Abgeschaltete Atomkraftwerke in Frankreich, ein möglicher Gasengpass, der Betrieb tausender Heizlüfter: was tun die Verantwortlichen in Anbetracht eines solchen Szenarios? Ein Blick in den Kreis Ludwigsburg.
Das Licht ist aus, selbst im Kühlschrank. Die Heizung auch, und der extra angeschaffte Heizlüfter bekommt keinen Saft mehr aus der Steckdose. Nichts geht mehr. In Anbetracht eines solchen Szenarios finden sich in allerhand Medien, auch den sozialen im Netz, mehr oder weniger nützliche Tipps, wie sich die Bevölkerung vorsorgen kann und sollte. Und auch der Kreis, der in Sachen Katastrophenschutz in der Verantwortung steht, bereitet sich vor.
Die Behörde ist im Fall der Fälle in erster Linie dafür verantwortlich, dass Feuerwehren und Rettungsdienste weiter funktionieren, Straßen frei sind und die Verwaltungen arbeiten können – bei einem größeren Stromausfall koordinieren die Stäbe im Kreishaus die Regelungen auch.
Wie wahrscheinlich ist ein Blackout in der Region Stuttgart?
Wie wahrscheinlich aber ist ein Blackout in der Region überhaupt? Der Erste Landesbeamte Jürgen Vogt meint: sehr unwahrscheinlich. Experten sind sich einig, dass viele Faktoren zusammenkommen müssten – kein Atomstrom aus Frankreich, Ausfall der Gaskraftwerke in Süddeutschland sowie der übermäßige Einsatz von elektrischen Heizlüftern.
Strukturell seien Deutschland und Baden-Württemberg gut aufgestellt, die Zusammenarbeit mit den Nachbarländern funktioniere, sagt auch Vogt. Dass der Kreis sich trotzdem mit allen Eventualitäten beschäftige, sei „keine Panikmache“, so Vogt, sondern Teil der Aufgabe. Im Übrigen hält er den Weiterbetrieb der drei Atomkraftwerke, eines davon gleich ums Eck in Neckarwestheim, zumindest für „ein gutes Zeichen an die Bevölkerung“.
Die Bewohnerinnen und Bewohner von Ludwigsburg und den Kommunen drumherum müssten sich „keine Sorgen machen“. Auch, weil der Kreis das schwarz auf weiß hat. Dass er relativ gut aufgestellt ist, sollte es zu einem flächendeckenden Stromausfall kommen, attestiert ein Gutachten, das die Behörde selbst in Auftrag gegeben hat.
Mobile Tankstellen für Einsatzfahrzeuge
Da die Pumpen in den meisten Tankstellen ausfallen, wenn das beim Strom der Fall ist, hat der Kreis als Konsequenz aus dem Bericht geprüft, woher er im Notfall Treibstoff für Einsatzfahrzeuge bekommt. Darüber hinaus hat er gemeinsam mit den Kommunen und Hilfsorganisationen mobile und stationäre Tankanlagen angeschafft, welche unabhängig vom Stromnetz betrieben werden können. Viele Gemeinden prüfen in diesen Tagen auch ihre Notstromaggregate und füllen ihre Treibstoffvorräte auf. Außerdem tauschen sich die Verantwortlichen im Kreis regelmäßig mit den hiesigen Energieversorgern aus.
Im Falle eines Blackouts dürften sich viele Menschen die Frage stellen, wohin sie sich jetzt wenden können. Zumal das Telefon dann auch nicht mehr funktionieren würde. Deshalb werden im Notfall alle Feuerwehrhäuser des Kreises besetzt und zu „Katastrophenschutz Leuchttürmen“ umfunktioniert. Wer Erste Hilfe benötigt, bekommt sie dort. Notfälle müssen die Bürger an derselben Stelle eben persönlich melden. Die Feuerwehren wären wegen der zusätzlichen Aufgaben also besonders gefordert, auch weil davon auszugehen ist, dass sie beispielsweise Menschen aus feststeckenden Aufzügen retten müssen.
Wo hat der Kreis noch Nachholbedarf?
Daneben sollen die Rathäuser als sogenannte Katastrophenschutz-Infopunkte dienen. Dort könnte etwa Nachbarschaftshilfe zentral organisiert werden.
Wo der Kreis in Sachen Stromnotlage noch Nachholbedarf hat, wo es wunde Punkte gibt, darüber will die Pressestelle keine Auskunft geben – „aus Sicherheitsgründen“, heißt es. So oder so: nach Berechnungen des Dienstleisters könnte der Kreis ohne Strom mindestens vier Tage „durchhalten“, ohne dass Menschen unmittelbar zu Schaden kommen. Allerdings gebe es zwischen den 39 Kommunen deutliche Unterschiede in Sachen Resilienz.
Sollte es nötig sein, Menschen wegen des Blackouts unterzubringen, hat der Kreis Möglichkeiten. Insgesamt stehen mehr als 100 Hallen zur Verfügung, die entsprechend ausgestattet werden können. Mit 5000 Betten und Schränken, außerdem stehen beispielsweise auch Hygieneartikel zur Verfügung. Aber: Die gesamte Bevölkerung außerhalb ihrer Wohnungen und Häuser einzuquartieren, sei schlichtweg nicht leistbar.
Info
Aufgaben
Wie sich ein Blackout konkret auswirken könnte, genügend Notstromaggregate zu besorgen, die Feuerwehr adäquate auszustatten, das alles ist Aufgabe der Kommunen. Einen detaillierten Plan hat beispielsweise Großbottwar als eine von fünf Musterkommunen im Land ausgearbeitet. „Der Bevölkerungsschutz des Kreises greift immer da ein, wo eine Kommune mit der Bewältigung der Lage überfordert ist oder eine Koordination notwendig ist, beispielsweise, weil die Lage mehrere Kommunen betrifft“, heißt es.
Kliniken
Die Kliniken sind gesetzlich verpflichtet, einmal im Jahr einen Stromausfall während des normalen Krankenhausbetriebs zu simulieren. Das geschieht wieder an diesem Dienstag. Patienten bekommen davon aber kaum etwas mit. Die Notstromaggregate halten im Notfall mindestens 72 Stunden.