Polizei kontrolliert das Fahrverbot in Stuttgart: Die Stadt lehnte Ausnahmen für Konzertgänger mit gültigen Eintrittskarten ab Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Vor allem ältere Menschen aus der Region verzichten wegen des Fahrverbots auf ihr Kultur-Abo. Die Heimreise spätabends mit Bus oder Bahn ist ihnen zu lang und zu kompliziert.

Stuttgart - In Sachen Fahrverbot haben sich die Befürchtungen von Kulturschaffenden in Stuttgart zumindest teilweise bestätigt: Bisher haben 110 Menschen ihr Kulturabo mit der Begründung gekündigt, dass sie mit ihren älteren Dieselautos nicht mehr bis zum Veranstaltungsort fahren dürfen.

Konzertveranstalter Erwin Russ, der vier Konzertreihen in Stuttgart anbietet, bekam 47 solcher Kündigungen auf den Tisch. Er forderte im Januar von der Stadt Ausnahmen, dies wurde aber abgelehnt. Die Kulturgemeinschaft Stuttgart meldet 40 Kündigungen, die Schauspielbühnen 23.

Fahrgemeinschaften als Lösung?

Die Gesamtzahl dürfte noch steigen, da die Kündigungsfristen zum Teil noch laufen. So berichtet das Staatstheater Stuttgart von 15 Kunden, die ihr Fernbleiben bisher nur angedroht haben. Laut einem Sprecher hat man diese auf Park-and-ride-Plätze, den ÖPNV sowie auf Fahrgemeinschaften in der Region verwiesen. Fahrgemeinschaften will ab September auch die Konzertdirektion Russ auf ihrer Webseite anbieten, die Kulturgemeinschaft erwägt dies ebenfalls.

Wie schmerzhaft der Aderlass ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Angesichts von mehreren Hunderttausend Besuchern pro Jahr bei Staatstheater und Schauspielbühnen seien die Kündigungen verkraftbar, meinen die einen. Die anderen sprechen davon, dass es noch nie so viele Kündigungen wegen einer Sache gab.

City-Initiative besorgt

Die meisten Kündigungen kommen von älteren Menschen aus den Randbezirken und der Region. Dieses Phänomen treibt auch die City-Initiative Stuttgart an, die sich um die Geschäfte in der Innenstadt sorgt. „Stuttgart ist auf seine Erreichbarkeit angewiesen“, so City-Manager Sven Hahn. Der Zufluss an Kaufkraft aus dem Umland in die Stadt sei in Stuttgart deutlich höher als in anderen Großstädten in Deutschland. Hahn fordert die Stadt auf, erheben zu lassen, ob sich die Fahrverbote negativ auf die Zahl der Passanten in der Innenstadt auswirken.

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