Die neblige Morgenidylle unseres Archivbilds trügt: Der Badesee in Plüderhausen sollte derzeit gemieden werden. Foto: Gottfried Stoppel

Der See in Plüderhausen ist ein beliebtes Ausflugsziel, jetzt hat das Gesundheitsamt ein Badeverbot beschlossen. Der Grund sind Cyanobakterien – wie gefährlich diese sind und woran man sie erkennt, lesen Sie hier.

Rems-Murr-Kreis - Regelmäßig wird die Wasserqualität der Badegewässer in der EU überprüft, auch die Badeseen in der Region Stuttgart schneiden meist hervorragend ab. Doch seit Mitte August bildet der Plüderhausener Badesee, ein beliebtes Ausflugsziel, eine Ausnahme: Am Freitag hat das Gesundheitsamt Waiblingen bis auf Weiteres sogar ein Badeverbot für das Gewässer verhängt.

Wie kam es zu dem Badeverbot?

Im Wasser des gut drei Meter tiefen Sees wurden Cyanobakterien nachgewiesen – und der Giftstoff Microcystin, den diese produzieren. Nachdem Mitte des Monats schon eine entsprechende Probe eine erhöhte Konzentration davon ausgewiesen hatte, stellte die Gemeinde ein Warnschild auf – ein Badeverbot bedeutete das noch nicht, sondern sollte Badegäste lediglich auf ein gewisses Risiko hinweisen und zur Vorsicht mahnen.

Damals bestand die Hoffnung, dass sich das Problem in ein paar Tagen von selbst erledigen könnte. Doch am 21. August hatte eine erneute Probe im Nichtschwimmerbereich des Sees eine Microcystin-Belastung von 171 Mikrogramm pro Liter ergeben. Im Schwimmerbereich waren es knapp 18 Mikrogramm. Da der Grenzwert von 100 Mikrogramm überschritten war, verhängte das Gesundheitsamt nun das Badeverbot. Dieses bleibt laut dessen Mitteilung so lange bestehen, bis die Belastung mit Microcystin im gesamten auf einen komplett unbedenklichen Wert unter zehn Mikrogramm gesunken ist.

Was sind Cyanobakterien– und wie gefährlich sind sie?

Cyanobakterien sind auch als Blaualgen bekannt. Sie kommen in stehenden oder nur langsam fließenden Gewässern vor. Ein Teil der Cyanobakterien produziert den Giftstoff Microcystin, der nun in Plüderhausen nachgewiesen wurde. Das Verschlucken von belastetem Wasser, aber auch bloßer Kontakt, kann zum Beispiel zu Augenreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, Durchfall, Fieber, Allergien und Atemwegserkrankungen führen. Laut Gesundheitsamt sind vor allem Kinder gefährdet. In seltenen Fällen, etwa nach Verschlucken großer Mengen belasteten Wassers, seien Leberentzündungen möglich.

Unsere interaktive Karte zeigt die Wasserqualität aller Badeseen in der Region

Auch Tierbesitzer sollten aufpassen: Die Weinstädter Tierärztin Eva Röhrig hatte schon im vergangenen Sommer in einem Interview mit unserer Zeitung gewarnt, dass selbst Hunde, die in belasteten Gewässern baden und ihr Fell danach ablecken, sich vergiften könnten. „Bei Hunden kann dies bis zum Tod führen“, so die Veterinärin.

Woran erkennt man eine Blaualgenbelastung?

Vermehren sich Cyanobakterien massenhaft, entsteht die sogenannte Algenblüte. Diese wird durch Schlieren auf dem Wasser sichtbar, die oft eine blaugrüne Farbe haben. Auch am Geruch, der durch die absterbenden Algen entsteht, kann man die Blaualgen erkennen. Das Gesundheitsamt rät, immer dann vorsichtig zu werden, wenn bei einem See die Sichttiefe ins Wasser auf weniger als einen Meter sinkt.

Sind auch andere Seen in der Region mit Blaualgen belastet?

Ein Verbot wegen Blaualgen gibt es derzeit nur am Plüderhäuser Badesee. Der Finsterroter Badesee im Kreis Heilbronn ist allerdings von einem dauerhaften Badeverbot betroffen, das wegen gravierender Mängeln der Wasserqualität verhängt worden war.

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