Birkenkopf und Co. Auf die höchsten Gipfel von Stuttgart

Von Tom Hörner 

Mit Teil drei unserer Radfahrreihe treten wir den Beweis an, dass schiere Höhe nichts zählt. Die Bernhartshöhe beim Autobahnkreuz Stuttgart mag mit 549 Metern die höchste Erhebung auf der Gemarkung der Stadt sein. Lohnens­werter ist der Blick vom Birkenkopf.

Stuttgart - Kameramann Jonas Walther vom Internetsender Stuggi-TV muss bei den Berger Sprudlern etwas auf den Radler ­warten. An diesem klaren, ­kalten Januarmorgen empfiehl es sich, Kurven langsam anzusteuern. An schattigen Stellen liegt noch der Raureif der Nacht.

Für den dritten Teil unserer Tour-de-Stuttgart-Reihe, wieder produziert vom ­Online-Sender Stuggi-TV, haben wir uns eine Strecke vorgenommen, die wir etwas großspurig Gipfeltour nennen wollen. Ganz aus der Luft gegriffen ist der Begriff nicht, immerhin steuern wir zwei der höchsten ­Hügel der Stadt an, den Birkenkopf mit 511 Metern ü. NN und die Bernhartshöhe, mit 549 Metern tatsächlich die höchste Erhebung auf Stuttgarter Gemarkung.

In den Köpfen vieler Stuttgarter mag der Monte Scherbelino, wie der Birkenkopf im Volksmund heißt, der höchste Berg der Stadt sein. Rein emotional kann man das durchgehen lassen, auch wenn er nur Platz drei einnimmt und von der Rohrer Höhe (523 Meter) überragt wird. Der Blick vom Birkenkopf auf den Kessel ist imposant. An klaren Tagen sieht man weit über die Ränder der Stadt ­hinaus, bis zur Schwäbischen Alb oder bis in den Nordschwarzwald.

Sowohl Birkenkopf wie auch Bernhartshöhe wurden von Menschen erhöht, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Der Birkenkopf wuchs zwischen den Jahren 1953 und 1957 um 40 Meter an. Auf ihm ­wurde Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg abgelagert. Ein zehn Meter hohes Stahlkreuz und die aufgeschichteten Mauerreste machen den Monte Scherbelino zum Mahnmal. In der Nachkriegszeit stand hier ein Kreuz aus Holz, das die Stuttgarter Nachrichten gestiftet hatten. An einem Baum weht eine bunte Friedensfahne, die ­jemand hier angebunden hat.

Die Bernhartshöhe im äußersten Südwesten der Stadt ist in den siebziger Jahren entstanden. Hierher wurde der Aushub verfrachtet, der bei den S-Bahn- und Stadtbahntunnelbauten anfiel.

Wir starten zu unserer Tour bei den Berger Sprudlern im Unteren Schlossgarten, fahren hoch zum Rosensteinpark. Über Lodzer, Brünner und Bombay Steg (allesamt nach Partnerstädten benannt) erreichen wir den Wartberg, der merkwürdigerweise eine Senke ist. Über Serpentinen geht es zum Killesberg. Vorbei am neuen Viertel Killesberg ­Höhe radeln wir Richtung Kräherwald. Immer am Waldrand entlang (wer sich auskennt, kann auch Waldwege wählen) kommen wir zum Botnanger Sattel. Hier kann man auf dem schmalen Radweg an der Geißeichstraße fahren oder einen etwas steileren, aber auch schöneren Weg durch den Wald nehmen. Nach 11 Kilometern sind wir am Birkenkopf, während der Schulzeit auch ein beliebter Ausflugsort für Schulklassen. Wieder unten angekommen queren wir Geißeich- und Rotenwaldstraße und schlagen die Seufzerallee nach Vaihingen ein. Über die Uni Pfaffenwald, die Heer- und die Katzenbachstraße passieren wir die Patch Barracks der US-Armee. Dann die Pascalstraße hoch, kurz bevor diese die Autobahn 8 überquert, geht es rechts weg Richtung Bernhartshöhe. Wir haben nach 22 Kilometern unser Fahrziel erreicht.

Weder der Aufstieg zur noch der Ausblick von der Bernhartshöhe sind spektakulär. Spektakulär ist höchstens das Dauerrauschen, das vom nahen Autobahnkreuz Stuttgart herüberweht. Aus Autofahrersicht kann man die Bernhartshöhe passieren, ­ohne sie wahrzunehmen. Jetzt, da die Bäume keine Blätter tragen, sieht man die Autobahn sogar. Sonst wähnt man sich auf einer grün umschlossenen Insel.

Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, bei einer unserer nächsten Videotouren mitfahren wollen (gern auch erst im Frühjahr), schreiben Sie an: t.hoerner@stn.zgs.de.

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