Porsche will der Autokrise unter anderem mit neuen Verbrennermodellen trotzen. Die Investitionskosten hat das Unternehmen jetzt beziffert, der Gewinn wird 2025 kräftig geschmälert. Außerdem stehen Sparmaßnahmen an.
Der Krisenplan von Porsche schlägt kräftig ins Kontor. Der Stuttgarter Sportwagenhersteller will der gegenwärtigen Absatzschwäche mit einem Spar- und Investitionsprogramm trotzen. Dafür sollen unter anderem neue Modelle mit Verbrennungsmotor entwickelt werden. Dies wird den Gewinn im Geschäftsjahr 2025 um voraussichtlich 800 Millionen Euro schmälern.
Wie aus Ad-hoc-Meldungen für die Börse hervorgeht, berichtigt in der Folge auch die Holding Porsche SE den Buchwert ihrer Beteiligung. In der Konzernbilanz wird der Wert der Porsche AG um 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro verringert. Die Berichtigung der Buchwerte ist jedoch nicht zahlungswirksam. Die Nettoverschuldung des Porsche SE Konzerns wird zum Jahresende 2024 bei rund 5,1 Milliarden Euro und damit im bisher prognostizierten Bereich liegen, teilt die Holding mit.
Porsche kündigt zusätzliche Verbrennermodelle an
Wie am Donnerstagabend bekannt gegeben wurde, haben sich der Vorstand und der Aufsichtsrat des Sportwagenherstellers auf „umfangreiche Maßnahmen“ geeinigt, mit denen die kurz- und mittelfristige Ertragskraft des Unternehmens gesteigert werden soll. Unter anderem will Porsche in Sachen Antriebe umsteuern und sein Produktportfolio erweitern. Konkret wurden zusätzliche Modelle mit Verbrennungsmotoren und Plug-In-Hybride angekündigt. Bereits Ende Oktober hatte der mittlerweile abgelöste Finanzvorstand Lutz Meschke gesagt, dass die Schwäche der E-Auto-Nachfrage zu Anpassungen bei der Produktstrategie führe. Der Plan, bis 2030 werde der Elektroanteil bei 80 Prozent des Absatzes liegen, war damit Makulatur.
Damals wurde verkündet, dass Modelle, die zunächst nur noch rein elektrisch auf den Markt gebracht werden sollten, nun auch mit Plug-In-Hybrid-Antrieb angeboten werden. Außerdem wolle der Konzern Verbrennerfahrzeuge deutlich länger verkaufen als ursprünglich geplant. Nun geht Porsche noch einen Schritt weiter und will auch wieder in neue Verbrenner investieren.
Betreffen könnte dies unter anderem das SUV-Modell Macan und die Baureihe 718 (Cayman und Spyder). Beide sollten der bisherigen Maßgabe zufolge nur noch mit rein elektrischem Antrieb konzipiert werden. Die bisherigen Verbrennerversionen sollten in Europa auslaufen, da sie nicht mit neuen Regeln zur Cybersicherheit konform sind.
Die von Porsche angekündigten Investitionen erstrecken sich außerdem auf Batterieaktivitäten und den Ausbau der Sonder- und Exklusivmanufaktur. Des weiteren soll die Unternehmensorganisation angepasst werden, worunter wohl ein Spar- und Effizienzprogramm zu verstehen ist. Porsche führte nicht näher aus, ob damit etwa Produktionsverlagerungen verbunden sind und wie sich dies auf die Zahl der Arbeitsplätze an einzelnen Standorten auswirken könnte.
2024 hat Porsche drei Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. In China betrug das Minus sogar 28 Prozent. Unter anderem wegen der Immobilienkrise sitzt dort auch bei vermögenden Kunden das Geld nicht mehr so locker wie früher. Die Nachfrage nach Luxusautomobilen brach ein, was auch der Stuttgarter Wettbewerber Mercedes-Benz zu spüren bekam. Hinzu kommt, dass der Markt für Elektroautos sich in günstigeren Regionen bewegt, in denen die heimischen Hersteller erfolgreich mitmischen.
Vorläufigen Zahlen zufolge wird die operative Umsatzrendite von Porsche 2024 „am unteren Ende der prognostizierten Bandbreite“ von 14 bis 15 Prozent landen. Damit liegt Porsche zwar besser als die meisten anderen Hersteller und Schwesterfirmen im VW-Konzern. Langfristig hat der Porsche- und VW-Doppelchef Oliver Blume für die Zuffenhausener aber eine Marge von 20 Prozent als Ziel ausgegeben. 2023 wurden noch 18 Prozent erzielt. Für 2025 sagt Porsche laut Ad-hoc-Meldung aktuell nur noch eine operative Umsatzrendite von zehn bis zwölf Prozent vorher und einen Umsatz von 39 bis 40 Milliarden Euro, was in etwa einer Stagnation entspräche.
Die Vorstände Meschke und von Platen müssen gehen
Die enttäuschende Geschäftsentwicklung und der stark gesunkene Aktienkurs hatten vor knapp einer Woche bereits zu personellen Konsequenzen bei Porsche geführt. Aktuell liegt die Aktie nur noch bei rund der Hälfte des Rekordhochs von gut 120 Euro nach dem Börsengang im Herbst 2022. Der Aufsichtsrat beschloss, den Finanzvorstand und Porsche-Vize Lutz Meschke wie auch den Vertriebschef Detlev von Platen zu entlassen. In einer ungewöhnlichen Pflichtmitteilung für die Börse gab Porsche bekannt, dass der Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche Gespräche mit den beiden Vorständen aufnehmen wird. Ziel: eine einvernehmliche Auflösung der bestehenden Verträge.
Trotz der zusätzlichen Investitionen soll die Dividende für 2024 stabil bleiben. Vorbehaltlich der endgültigen Zustimmung des Aufsichtsrats soll der Hauptversammlung eine Ausschüttung in etwa auf Höhe des Vorjahres vorgeschlagen werden. Für 2023 hatte Porsche je Vorzugsaktie 2,31 Euro gezahlt.
Der JP-Morgan-Analyst Jose Asumendi sprach in einer ersten Reaktion von notwendigen Veränderungen. Sie seien ein positiver Schritt hinsichtlich der Antriebsstrategie und ermöglichten es dem Autobauer, in den kommenden zwei Jahren wieder zu Wachstum zurückzukehren.