger, als einen Post auf Facebook abzusetzen. Aber wer nur online lamentiert und nur Ansprüche stellt, bewegt nichts. Wer wählen geht, stärkt die Demokratie und zeigt echte Meinung.