Am diesjährigen Black Friday werden wieder milliardenschwere Einnahmen erwartet. Nachhaltigkeitsexperten und Umweltschützer sehen dem Aktionstag dagegen kritisch entgegen.
Stuttgart - In großen Lettern steht auf den Schaufenstern von H&M, Galeria Kaufhof und Co „Mega-Angebote“ und „Black Shopping“ geschrieben. Besucher der Einkaufsstraßen werden so schon Tage vorher auf eine der größten Rabattaktionen im Jahr hingewiesen – auf den Black Friday. Am Freitag, 27. November, rechnen sowohl Ladenbesitzer als auch Internethändler trotz der aktuell schwierigen Situation des Einzelhandels mit hohen Umsätzen. Umweltschützer sehen dem Aktionstag eher kritisch entgegen.
Laut einer Studie des Marktforschungsinstitut IFH im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE), wird am Black Friday mit einem Umsatz von 3,7 Milliarden Euro gerechnet. Das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr. „Black Friday und Cyber Monday haben sich mittlerweile einen festen Platz im Kalender der Kunden und der Händler erobert“, sagt der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. „Für viele sind die beiden Tage ein erstes Highlight im Weihnachtsgeschäft.“ Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hat in einer Studie herausgefunden, dass sieben von zehn Deutschen an diesem Tag planen, einkaufen zu gehen und dabei im Durchschnitt 266 Euro ausgeben wollen.
Schwarzer Tag für die Umwelt
Was für die einen ein Höhepunkt im Einkaufsjahr ist, ist vor allem für Klimaschützer und Verfechter von nachhaltigem Konsum ein schwarzer Tag. „In erster Linie regt der Black Friday zu unüberlegten und überflüssigen Käufen an“, sagt Anna Deckert, Projektkoordinatorin bei der Jugendinitiative der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg. Mitte November hatte die Initiative, die zum Umweltministerium Baden-Württemberg gehört, einen Aktionstag rund um das Thema nachhaltigen Konsum angeboten. „Wir wollten damit eine Gegenveranstaltung zu dem Rabatttag machen und die Teilnehmer dazu motivieren, selbst Aktionen gegen den 27. November zu starten.“
Proteste und Kritik an dem aus Amerika stammenden Einkaufstag sind nicht neu. Bereits am Black Friday 2011 ließ die Outdoor-Marke Patagonia in der US-Zeitung „New York Times“ eine Anzeige mit dem Slogan „Don’t buy this jacket“ („Kaufe diese Jacke nicht“) abdrucken, um vor überflüssigen Käufen an diesem Tag zu warnen. Die Anzeige zeigte eine graue Fleece-Jacke der Marke.
Andere Gegenbewegungen zu jährlichen Rabattaktionen sammeln sich unter Begriffen wie „Circular Monday“ – 2017 als „White Monday“ in Schweden gegründet – oder dem „Kauf-nix-Tag“. Auch Markus Beck, Inhaber des fairen Modelabels Greenality, entscheidet sich in diesem Jahr gegen eine Rabattaktion. „Wir möchten uns wieder gegen einen blinden Konsumdruck positionieren und die Menschen darauf aufmerksam machen, dass Kauf- und Konsumentscheidungen bewusst getroffen werden sollten. Nachhaltig und fair produzierte Mode ist aus guten Gründen nicht günstig, es würde letztendlich gegen unsere Prinzipien sprechen, diese mit Rabatten zu verschleudern“, zeigt sich Beck überzeugt.
Nur kaufen, was man wirklich braucht
„Man kann nicht sagen, dass jeder Konsum am Black Friday schlecht ist. Manche Kunden haben sich vielleicht bereits lange überlegt, ein bestimmtes Produkt zu kaufen, weil sie es brauchen und nutzen dann gezielt die Vergünstigung“, sagt Anna Deckert, die unter anderem auch konsumkritische Stadtführungen durch Stuttgart anbietet. „Was der Tag aber eigentlich will, ist Menschen zum Konsum zu verleiten und das in Bereichen, in denen man schnell etwas kauft, das man nicht braucht, wie Kleidung und Elektronik.“ Bei Rabattaktionen rückten schnell die wichtigen Fragen, die man sich vor einem Kauf stellen sollte, in den Hintergrund. Nämlich: Brauche ich das wirklich? Kann ich mein altes Gerät nicht reparieren? Kann ich das nicht auch leihen oder gebraucht kaufen? Wie entsorge ich das Produkt später? Das Problem an überflüssigen Käufen sei, dass bei der Produktion Ressourcen wie Wasser verbraucht würden, gibt die 30-jährige Stuttgarterin zu bedenken. „Und wer mehr Dinge besitzt, braucht mehr Platz. Je größer die Wohnung, desto mehr Heizkosten fallen an und so weiter.“ Ebenfalls problematisch sei, dass viele Käufe online getätigt werden und die Bestellungen nach Hause transportiert werden müssten. Vieles würde wieder zurückgeschickt, die Waren seien oft großzügig verpackt. Alles nicht wirklich klimafreundlich, kritisiert Anna Deckert.
Die Coronavorschriften verlagern die Einkäufe ins Internet
„Die Kunden shoppen deutlich mehr online und gehen seltener in die Innenstädte“, sagt auch der Hauptgeschäftsführer des HDE, Stefan Genth. Laut der PwC-Studie habe schon in den Vorjahren die jährliche Rabattaktion vor allem im Internet stattgefunden. „Dieser Trend wird sich in diesem Jahr, wenn die Rabattaktion in die Zeiten der Corona-bedingten Beschränkungen fällt, noch verstärken“, sagt Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland. „Denn wenn Cafés und Restaurants geschlossen sind, erscheint vielen Verbrauchern ein Einkaufsbummel deutlich weniger attraktiv. Hinzu kommen die strengen Hygieneauflagen und die Angst vor einer Ansteckung.“
Kleine Lieblingsläden unterstützen
Doch ist es nicht gerade in der CoronaKrise Aufgabe der Verbraucher, den teilweise schwer angeschlagenen Einzelhandel vor Ort zu unterstützen? „Bei kleinen Läden bei denen es mir wichtig ist, dass es sie auch in Zukunft noch gibt, würde ich nicht komplett verzichten“, sagt Anna Deckert. Wenn der Lieblingsladen keinen Online-Shop hat und man Angst hat, sich im Laden anzustecken, könne man beispielsweise per Mail oder telefonisch nach einem persönlichen Videorundgang fragen und sich so die Waren zeigen lassen.