Freiwillige der Arge Nord-Ost rücken Foto: Archiv Horst Dömötör

Das Amt für Umweltschutz hat für den Biotopverbund kein Personal mehr.

Mühlhausen/Zazenhausen - In tausenden Arbeitsstunden habe man Wiesen gemäht, Quellen gepflegt, den letzten Stuttgarter Hohlweg frei gehalten sowie neue Biotope, Teiche und Hecken angelegt, sagt der Vorsitzende der Arge Nord-Ost, Joseph Michl „Damit haben wir Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohte Tierarten geschaffen, wie beispielsweise das Rebhuhn oder die Wechselkröte.“ Doch dieses für Stuttgart einzigartige Naturschutzprojekt sei nun in Gefahr.

Michl ist um die Fortsetzung der jahrelangen ehrenamtlichen Arbeit des Biotopverbundes Arbeitskreis Mühlhausen/Zazenhausen bange. „Bislang wurden wir vom Amt für Umweltschutz bei unseren Aktionen fachlich unterstützt. Diese Betreuung sicherte die termingerechte Ausführung der notwendigen Arbeiten durch uns Ehrenamtliche und stellte einen hohen naturschutzfachlichen Standard sicher“, sagt Michl. Nun sei der Arge mitgeteilt worden, dass dies künftig nicht mehr möglich sein werde. „Wenn die fachliche Anleitung fehlt, wird es schwieriger für uns.“ Ob der Verein dann seine Arbeit im gleichen Maße fortsetzen könne, werde sich herausstellen.

Landschaftsplanerin hilft ein weiteres Jahr

Der Leiter des Amtes für Umweltschutz, Werner Flad, ist über die neue Situation beim Biotopverbund nicht glücklich, sieht aber keine andere Möglichkeit: „Wir kommen leider nicht umhin, die Arbeit zu 100 Prozent in ehrenamtliche Hände zu legen.“ Rund zehn Jahre betreue man den Biotopverbund „so nebenher“. „Aber wir können nicht mehr alles leisten.“ Eine Stelle für den Biotopverbund hatte das Amt für Umweltschutz im Rahmen der Haushaltsberatungen im vergangenen Jahr beantragt. Der Gemeinderat hat sie allerdings nicht bewilligt. Werner Flad wird aber für den kommenden Doppelhaushalt 2014/2015 einen erneuten Versuch starten. „Bis dahin wird zumindest die Landschaftsplanerin Inge Maass ihre Arbeit für den Biotopverbund fortsetzen. Diese Stelle finanzieren wir“, so Flad – sehr zur Erleichterung der Arge Nord-Ost und ihres Vorsitzenden.

„Ehrenamt braucht Hauptamt“, sagt Joseph Michl. Die ehrenamtlichen Naturschützer müssten von bürokratischen und administrativen Aufgaben befreit bleiben. „Wird unsere Arbeit nicht nahtlos fortgeführt, ist auch das bisher Erreichte wieder in Gefahr.“ Die Natur und den Lebensraum sah die Arge auch durch die Pläne einer Umfahrungsstraße – dem sogenannten Nordostring zwischen Waiblingen und Kornwestheim – sowie durch die Neckarquerung bei Aldingen – die Andriof-Brücke bei Remseck – gefährdet und sagte den Projekten den Kampf an.

Nordostring wird nicht realisiert

„Der Nordostring ist als vierspurige autobahnähnliche Schnellstraße geplant. Sie würde die Natur im Nordosten Stuttgarts in hohem Maße zerstören“, sagt Michl. Doch erst vor wenigen Tagen signalisierte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), dass die beiden Straßenprojekte nicht realisiert werden. Für Joseph Michl und die Arge ist das ein großer Erfolg.

Aber auch Rückbau und Renaturierung eines alten Fahrsilos am Hofsträßle in Mühlhausen sind Beispiele für die erfolgreiche Arbeit der Arge. Dort, wo früher pflanzliche Produkte aus der Landwirtschaft gelagert wurden, fanden sich immer häufiger bergeweise Müllsäcke. Die Arge kaufte die Fläche kurzer Hand und renaturierte sie. „Wir haben den Beton-Silo entsiegelt und die Fläche der Natur zurückgegeben“, sagt der Vorsitzende der Arge Nord-Ost. „Unser Verein hat mit Hilfe von Sponsoren rund 25 000 Euro in die Hand genommen. Diese Maßnahme hat die Stadt nichts gekostet.“ Deshalb sei jeder Euro, den die Stadt Stuttgart in die Arge stecke, gut investiertes Geld.

„Wir werden jetzt auf die Stadträte zugehen, um unser Problem bekannt zu machen. Wir wollen die wirklich sehr gute Zusammenarbeit mit dem Amt für Umweltschutz fortsetzen. Dafür braucht das Amt aber mehr Personal“, sagt Michl.

// Mehr Informationen unter www.arge-nord-ost.de