Vor der Leerung der Biotonnen gucken die Müllwerker genau hin. Foto: Julia Theermann

Im Kreis Böblingen beteiligt sich die Müllabfuhr an einer bundesweiten Aktion. Die Biotonnen werden auf Plastik kontrolliert – ganz schön viele bleiben stehen.

Die Müllwerkerinnen und Müllwerker des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Böblingen (AWB) schauen dieser Tage ganz genau hin, wenn es um die Biotonne geht. Sie kontrollieren auf sogenannte Störstoffe – also Plastik, Metall oder Restmüll. Im Zweifel bleiben die Tonnen stehen. In Sindelfingen hat das in dieser Woche in einer Zeitspanne von vier Stunden 50 von 250 Biotonnen getroffen. Ihre Besitzer müssen sich nun selber um die richtige Entsorgung kümmern.

 

An diesem verregneten Morgen sind die Müllsheriffs im Sindelfinger Eichholz unterwegs. Die nasse Kälte macht es für den jungen Ferienjobber unbequem, stundenlang hinten auf dem Trittbrett mitzufahren. Der Gestank des Biomülls im Müllwagen legt sich in die Klamotten und auf die Haare. Auch der Stammfahrer, der seit 18 Jahren diese Strecke zweiwöchentlich fährt, hilft heute beim Leeren der Biotonnen. Ihre Namen sollen in der Zeitung nicht genannt werden.

Papier gehört nicht in eine Biotonne – auch wenn die Maden ausreichend organisches Material finden, wie es aussieht. Foto: Theermann

Mülltonnen hoffnungslos überladen

Los geht es in der Friedrich-Ebert-Straße. Hier sind meist die Biotonnen mehrerer Häuser an einem Ort gesammelt. Und sie sind schwer. „Das macht die Rollen kaputt“, klagt der erfahrene Müllwerker. Biomüll lasse sich gut stopfen, das sorge dafür, dass die Tonnen überfüllt werden. Die Tonnen seien dann teilweise so schwer, dass die Hebeautomatik für die Leerung nicht benutzt werden könne. „Unsere alten Müllwagen hätten das gar nicht geschafft“, sagt der ältere Müllwerker.

Dass die Müllabfuhr mit Argusaugen in die Tonnen schaut, hat seinen Grund in einer bundesweiten Kampagne. In den vergangenen zwei Wochen waren die Müllsheriffs unterwegs, um bei den Leuten im Kreis Böblingen das Bewusstsein für Dinge wie Plastik im Biomüll zu stärken – eben über stehen gelassene Tonnen und einen roten Aufkleber. Das habe in den vergangenen Jahren insgesamt etwas gebracht, sagt Robin Henne, der beim AWB Einsatzleiter der Müllabfuhr ist. „Die Störstoffe sind ein bisschen weniger geworden, aber es kommt auch darauf an, wo man unterwegs ist“, sagt Henne. Auch außerhalb der Kontrollwochen werde stichprobenartig geprüft, ob der Biomüll sortenrein ist.

Neues Gesetz

Das ist wichtig, weil sonst die Vergärung nicht richtig funktioniert. Dabei stören sogar die als kompostierbar vermarkteten Bioplastiktüten. „Diese Biotüten brauchen ein paar Monate, bis sie sich wirklich in ihre Einzelteile zersetzt haben“, sagt Henne. „Das dauert uns zu lange. Der Biomüll aus dem Kreis Böblingen wird nach Warmbronn zur Vergärungsanlage gebracht. Das Gas, das da entsteht, geht dann an die Stadtwerke Sindelfingen.“

Zu den Böblinger Regeln kommt auch noch ein neues Bundesgesetz. Seit Mai dürfen nur noch ein bis drei Prozent Störstoffe im Biomüll sein dürfen. Sonst müssen die Mülllieferungen zum Beispiel bei den Biogasanlagen abgewiesen werden. Maximal ein Prozent Plastik und drei Prozent Steine oder Sand sind im Biomüll noch geduldet.

Es gibt Unterschiede – und Hoffnung

Gleich beim ersten Mehrfamilienhaus werden die Spürnasen in Sindelfingen in mehreren Biotonnen fündig. Bei einer liegt zwischen Eier- und Karottenschalen obenauf eine weiße Plastiktüte mit unbekanntem Inhalt. „Die lassen wir stehen“, entscheiden die Müllwerker. Zum Müllwagen schleppen müssen sie den Müllbehälter dennoch. Der Chip an der Vorderseite der Biotonne muss eingelesen werden. Anstatt sie aber zu leeren, drückt der Student den roten Knopf für „Störstoffe im Behälter“. Dann kommt die Tonne zurück zum Sammelplatz. Der Ferienjobber klemmt den Info-Aufkleber in den Deckel. „Wir haben auch schon Pfannen mit dem ganzen eingebrannten Essen im Biomüll gesehen“, sagt sein Kollege. Inklusive Pfannenwender. Bei Mehrfamilienhäusern lasse sich die Biotonne auf den ersten Blick nicht so eindeutig einem Besitzer zuordnen, darum passiere es dort häufiger, dass nicht richtig getrennt werde.

Aber es sind auch nicht alle Mehrfamilienhäuser gleich. Nur ein paar Straßen weiter, in der Watzmannstraße, sieht die Welt ganz anders aus. Zwar stehen die Tonnen oft auch hier in großen Sammlungen von bis zu 20 Behältern zusammen an der Straße, aber hier kommt fast zeitgleich mit den Müllwerkern ein Hausmeister an. „Bei der Tonne da liegt ein Blumentopf drin“, ruft der Fahrer dem Hausmeister zu. Man kennt sich. Der Blumentopf wird entfernt, die Tonne doch noch geleert.

Kuriose Funde gibt es immer wieder. „Ich hatte es mal in Holzgerlingen, dass jemand sein Papier fein säuberlich zerrissen. Aber es dann in einen Plastiksack gepackt. Während die Fehlerquote bei den Biotonnen insgesamt rückläufig scheint, gebe es immer mehr wilden Müll. „Ich vermute, dass die Leute denken, solange der Müll irgendwann weggeräumt wird, funktioniert das System“, sagt Henne. Vielen sei Stehen der AWB und die Müllwerker also auf verlorenem Posten? Werden die Leute im Kreis Böblingen aus den Abfallkontrollen lernen? „Das müssen wir hoffen“, sagt Henne.

Was passiert mit dem Müll?

Kreis Böblingen
Was mit dem Müll aus dem Kreis Böblingen passiert, hängt von der Art des Abfalls ab.

Biomüll
Der Inhalt der Biotonnen kommt im Kreis Böblingen nach Leonberg. Im Stadtteil Warmbronn wird er vergoren.

Restmüll
Der Restmüll aus Sindelfingen, Böblingen und vielen weiteren Kommunen wird im Restmüllheizkraftwerk Böblingen verbrannt.

Papiermüll
Für den Papiermüll geht es nach Sindelfingen. Im Biomüll hat Papier nichts verloren. Nur kleine Mengen Zeitungspapier sind zum Schichten des Biomülls erlaubt.

Wertstoffe
Auch die Wertstoffe, zum Beispiel Plastik oder Metall, werden nach Warmbronn gebracht. Allerdings gibt es dafür eine andere Adresse als für den Biomüll.