Heute ist der Kaiserstein bei Hemmingen zu einem Erholungsort in ruhiger Lage geworden. An seine historische Bedeutung erinnert nur noch wenig.
Heute muss man schon sehr genau hinsehen, um die historische Bedeutung des Kaisersteins bei Hemmingen erkennen zu können. Wer hier herkommt, tut das meist nicht aus geschichtlichem Interesse, sondern zur Freizeitgestaltung, um zu entspannen oder den Spielplatz zu nutzen. Kein Wunder, liegt er doch inmitten von Feldern, in einer Oase der Ruhe.
Dabei handelt es sich um einen historischen Ort: Ein verwittertes Schild erinnert daran, dass Kaiser Wilhelm I. an dieser Stelle am 22. September 1885 eine Heerschau gehalten hatte. Der oberste Herrscher im deutschen Kaiserreich in der kleinen Gemeinde, die damals noch dem Oberamt Leonberg zugeordnet war – wie konnte es dazu kommen?
Besuch im Hemminger Schloss
Wilhelm I. war 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum ersten Deutschen Kaiser proklamiert worden. Als er 1885 nach Hemmingen kam, war er bereits ein hochbetagter Mann von 88 Jahren. Damals fand im Strohgäu ein großes Kaisermanöver statt. Mit seinem Gefolge, zu dem auch der letzte württembergische König Wilhelm II. zählte, besuchte er das Hemminger Schloss.
Am Tag darauf, den 22. September, verfolgten sie das Militärmanöver von genau der Stelle, an der heute der Kaiserstein steht. Zweieinhalb Jahre später starb Wilhelm I. im Alter von 90 Jahren. Als Erinnerung an seinen Besuch wurde der Beschluss gefasst, an dieser Stelle ein Denkmal zu errichten. Der Grundstückseigentümer Graf Leutrum-Ertingen stellte das Grundstück dafür unentgeltlich zur Verfügung.
Mit Felssteinen aus der Region wurde eine Pyramide errichtet, auf deren Spitze ein Adler aus Metall saß, der schon im Deutschen Kaiserreich das Wappentier war. Auf der Vorderseite war ein Reliefbild des Kaisers. Am Pfingstmontag 1889 wurde der Kaiserstein schließlich eingeweiht.
Wechselvolle Geschichte
Das Denkmal sollte aber eine wechselvolle Geschichte erleben: Während der Novemberrevolution 1918 wurde das Denkmal stark beschädigt, Adler und Relief entfernt. 1933 wurde ein neuer Adler angebracht, der nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert verloren gegangen war.
Auf den Feldern war während des Krieges eine Flakstellung der Luftabwehr. Nach Kriegsende wurde ein dritter Adler angebracht, der 1980 gestohlen wurde. Seitdem ist nur noch die Pyramide übriggeblieben.
Heute ist der Kaiserstein von einer Grünanlage umgeben. Für die Kleinen gibt es einen Spielplatz, für die Großen eine Sitzbank. Bei gutem Wetter eröffnet sich ein schöner Ausblick auf das südliche Strohgäu mit Gerlingen und Leonberg.
In Hemmingen erinnert noch ein zweiter Ort an den hohen Besuch von 1885: Im Neuen Bau befindet sich ein Gedenkstein, der die Besucher des Hemminger Schlosses aufzählt. Der Neue Bau ist allerdings nicht öffentlich zugänglich.