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Neue statistische Daten - An den Gymnasien fällt vom Jahr 2012 an ein ganzer Jahrgang weg.

Stuttgart - Im Jahr 2020 werden die allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg voraussichtlich ein Fünftel weniger Schüler unterrichten. Kultusministerin Marion Schick (CDU) rechnet allerdings nicht mit Kürzungen für die Bildung.

Rund 1,2 Millionen Schüler besuchen derzeit eine allgemeinbildende Schule im Südwesten, im Schuljahr 2020/21 werden es weniger als eine Million sein. In sechs der 44 Stadt- und Landkreise werde die Schülerzahl gegenüber dem Schuljahr 2008/09 voraussichtlich um ein Viertel oder mehr sinken, gab Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamts, am Mittwoch in Stuttgart bekannt.

Am härtesten betroffen vom Schülerrückgang dürfte der Landkreis Sigmaringen sein. Dort wird die Zahl der Grundschüler voraussichtlich um 25 Prozent, die der Schüler an den weiterführenden Schulen sogar um 33,5 Prozent sinken. Die ländlich geprägten Kreise verlieren mittelfristig die meisten Schüler. Als Grund für diese Entwicklung nannte Brenner, dass die Bevölkerung dort stärker sinkt als in anderen Regionen des Landes. Zugleich wachsen in den nächsten Jahren relativ viele Kinder und Jugendliche aus dem Schulalter heraus, ohne dass dies durch Geburten oder den Zuzug weiterer Familien ausgeglichen wird.

Deutlich geringer fallen die Verluste in den neun Stadtkreisen aus - am günstigsten ist die Situation in Baden-Baden mit einem Minus von 4,5 Prozent und Heidelberg mit einem Minus von 6,8 Prozent. In Stuttgart werden es voraussichtlich 12,3 Prozent weniger Schüler sein.

Keine Kürzungen trotz sinkender Schülerzahlen

Bei ihren Vorausberechnungen gehen die Statistiker zum einen von den aktuellen Geburtenraten aus, zum anderen davon, dass sich der Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen ähnlich entwickeln wird wie in den vergangenen Jahren. Allerdings seien Schwankungen nicht auszuschließen, so Brenner.

Landesweit erwarten die Statistiker an den Grundschulen einen Rückgang von 420.000 auf 346.000 Schüler (minus 17,5 Prozent). An den Hauptschulen/Werkrealschulen geht die Zahl der Schüler voraussichtlich von 163.000 auf 123.000 Schüler zurück (minus 24,4 Prozent), an den Realschulen von 247000 auf 203.000 Schüler (minus 17,8 Prozent). Bei den Gymnasien wird mit einem Rückgang von 343.000 auf 256.000 Schülern gerechnet, das sind 25,5 Prozent weniger. Dass die Gymnasien den höchsten Anteil an Schülern verlieren, hat vor allem mit der Verkürzung der Gymnasialzeit zu tun. 2012 verlassen gleich zwei Jahrgänge die Schule, danach werden nur noch acht Klassenstufen unterrichtet. Bisher sind es neun Klassenstufen. Zur Entwicklung der beruflichen Schulen gibt es keine Zahlen.

Kultusministerin Marion Schick (CDU) ist überzeugt, dass es trotz sinkender Schülerzahlen keine Kürzungen im Bildungsbereich geben wird. Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) habe zugesichert, dass es trotz des Sparkurses im Bereich Bildung und Erziehung keine Abstriche gebe. "Ziel muss es sein, alle durch den Schülerrückgang freiwerdenden Ressourcen in die qualitative Weiterentwicklung von Schule und Unterricht zu investieren", sagte Schick. Eine hochwertige Bildung sei nötig, damit die nachwachsenden Generationen die Lasten der älter werdenden Gesellschaft tragen könnten. Investitionen in die Bildung rechneten sich nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für eine Volkswirtschaft.

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