Marco Reus und Stuttgarts Wataru Endo Foto: Fassbender / AFP

Der VfB Stuttgart hat sich bei Borussia Dortmund gut präsentiert. Am Ende hieß es jedoch 1:2, weil den Fußballprofis ein Fehler unterlief, der schon in der Jugend angesprochen wird.

Dortmund - Vor dieser Situation warnt jeder Trainer, schon in der Jugend. Ein eigener Eckball – und dann aufgerückt in einen Konter laufen. Das geht im Grunde gar nicht. Doch dem VfB Stuttgart ist genau das passiert. Die 85. Minute im Signal-Iduna-Park, es steht 1:1, der VfB hat bei Borussia Dortmund ein starkes Spiel geliefert und will noch mehr. Am Ende stehen die Gäste jedoch mit leeren Händen und hängenden Köpfen da. Marco Reus schließt einen Schnellangriff noch zum 2:1-Sieg ab.

 

In diesem Fall muss man aber wohl sagen, dass der VfB die Begegnung verloren hat. Denn Konterabsicherung funktioniert anders. Nur Wataru Endo war in diesem Moment hinten postiert. Waldemar Anton eilte noch dazu, rutschte im Strafraum aber unglücklich vorbei, weil Thorgan Hazard einen Haken schlug. Den Schuss des Belgiers parierte der VfB-Torhüter Florian Müller noch, doch Reus schob den Ball über die Linie. „Das ist sehr ärgerlich. Wir haben ein super Spiel gemacht“, sagte Müller hinterher enttäuscht.

Sportdirektor Sven Mislintat verspürt Stolz

Beim Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga wird es für die Stuttgarter nun immer ungemütlicher. Sie sind durch die Niederlage auf den Relegationsplatz gerutscht, da der FC Augsburg den FC Bayern bezwang. Für einen erneuten Coup der Schwaben in Westfalen fehlte an diesem Nachmittag gar nicht so viel. Der BVB tat sich schwer, da der VfB geschlossen verteidigte. Der Japaner Hiroki Ito bot dabei eine bärenstarke Vorstellung in der Abwehrreihe. Auch im Mittelfeld gefiel die weiter ersatzgeschwächte Elf von Trainer Pellegrino Matarazzo. Aber vorne geht im Moment einfach zu wenig. Tanguy Coulibaly scheiterte nach Vorarbeit von Wataru Endo und Orel Mangala an dem früheren VfB-Schlussmann Gregor Kobel (38.).

Die Dortmunder waren zunächst nur durch einen Reus-Freistoß (7.) und einen Kopfball von Donyell Malen gefährlich. „Der BVB hat einen abgefälschten Schuss und einen Konter benötigt, um uns zu besiegen“, sagte der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat, „ich bin davon überzeugt, dass wir mindestens einen Punkt hier verdient gehabt hätten.“ Denn von der Dortmunder Führung durch Malen (56.) ließen sich die Stuttgarter nicht beeindrucken. Roberto Massimo erzielte den Ausgleich (63.) – nach einem wunderbaren Steilpass von Atakan Karazor und nachdem er Mats Hummels aussteigen ließ.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Die VfB-Spieler in der Einzelkritik

Und der VfB blieb dran. Im Vergleich zum Vorjahr fehlte es jedoch etwas an Zielstrebigkeit, Kaltschnäuzigkeit und Präzision im Abschluss. 5:1 hatte der VfB den BVB da überrannt und begeistert. Nach zuletzt drei Niederlagen und jetzt insgesamt fünf Ligapartien ohne Sieg wäre für die personell gebeutelten Stuttgarter diesmal ein Unentschieden wohl viel Wert gewesen. Selbst wenn er in der Tabelle zunächst einmal wenig gebracht hätte. Doch die weiß-rote Naivität wurde bestraft.

Das sagt Pellegrino Matarazzo zum Gegentor

„Beim Gegentor nach der Ecke hatten wir kein strukturelles Problem, waren gut aufgestellt. Aber unser Verhalten im Umschalten war nicht gut“, sagte Matarazzo. Der BVB-Coach Marco Rose meinte zur entscheidenden Aktion: „Das Tor aus der Umschaltsituation hatte viel mit Wucht und Wille zu tun.“

Nun sind die Dortmunder bis auf einen Punkt am Serienmeister aus München dran, und der VfB muss schauen, dass er das Positive aus der Partie für die nächsten Aufgaben herauszieht: Es nähern sich Schlüsselspieler wieder ihrer Normalform, und die Mannschaft hat sich den Mut vor 57 000 Zuschauern und großen Namen in Dortmund nicht nehmen lassen. Am Freitagabend geht es für den VfB jetzt gegen den FSV Mainz 05 weiter – ohne Coulibaly, der seine fünfte Gelbe Karte erhielt und gesperrt ist. Dagegen soll der erst 18-jährige Alexis Tibidi vorerst im Profikader bleiben. Der Stürmer gab in Dortmund sein Bundesligadebüt und soll auf lange Sicht für die Stuttgarter Tore erzielen. Kurzfristig benötigt der VfB aber schon jetzt Treffer und hofft für nächste Woche auf das Comeback von Silas Katompa Mvumpa.

Sehen Sie auch die besten Fotos zum Spiel in der Bildergalerie.