Mitglieder der Studentenvereinigung APO nehmen auf dem Campus der Universität der Philippinen in Manila am diesjährigen „Oblation Run“ teil. Foto: AFP

Jeden Tag erreichen uns tausende von Agenturfotos. Eines davon ist unser Bild des Tages. Heute: Der „Oblation Run“ in Manila. Mit dem jährlichen Lauf drücken philippinische Studenten ihren Protest aus.

Manila - Sie tragen blau-grüne Masken über Sturmhauben, sie halten Rosen in den Händen. Plakate, auf denen steht: „Never Forget“ oder „Dicks out for Peace!“ – „Penisse raus für den Frieden!“. Nackt protestieren männliche Studenten auf dem Campus der Universität der Philippinen in der Hauptstadt Manila. Ihre Wut richtet sich gegen das Begräbnis des ehemaligen Diktators Ferdinand Marcos. 27 Jahre nach seinem Tod wurde er am 18. November dieses Jahres auf einem Heldenfriedhof in Manila beigesetzt.

Dem 1965 zum Präsidenten gewählten Marcos werden schwere Menschenrechtsverletzungen zur Last gelegt. 1972 verhängte er das Kriegsrecht in den Philippinen und errichtete eine diktatorische Herrschaft. Tausende Menschen wurden während seiner Regierungszeit getötet oder gefoltert. Daneben gilt Marcos als einer der korruptesten Herrscher der Geschichte. Jahrelang soll er sich an staatlichen Kassen bereichert und dabei Milliarden unterschlagen haben. Die Nichtregierungsorganisation Transparency International stufte ihn auf einer Liste der korruptesten Herrscher der Geschichte auf Platz zwei ein – korrupter soll nur der ehemalige indonesische Präsident Mohamed Suharto gewesen sein. 1989 starb Marcos mit 72 Jahren.

„Wir fordern unsere Regierung dazu auf, dem Volk zu dienen“

Bei dem jährlichen „Oblation Run“ rennen Mitglieder der Studentenverbindung Alpha Phi Omega (APO) nackt über den Campus der Universität der Philippinen, um gegen ein aktuelles Streitthema zu protestieren. Nicht nur in Manila, auch in anderen Universitätsstädten des Landes, wie Baguio, Los Baños und Visayas. Traditionell findet der 1977 ins Leben gerufene Lauf, der auch als „Ritueller Tanz der Mutigen“ bezeichnet wird, im Dezember statt. Wegen einer Verschiebung des akademischen Kalenders der Universität wurde das Ereignis vorverlegt. Es fällt nun mit dem „Black Friday“ zusammen, an dem in diesem Jahr viele Philippiner ebenfalls gegen Marcos’ Heldenbegräbnis protestieren.

„Indem sie sein Begräbnis auf dem Heldenfriedhof des Landes erlaubt hat, hat die Duterte-Administration den epischen Heldenmut der Tausenden, die unter dem Diktator Marcos gelitten haben und gestorben sind, innerhalb von neun Tagen in den Müll geworfen“, ließ die APO in einer Stellungnahme zum diesjährigen Oblation Run wissen. „Wir fordern unsere Regierung dazu auf, dem Volk wahrhaftig zu dienen, den Frieden, für den so viele gekämpft haben und gestorben sind, zu schützen und diese Helden zu huldigen, indem sie diese dunklen Kapitel unserer Geschichte niemals vergessen.“

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