Manche wollen die Bitcoins auch anfassen: Physische Münzen sind beliebte Sammlerstücke, aber kaum von praktischem Nutzen. Foto: dpa-Zentralbild

Virtuelle Währungen – die bekannteste ist Bitcoin – sind weit davon entfernt, ein wirkliches Zahlungsmittel zu sein. Sie sind vor allem Spekulationsobjekt und werden immer wieder zum Abwickeln zwielichtiger Geschäfte benutzt.

Stuttgart - Die ukrainischen Ermittler staunten nicht schlecht, als sie vor einigen Tagen den Freizeitbereich des Paton Electric Welding Instituts in der Nähe von Kiew durchsuchten. Versteckt in einem stillgelegten Schwimmbecken, summten 200 Computer leise vor sich hin. Die Fachleute fanden schnell heraus, wozu diese gigantische Rechenleistung benötigt wurde: zur Herstellung von Bitcoins (BTC). Die Polizei hatte eine illegale Goldmine des 21. Jahrhunderts entdeckt. Bitcoins sind keine ganz neue Erfindung. Die ersten digitalen Münzen wurden schon im Jahr 2009 geschöpft. Seitdem hat die Menge schnell zugenommen. Zurzeit sind weltweit 16,5 Millionen Bitcoins im Umlauf. Die virtuelle Währung hat stark an Wert zugelegt: Vor sieben Jahren lag der Bitcoin-Wert noch bei weniger als einem Cent — mittlerweile ist die Kryptowährung weit über 2000 Euro wert. Anders formuliert: Hätte man damals fünf Euro in 2000 Bitcoins investiert, dann wären diese heute weit über vier Millionen Euro wert.

Was sind Bitcoins?

Bitcoin ist eine virtuelle Währung, die vom Grundsatz her weder echte Scheine noch Münzen kennt – eine Kryptowährung. Sie besteht aus berechneten, verschlüsselten Datenblöcken. Der Name ist ein Kunstwort aus „Bit“ (kleinste Speichereinheit im Computer) und „Coin“ (englisch für „Münze“). Um im Bitcoin-Netzwerk Transaktionen durchführen zu können, bedarf es sogenannter Datenblöcke. Diese können über extrem komplizierte Rechenvorgänge generiert werden. Für jeden erzeugten Block wird eine Belohnung von 50 Bitcoins ausgezahlt, man kauft also quasi Rechnerleistung. Im Laufe der Jahre wird sich diese Belohnung jedoch immer wieder halbieren, wodurch die Rate der erzeugten Bitcoins verringert wird. Dies dient dem Zweck, das Geldmengenwachstum nach oben hin auszubremsen, bis irgendwann die maximale Anzahl an Bitcoins erreicht wird. Diese liegt bei 21 Millionen. Ohne diese künstliche Verknappung wären die Bitcoins nichts wert. Einen realen Gegenwert in etwas Substanziellem haben sie ohnehin nicht. Das ist bei unserem üblichen Geld – abgesehen von den Produktionskosten für Scheine und Münzen – auch nicht anders. Aber hier schaffen eine Notenbank und damit letztendlich der Staat das notwendige Vertrauen. Bei Kryptowährungen schaffen dieses Vertrauen nur die Marktteilnehmer selbst.

Lohnt sich das private Schürfen?

Ein gewöhnlicher PC braucht für das „Berechnen“ weniger Bitcoins mehrere Monate. Aus diesem Grund lohnt sich für den normalen Nutzer das Bitcoin-Schürfen nicht – die Kosten für den Strombedarf sind höher als der Wert des erzeugten Geldes. Deshalb schließen sich im Netz mehrere Rechner zusammen, um Bitcoins zu schürfen. Eine zentral verwaltende Bank oder eine Staatsstelle gibt es nicht, nur eine „Bitcoin Foundation“, welche die Technik hinter dem Geld weiterentwickelt. Erfunden wurden die Kryptowährung von Satoshi Nakamoto. Doch wer oder wie viele Personen hinter diesem Pseudonym stecken, ist bis heute ungeklärt. Entwickelt worden ist die Digitalwährung eigentlich als Reaktion auf die Finanzkrise. Mit Bitcoins wollten die ersten Nutzer sich unabhängig machen: von Staaten, Notenbanken und Geldinstituten.

Wie funktioniert die Abrechung?

