Viele Menschen setzen sich für das Kollegium an der Bismarckschule in Stuttgart ein – unter anderem Katrin Steinhülb-Joos, die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko/privat

Die Bismarckschule in Stuttgart soll Realschule werden – allerdings mit neuem Kollegium. Nun gibt es die Idee, am Standort eine Gemeinschaftsschule zu gründen. Ist das die Lösung?

Das Kollegium der Bismarckschule bekommt viel Rückenwind. Nicht nur die Kooperationspartner wie die Arbeiterwohlfahrt im Ganztagsbereich und die Caritas in der Schulsozialarbeit, sondern auch der Bezirksbeirat und viele Menschen im Stadtteil haben in den vergangenen Wochen immer wieder die wertvolle und engagierte Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer betont. Diese sei wichtig für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil, so die einhellige Meinung.

 

Doch ebenso wie an allen anderen Werkrealschulen in Stuttgart stehen auch am Standort Feuerbach Veränderungen bevor. Die Bismarckschule soll Realschule werden. Das Kollegium hatte sich bereit erklärt, diesen Weg mitzugehen. Doch daraus wird nichts. Denn die meisten der Lehrkräfte haben keine Lehrbefähigung für die Realschule und müssten diese erst im Rahmen einer Fortbildung erwerben. Das gehe aber nicht parallel zum Aufbau einer Realschule. Das hatte das Staatliche Schulamt vor Kurzem klargestellt.

Die Fraktionsgemeinschaft Puls macht sich für die Bismarckschule stark. In einem Antrag fordern die Stadträte die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule am Standort. Der Vorteil sei, dass die altgedienten Kolleginnen und Kollegen mit einer Lehrbefähigung für die Grund- und Hauptschule ohne laufbahnrechtliche Hürden weiter an ihrer Schule unterrichten könnten. So würden die vom Kollegium vorangetriebene Schulentwicklung fortgesetzt und die bestehenden Netzwerke im Stadtbezirk weiter gestärkt werden. Zudem sei die noch junge Schulform Gemeinschaftsschule in den vergangenen Jahren immer beleibter geworden.

Aufklärung von der Kultusministerin gefordert

Rückendeckung bekommt das Kollegium der Bismarckschule auch von Katrin Steinhülb-Joos, der schulpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Sie hat sich in einem Brief an Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) gewandt und fragt „inwiefern tatsächlich das Personal der Bismarckschule, welches nicht über die notwendige Qualifikation zu einer Realschullehrkraft verfügt, ausgetauscht werden soll“.

Zudem bittet Steinhülb-Joos die Ministerin, „sich zumindest für flexible und attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten der Beschäftigten einzusetzen“. Diese müssten neben dem Arbeitsalltag als Lehrkraft absolviert werden können. „Welche Maßnahmen werden Sie diesbezüglich für die Lehrkräfte ergreifen, sodass diese hoffnungsvoller in die Zukunft blicken können? Ist es hier möglich, eine Sonderregelung zu schaffen?“, fragt die Landtagsabgeordnete auch im Hinblick auf andere Schulen. Denn „das geschilderte Problem besteht sicherlich nicht nur an der Bismarckschule“.

Wie kann es für die Bismarckschule und das verdiente Kollegium weitergehen? Foto: privat

Was die Schule im Stuttgart-Feuerbach betrifft kann sich Katrin Steinhülb-Joos ebenso wie die Fraktionsgemeinschaft Puls im Stuttgarter Gemeinderat die Gründung einer Gemeinschaftsschule vorstellen. Die hätte nicht nur Vorteile bezüglich der Übernahme des verdienten Kollegiums, sondern auch für die über viele Jahre hinweg entwickelten Ganztagsangebote. Denn Gemeinschaftsschulen sind grundsätzlich Ganztagsschulen. Im Vergleich dazu haben Realschulen deutlich weniger Möglichkeiten.

Die Vorschläge der Stuttgarter Verwaltungsspitze zur Zukunft der Bismarckschule müssten noch einmal geprüft werden, fordert die SPD-Landtagsabgeordnete. Für die Transformation der Schullandschaft und das Finden einer adäquaten Lösung brauche es mehr Zeit. Am Ende hoffe sie bezüglich der Bismarckschule auf eine andere Entscheidung.

Geplant ist die Entscheidung bereits für Mittwoch, 3. Dezember. Dann steht die Beschlussfassung im Verwaltungsausschuss an. Auch in der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag, 4. Dezember, steht das Thema noch einmal auf der Tagesordnung.