Hängende Köpfe bei den Spielern des VfB Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann/Cathrin Müller

Der VfB Stuttgart verliert in Unterzahl bei Holstein Kiel 2:3 und gerät vor dem Spitzenspiel gegen den HSV noch stärker unter Druck. Der Aufstieg gerät damit in akute Gefahr.

Kiel - Neben der Trainerbank sitzt nach dem Schlusspfiff Roberto Massimo und verliert den Kampf gegen die Tränen. Am Boden zerstört ist der 19 Jahre alte Nachwuchsspieler des VfB Stuttgart, der zuvor mit kapitalen Fehlern zwei Gegentore verschuldet hat. Dass es an aufmunternden Worten für den Pechvogel nicht fehlt, dass die Mitspieler der Reihe nach herbeieilen, um ihn zu trösten, dass der Teamgeist also wenigstens neben dem Spielfeld zu stimmen scheint – das ist aus VfB-Sicht die einzig positive Erkenntnis an diesem völlig missratenen Sonntagnachmittag im hohen Norden.

Auch das zweite Geisterspiel des VfB nach der Corona-Pause ist zur Pleite geworden. Mit 2:3 (0:1) ging die Partie bei Holstein Kiel verloren, nachdem es in der Vorwoche auch beim SV Wehen Wiesbaden (1:2) nichts zu holen gegeben hatte. Beiden Gegnern war der VfB in der Hinrunde auch im eigenen Stadion unterlegen – null Punkte aus vier Spielen, so lautet die erschütternde Bilanz des großen Aufstiegsfavoriten in den Duellen mit den beiden Mittelklasseteams der zweiten Liga. Was Pellegrino Matarazzo nicht davon abhält, seinen Spielern nach dem Schlusspfiff ein Kompliment auszusprechen: „Die Mannschaft hat Gas gegeben und ist mit den Rückschlägen besser als zuletzt umgegangen“, sagt der VfB-Trainer und findet: „Da war viel Herz dabei.“

Kiels Stürmer Iyoha trifft

Es ist eine mehr als wohlwollende Sicht auf eine Partie, in der das auf drei Positionen umformierte VfB-Team erneut bitter enttäuscht hat. Mit dem erfahrenen Holger Badstuber, für den Kapitän Marc Oliver Kempf Platz machen musste, sollte mehr Führungsstärke und Stabilität in die VfB-Mannschaft kommen – doch führte schon der erste und simple Konter der Gastgeber zum erneuten Rückstand: Kiels Angreifer Emmanuel Iyoha war zu schnell für Marcin Kaminski und überwand mit einem präzisen Flachschuss den VfB-Torhüter Gregor Kobel (7.).

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Eindringlich hatte Matarazzo seinen Spielern nach dem Fehlstart in Wiesbaden ins Gewissen geredet – Wirkung entfalteten seine Worte nicht. Wie in der Vorwoche war der VfB zwar dominant und hatte viel mehr Ballbesitz – doch fehlten auch diesmal Kreativität und Entschlossenheit. Die nötige Leidenschaft zeigte Ersatzkapitän Daniel Didavi nur, als er sich erst beim Schiedsrichter beschwerte und sich wenig später ein Foul leistete – zu Recht flog der Spielmacher mit Gelb-Rot vom Platz (45.).

Mit zehn Mann war der VfB immerhin etwas besser als mit elf. Hamadi Al Ghaddioui, zur zweiten Hälfte für den enttäuschenden Mario Gomez gekommen, provozierte geschickt einen Elfmeter, den Nicolas Gonzalez (59.) zum Ausgleich verwandelte. Doch war die Freude über den Treffer des Argentiniers wie in Wiesbaden auch in Kiel nur von kurzer Dauer. Denn bald folgten die Blackouts des kurz zuvor eingewechselten Roberto Massimo.

Massimos zweiter Schnitzer

Erst unterlief dem Youngster ein fataler Fehlpass, den Keeper Kobel mit einer Fußabwehr zwar zunächst ausbügeln konnte – im Nachschuss aber traf Jannik Dehm zum Kieler 2:1 (78.). Dann kam es noch schlimmer für den verunsicherten Massimo, der nur eine Minute später einen viel zu kurzen Rückpass auf Kobel spielte. Diesmal war es Lion Lauberbach, der sich bedankte und zum 3:1 einschob.

„Wir werden Roberto aufbauen und ihm das Gefühl geben, dass er gebraucht wird“, sagt Trainer Matarazzo nach dem Schlusspfiff. Zuvor sorgte der ebenfalls eingewechselte Silas Wamangituka mit seinem Anschlusstreffer (86.) noch einmal für Hoffnung. Zu mehr allerdings sollte es nicht mehr reichen – auch weil ein weiterer Elfmeterpfiff ausblieb, als Philipp Förster in der Nachspielzeit im Kieler Strafraum zu Fall kam.

Eine dritte Pleite darf sich der VfB nicht leisten

Dem VfB wird nicht viel Zeit bleiben, die erneute Bauchlandung zu verarbeiten. Bereits am Donnerstag (20.30 Uhr) geht es im eigenen Stadion mit dem Topspiel gegen den Hamburger SV weiter, der nach dem 0:0 gegen Arminia Bielefeld einen Punkt Vorsprung hat. Neben Daniel Didavi wird auch Atakan Karazor (fünfte Gelbe Karte) zuschauen müssen – was nichts daran ändert, dass sich der VfB keine dritte Pleite leisten darf. Sonst rückt die direkte Bundesliga-Rückkehr in weite Ferne.

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