Im Grunde funktioniert bei der Abrechnung von Bitcoins alles wie ein kollektives Buchführungssystem, der so genannten Blockchain-Technologie. Eine Blockchain ist eine verschlüsselte Datenbank, die dezentral auf viele Rechner verteilt ist. Darauf sind sämtliche Transaktionen der Vergangenheit gespeichert, und jeder Teilnehmer kann diese Transaktionen kontrollieren. Bei der Blockchain handelt es sich also um eine Art digitalen Buchhalter, der kaum manipuliert werden kann. Eine Veränderung der Informationen ist kaum möglich, weil jeder einzelne Block der Kette geändert werden müsste, da jeder Block durch eine sogenannte Prüfsumme, die sich aus seinem Inhalt berechnet, mit dem vorigen verbunden ist.

Die Vor- und Nachteile digitaler Währungen?

Bitcoins sind nicht nur weitgehend fälschungssicher, sie schützen auch die Anonymität der Besitzer. Weil kein Staat und keine Bank das Computer-Geld kontrolliert, kann der Wert nicht künstlich verfälscht werden. Der Wert richtet sich nur nach den Gesetzen der Marktwirtschaft. Daraus ergeben sich aber auch Nachteile: Es gibt kein Organ, das die Wertstabilität garantiert. Und Konsumenten ohne Computer können die Währung gar nicht erst benutzen. Außerdem profitieren Verbrecher bei ihren Geschäften von der Anonymität in dieser digitalen Währungswelt. Ein großer Vorteil der Kryptowährung ist hingegen die völlige Transparenz der Geldströme.

Wie kauft man Bitcoins?

Am Anfang benötigt der Käufer eine Wallet, das ist ein virtueller Geldbeutel. Diese Software kann er einfach herunterladen. Mit der Wallet kann man Bitcoins versenden und empfangen. Zu erwerben ist die Währung unter anderem auf einem der Bitcoin-Marktplätze im Netz. Hier heißt es, vorsichtig zu sein, da – ähnlich wie bei normalen Banken – nicht alle Anbieter im gleichen Maße vertrauenswürdigsind. In Deutschland führend ist die Plattform „bitcoin.de“, ein Anbieter, der regelmäßig Sicherheitsüberprüfungen durchführt. Anleger müssen sich bei dem Marktplatz anmelden und unter anderem ihre Kontodaten hinterlegen. Auf diesen Plattformen bieten BTC-Besitzer ihre Bitcoins wie bei Ebay zu einem bestimmten Preis an, der Marktplatz selbst nimmt eine Transaktionsgebühr. Wenn der Kaufpreis auf das Konto des Verkäufers überwiesen ist und der Empfänger das bestätigt, wandern die erstandenen Bitcoins in die Wallet.

Sind Kryptowährungen die Währung der Zukunft?

Nach Ansicht vieler Volkswirte werden Bitcoins den normalen Währungen keine Konkurrenz machen. Tony Yates, Wirtschaftsprofessor an der Universität Birmingham, schreibt in einem Blog der „Financial Times“, eine Bitcoin-Wirtschaft wäre dramatisch instabil und krisenanfällig. Wegen des starren Geldangebots hätten selbst kleine Nachfrageschocks eine große Wirkung und würden zum Beispiel schnell zu hoher Arbeitslosigkeit führen. Da die digitale Währung an keine Ländergrenzen gebunden ist, würde alles noch schlimmer. Globales Geld, warnt Yates, würde permanent für manche Volkswirtschaften zu üppig und für andere zu knapp sein. Theoretisch ließe sich die Technologie ändern, um diesen Mängeln zu begegnen. Das aber würde auf eine zentrale Instanz hinauslaufen, um die Geldmenge zu steuern – und damit kämen wieder Zentralbanken oder ähnliche Einrichtungen ins Spiel, was die Bitcoin-Gemeinde gerade verhindern will.

Wer besitzt Bitcoins?

Statistiken besagen, dass sehr wenige Menschen ein wirklich großes Bitcoin-Vermögen besitzen. Es wird davon ausgegangen, dass auf weit über 90 Prozent der Konten nur eine Handvoll Bitcoinslagern. Experten nehmen an, dass die meisten Vermögen auf alten Festplatten lagern, die von ihren Besitzern schlicht vergessen wurden. So mancher User dürfte auch das Passwort zu seinem Account vergessen haben. Dann ist das Geld verloren.

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