Eine mysteriöse Frau soll mittelbar für die Attacke auf eine Ärztin verantwortlich sein. Foto: dpa

Mitte Dezember 2016 hat ein Mann eine Ärztin und deren Helferin schwer verletzt. Die Freundin des Mannes soll Grund für den Überfall gewesen sein.

Stuttgart - Die Frau ist nicht angeklagt. Sie befindet sich nicht im Gerichtssaal, in dem die Strafkammer 9 a des Landgerichts den bizarren Fall eines Mannes verhandelt, der eine Ärztin und deren Helferin in einer Praxis zusammengeschlagen hat. Trotzdem dreht sich fast alles um diese mysteriöse Frau. Sie soll mehr oder weniger der Grund für die blutige Attacke sein. Auch auf die Zeugenaussage der 42-Jährigen wird das Gericht wohl verzichten müssen. Die Frau ist untergetaucht.

Der Beschuldigte, der sich nach einem Suizidversuch in München 2009 zeitweise in der Psychiatrie befand – er hatte sich von einer Brücke stürzen wollen –, lebt seit 2010 in Stuttgart. In der Münchener Psychiatrie hat er die 42 Jahre alte Frau kennengelernt. Über sie war er nach Stuttgart gekommen. „Eine schicksalhafte Beziehung mit einer psychisch kranken Frau“ sei sein Mandant damals eingegangen, sagt Verteidiger Stefan Holoch.

Die Frau macht die Ärztin für ihre Probleme verantwortlich

Die Frau war bei mehreren Ärzten in Behandlung, auch bei der Medizinerin, die Opfer des Angriffs wurde. Offenbar macht die 42-Jährige ihre Ärzte für all ihre Probleme verantwortlich. Sie soll eine Border­line-Patientin sein. Die Stuttgarter Ärztin beispielsweise habe „ihre Seele getötet“, soll die Frau gesagt haben. Schließlich habe die Stuttgarter Ärztin sie stationär in eine Klinik eingewiesen. Es folgten eineinhalb Jahre in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen. Die 42-Jährige ist offenbar davon überzeugt, sie sei dort falsch behandelt worden.

Die Ärztin wurde von der Frau angezeigt, der Beschuldigte selbst soll die Medizinerin per Telefon bedroht haben. Ein anderer Arzt lebt in ständiger Angst vor der 42-Jährigen, die im Internet ihre Biografie auf 2800 Seiten veröffentlicht hat.

Zurück in Saal 5 des Landgerichts: „Ich wollte weder jemanden totschlagen noch verletzen“, sagt der 40-jährige Beschuldigte. Er habe lediglich das Gespräch mit der Ärztin suchen wollen. Dafür tauchte er am 13. Dezember 2016 gegen 19.50 Uhr in der Praxis in Möhringen auf. Und zwar mit einem Motorradhelm, dessen Visier er mit Folie beklebt hatte, mit einer Atemschutzmaske und mit Handschuhen. Bewehrt war er mit einem Holzknüppel, einem Stein und mit zwei Pfeffersprays. „Das ist bizarr“, sagt die Vorsitzende Richterin Ute Baisch.

Wuchtige Schläge auf den Kopf

Den Helm habe er gebraucht, weil er dachte, die Ärztin sei gefährlich. Und in den Stein oder in das Holzstück hätte man eine Entschuldigung der Ärztin eingravieren können, sagt der Beschuldigte.

Die Arzthelferin hatte noch versucht, den Mann am Eindringen zu hindern. Er traktierte sie mit Pfefferspray und schlug ihr mit dem Stein und dem Knüppel wuchtig auf den Kopf. Danach attackierte er die Medizinerin auf die gleiche Weise. Daran könne er sich nicht erinnern, sagt der Mann. Die beiden Frauen wurden schwer verletzt, der 40-Jährige konnte kurz nach der Attacke festgenommen werden.

Ob seine Freundin etwas mit dem Angriff zu tun habe, will die Richterin wissen. „Nein. Ich habe selbst entschieden, dorthin zu gehen“, sagt er. Er wisse auch nicht, wo sich seine Freundin aufhalte. Den letzten Kontakt habe er vor vier Monaten gehabt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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