Ozzy Osbourne ist tot. Hier erinnert sich noch mancher an einen legendären Dezemberabend mit Black Sabbath im Jahr 1969 in der Schorndorfer Manufaktur.
Es war im Dezember 1969, wenige Tage vor Weihnachten, da kamen ein paar britische Hardrocker in Schorndorf an. In Zürich, wo sie zuvor gespielt hatten, war ihnen von einem windigen Konzertveranstalter übel mitgespielt worden. Jetzt waren sie abgebrannt, zu pleite für ein Hotelzimmer und froh, sich in der Manufaktur mit einem Auftritt ein paar Mark zu verdienen. Die Band hieß Black Sabbath. Der Frontmann: Ozzy Osbourne.
Werner Schretzmeier hat diese Geschichte immer gern erzählt. Wie die Musiker in dem Hochhaus am Postweg in Fellbach-Schmiden, in dem er und seine Frau, damals noch Freundin, Gudrun damals wohnten, übernachteten. Und dass in jenen wilden letzten Tagen der 1960er Jahre auch die Kommune-I-Leute Uschi Obermaier und Rainer Langhans zu Besuch waren. „Die Hardrocker Black Sabbath ließen das Kellergewölbe erzittern. Es war erregend, es war großartig“, schrieb Schretzmeier, in Stuttgart als Theaterhaus-Chef längst selbst eine Legende, mal in unserer Zeitung.
Mit ihrem letzten Sprit fuhren Black Sabbath demnach ins Schwäbische, der Roadie Ole Krauter, ein Freund von Schretzmeier, hatte den Briten den Tipp gegeben. In der Manufaktur, in Göppingen und Schwäbisch Hall erspielten sich die Rocker dann die Heimreise nach Birmingham. 21 Jahre war Ozzy Osbourne damals alt und haute zusammen mit dem Gitarristen Tony Iommi dem Publikum in der Manufaktur ihren späteren Welthit „Paranoid“ um die Ohren. Es sollte noch Jahre dauern, bis er auf der Bühne einer Fledermaus den Kopf abbiss.
Es muss wild gewesen sein im Postweg: Langhans, das Enfant terrible der 68er-Bewegung. Obermaier: Mutter aller Groupies, die Mick Jagger wuschig machte. Und vier langhaarige Briten, die dem Heavy Metal huldigten – „ das war richtig voll und sehr intensiv in der Bude, insgesamt so elf, zwölf Leute in diesem maximal Zwei-Raum-Apartment“, sagte Schretzmeier unserer Zeitung mal. Auch ein paar „lustige Zigaretten“ wurden da geraucht. Im spießigen Fellbach hieß es gleich: „Im Hochhaus ist der Teufel los.“ Aber Gudrun Schretzmeier machte bei den Nachbarn wieder gut Wetter.
Wieder im Winter, am 13. Dezember 1983, war Ozzy Osbourne solo in der Messehalle in Sindelfingen zu Gast – auf seiner „Bark At The Moon“-Tour machte er hier Station. Vergangenes Jahr postete der Künstler (oder ließ posten?) selbst auf Instagram ein Bild des damaligen Veranstaltungsplakats.
2014 spielte Black Sabbath in der Stuttgarter Schleyerhalle
44 Jahre nach der legendären Dezembernacht in Schorndorf, am 26. Juni 2014, waren Black Sabbath zum letzten Mal in Stuttgart – und wurden von von 11.500 Menschen in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle frenetisch gefeiert.
„Ein archaisch anmutendes Klangungetüm lässt Fußboden, Tribünensitze und Magengegenden erzittern. Sollte die Apokalypse mit einem Geräusch einhergehen, dieses könnte es sein“, schrieben wir damals in unserer Rezension. Ozzy Osbourne war zu diesem Zeitpunkt 65 Jahre alt, Tony Iommi 66, Geezer Butler 64. Und Osbourne – durch Alkohol- und Drogenkonsum manchmal nur noch ein Schatten seiner selbst – strotzte an diesem Abend vor Kraft: Er brüllte, bellte, lachte „wie der Leibhaftige selbst“.
Jetzt ist der „Godfather Of Heavy Metal“, der „Prince of Darkness“ gestorben. Er wurde 76 Jahre alt. Seinen letzten großen Traum konnte er sich noch erfüllen – ein Abschiedskonzert in seiner Heimatstadt Birmingham.