Aus 65 Schaufelladungen werden an diesem Tag 120 Tonnen Biomasse für den Fermenter gemischt. Foto: Felizitas Eglof

Seit zehn Jahren entsteht auf einem Feld in Leinfelden aus einer sauer stinkenden Masse Energie für hunderte Menschen in der Gegend. Aber wie wird aus Gras und Mais eigentlich Gas? Das zeigt ein Besuch in der Biogasanlage.

Leinfelden-Echterdingen - Der Brei, den Fritz Auch-Schwarz gerade mit seinem Radlader anrührt, riecht so sauer, dass es in der Nase beißt. Fünf Schaufelladungen Maishäcksel, zwei Schaufelladungen Gras, dann wieder von vorn. „Jeden Montag mische ich diese Masse zusammen, mittlerweile einfach nach Gefühl“, sagt der Landwirt. „Das ist wie beim Machen von Sauerkraut, alles wird gut vermischt und gärt dann vor sich hin.“ Und nach ein paar Wochen liefert die Pampe genug Energie, um damit hunderte von Wohnungen zu versorgen.

Die Biogasanlage auf dem Feld in Leinfelden gibt es seit 2007. Die Idee dazu kam aus einem stinkenden Grund. In der Umgebung gab es immer mehr Pferdeäpfel, die oft viel Stroh beinhalten und deswegen nicht zum Düngen brauchbar sind. Daraufhin gründeten zwölf Landwirte zusammen mit der Stadt die Biogas Leinfelden-Echterdingen GmbH & Co. KG. Ziel ist, aus selbst angebauter Biomasse und eben der Pferdeäpfel Gas herzustellen. Seit 2008 ist die Anlage in Betrieb. Seitdem produziert sie 2800 Megawattstunden Strom um 2100 Megawattstunden Wärme im Jahr.

Die Rohstoffe wachsen auf den Feldern der zwölf Landwirte

Eine Biogasanlage erzeugt Gas durch die Vergärung von Biomasse. Diese Masse kann aus Tierausscheidungen wie Gülle und Mist oder aus Pflanzen bestehen. In nicht-landwirtschaftlichen Anlagen wird Abfall aus der Biotonne oder der Lebensmittelindustrie verwendet. Mit dem Biogas wird in den meisten Fällen ein Blockheizkraftwerk betrieben, das Strom oder Wärme liefert. In Leinfelden werden ausschließlich nachwachsende Rohstoffe zur Vergärung genutzt. „Die Rohstoffe stammen alle von den zwölf Bauern, die an der Anlage beteiligt sind“, sagt Auch-Schwarz.

Direkt neben dem großen Silagehaufen reihen sich riesige weiße Garagen unter einem Dach auf. Diese Garagen heißen Fermenter. „In den Fermentern wird die Masse aufgeschichtet und fünf Wochen gelagert“, sagt Auch-Schwarz. Während der Lagerung wird die Masse regelmäßig mit einem Heißwassergemisch besprüht. „In dieser Flüssigkeit leben Bakterien, die sich durch das Material fressen und dann das Gas ausscheiden, mit dem wir elektrische Energie erzeugen“, erklärt der Landwirt.

Aus 65 Schaufelladungen entstehen 120 Tonnen Brei

Im Durchschnitt landen jeden Tag bis zu 20 Tonnen Biomasse im Fermenter. Im Jahr sind das 7000 Tonnen. Mehr als die Hälfte davon ist Mais. Der Rest besteht aus Gras, Pferdemist und sonstigen Pflanzen. Das Gas, das beim Vergären der Masse entsteht, fließt durch Rohre, die sich durch den Dachstuhl der Anlage bis zum Gassack schlängeln. Der Gassack ist ein kleiner Turm mit einer kegelförmigen Spitze. Dort sammelt sich das Gas und strömt zu zwei Verbrennungsmotoren, welche Strom und Wärme produzieren.

Der Strom gelangt ins lokale Stromnetz und reicht für 465 Familien mit drei Kindern. Die Wärme versorgt hauptsächlich die Wohngebiete In den Gärtlesäckern und Gartenstadt in Echterdingen.

Immer wieder fährt Auch-Schwarz an diesem Morgen mit seinem Radlader hin und her und schichtet den sauren Brei auf. 65 Schaufelladungen hat er herangekarrt, um den 120 Tonnen schweren Haufen zu errichten. Nun bleibt die Masse erst einmal liegen, bis sie am nächsten Tag in einen der Fermenter geschafft wird. Dort warten dann schon kleine fleißige Helfer darauf an die Arbeit zu gehen und das Gas zu produzieren.

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