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Die Musikschule übernimmt eine wichtige Aufgabe. Die sollte den Gemeinden mehr wert sein.

Marbach/Bottwartal - Ich liebe Musik. Sie entspannt, sie befreit, sie tröstet und sie macht glücklich. Als Grundschülerin gab ich für meinen Großvater jeden Sonntag nach dem Mittagessen ein Blockflöten-Konzert. Ich vergötterte meine Lehrerin und übte Stunde um Stunde. Als Studentin gab ich dann selbst Blockflötenunterricht. Weniger glücklich war ich hingegen mit meinem zweiten Instrument. Die Gitarre blieb mir fremd. Auch der Lehrer konnte mich nicht begeistern. Sein stetes Versichern, ich hätte Talent, nervte zudem. Fünf Jahre hielt ich durch, dann kramte ich sie nur noch einmal im Jahr heraus: Um an Heiligabend für meinen Vater sein Lieblingsstück zu spielen.

Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche aus Marbach, Benningen, Erdmannhausen, Murr, Steinheim, Großbottwar, Oberstenfeld und Mundelsheim erlernen an der Musikschule Marbach-Bottwartal ein Instrument. Die Erfolge in Leistungsvergleichen sprechen für sich. Und doch gerät die Schule immer wieder in die Schlagzeilen. Das Finanzierungsmodell liefert, seit vielen Jahren, kommunalpolitischen Zündstoff. Während Marbach und Steinheim als Trägerkommunen so viel Geld in die Einrichtung stecken, dass das Gebührenniveau für die Kinder aus ihren Städten auf einem halbwegs überschaubaren Niveau bleibt, geben die anderen Kommunen sich zugeknöpft. Sie nutzen für die Kinder aus ihren Orten die Vorteile und die Qualität, ohne entsprechend tief in die kommunale Kasse zu greifen. Die Folge: Die Musikschule ist eine der teuersten im Kreis – für die Eltern. Und nicht nur das: Der Abmangel pro Schüler wird größer und größer. Marbach und Steinheim zahlen mehr und mehr.

In der Ratssitzung in Steinheim platzte dem Grünen-Rat Michael Schulze der Kragen. Es müsse endlich Schluss sein mit den steigenden Kosten, monierte er zu Recht. Es braucht endlich eine Lösung. Allerdings richtete sich seine Kritik nicht an die Kommunen, sondern an die Musikschule. Den Verantwortlichen warf er indirekt Tatenlosigkeit und mangelnde Kreativität beim Auftun von Geld vor. Dass ausgerechnet der Rat gegen die Musikschule austeilt, der selbst Vorstandsmitglied des Musikvereins ist, ist schlechter Stil. Nicht nur vor dem Hintergrund der bestehenden Kooperation und einer Partnerschaft, die gerade vorbereitet wird: Der Individualunterricht im Musikverein soll von Musikschul-Lehrkräften übernommen werden. Und sein Vorwurf greift auch nicht.

Was also tun? Benningen, Oberstenfeld und Co. wieder und wieder um Solidarität bitten? Kann man machen, bringt aber vermutlich nicht viel. Am Ende bleibt vielleicht nur der harte Schnitt: Wenn die Kommunen nicht bereit sind, mehr zu zahlen, können eben auch keine Kinder aus ihren Orten mehr unterrichtet werden.

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