Simon Sperling verkauft seine Eier unter anderem auf dem Stuttgarter Wochenmarkt. Er hält am Rande Stuttgarts rund 2300 Hühner. Foto: Ferdinando Iannone

Was kostet ein Bio-Ei aus Stuttgart wirklich? Der kommerzielle Hühnerhalter Simon Sperling schlüsselt für unsere Grafik alle Posten auf – und überrascht mit der Gewinnspanne pro Ei.

Wenn es zu Ostern ein lokal produziertes Ei sein soll, dann hat das in der Großstadt seinen Preis. „Wir betreiben Landwirtschaft in einer der teuersten Gegenden der Welt“, sagt Simon Sperling. Der 38-Jährige gehört zu den wenigen gewerblichen Hühnerhaltern in Stuttgart. Auf dem Guthof Sperling am Rande des Stadtgebiets, zwischen Mühlhausen und Kornwestheim gelegen, tummeln sich rund 2300 Hennen – eine relativ geringe Zahl für einen kommerziellen Hühnerbetrieb.

 

Jedes der Tiere lege etwa 260 Eier im Jahr, erklärt der Landwirt. Einen Teil davon nehmen Supermärkte und regionale Bioläden ab. Den Rest verkauft Sperling auf dem Stuttgarter Wochenmarkt. Dort verlangt er für ein Ei in Größe L 60 Cent. Welche Kosten fließen in diesen Preis ein? Und wie viel verdient Sperling letztlich daran?

Stuttgarter Landwirt verrät, warum Bruderhähne Preistreiber sind

Zunächst macht die Anschaffung und Aufzucht der Hühner etwa zehn Cent pro Ei aus. Das bezieht sich aber nicht nur auf die Henne, die das Ei gelegt hat. Denn hinter jedem Stückpreis steht noch ein zweites Tier: der Bruderhahn. Traditionell direkt nach der Geburt getötet, verpflichten sich viele deutsche Bio-Zertifizierungen inzwischen zur Aufzucht der männlichen Küken. So auch das Naturland-Siegel, mit dem die Eier von Sperling versehen sind. Deshalb entfallen bei ihm sechs bis sieben Cent auf die Legehenne und drei bis vier Cent auf den Bruderhahn.

So setzt sich der Preis für ein L-Ei des Sperling Hofs auf dem Stuttgarter Wochenmarkt zusammen. Foto: Björn Locke

Die Lohnkosten betragen ebenfalls anteilsmäßig zehn Cent. „Daran sieht man, dass es bei uns sehr arbeitsintensiv zugeht“, sagt Sperling. Denn der Automatisierungsgrad sei bei ihm deutlich geringer als in Großbetrieben. Außerdem zahlt der Landwirt im teuren Stuttgart nach eigenen Angaben mehr als den Mindestlohn.

Weizen, Hafer, Erbsen, Mais – Futter kommt vom Stuttgarter Hof

Simon Sperling auf seinem Hühnerhof zwischen Mühlhausen und Kornwestheim Foto: Ferdinando Iannone

Weitere zehn Cent pro Ei kommen durch die Futterkosten zustande. Auf dem Sperling-Hof wachsen Weizen, Hafer, Erbsen und Mais – allesamt geeignete Nahrungsmittel für Hühner. Lediglich ein kalkhaltiges Ergänzungsmittel für die Schalenbildung, Kartoffelstärke und Grünmehl kauft Sperling extern ein.

Die Anschaffung und Reparatur seiner Ställe fällt mit sechs Cent pro Ei ins Gewicht. In der neuesten von Sperlings drei Hühnerbehausungen leben 1500 Tiere. Um den mobilen Stall herum sind rund 6000 Quadratmeter abgezäunt, um die Naturland-Anforderungen zu erfüllen. Das Bio-Siegel schreibt eine Auslauffläche von vier Quadratmetern pro Huhn vor.

Vermarktung der Eier kostet auf dem Stuttgarter Wochenmarkt mehr

„Ein großer Punkt sind auch die Eierverpackungen“, sagt Sperling. 30 Cent muss er für eine Zehner-Schachtel auf den Tisch legen. Für den Verkauf sind neue Kartons vorgeschrieben – alte wiederzuverwenden, ist nicht erlaubt. Bedeutet: drei Cent Verpackungskosten pro Ei.

Andere Faktoren wie Wasser- und Strompreise, Gebühren für den Tierarzt, Versicherungsbeiträge und die Biozertifizierung listet Sperling gebündelt auf. Hier rechnet er insgesamt mit einem Cent pro Ei.

Bleibt als letzter Schritt die Vermarktung. Wenn er Supermärkte oder regionale Bio-Läden beliefert, rechnet Sperling hier mit zwei bis vier Cent pro Ei. Allerdings ist dann auch sein Verkaufspreis deutlich geringer – Händler zahlen ihm rund 45 Cent pro Stück. „Auf dem Wochenmarkt benötige ich dagegen eher acht Cent pro Ei, weil ich da einen Stand mit Personal habe.“ Hinzu kommt in diesem Fall die Umsatzsteuer. Für Grundnahrungsmittel beträgt der Satz aktuell sieben Prozent, also sind das noch einmal rund vier Cent.

Magerer Gewinn – etwa acht Cent pro Ei

Hinter jedem L-Ei, das Sperling für 60 Cent brutto auf dem Stuttgarter Wochenmarkt verkauft, stehen also inklusive Umsatzsteuer Kosten von 52 Cent. Schwer kalkulierbare Risiken sind dabei wohlgemerkt nicht eingerechnet. Verluste durch Krankheiten, Füchse und Greifvögel etwa. Oder auch durch das Wetter. Denn bei hohen Temperaturen sinke die Nachfrage, weil weniger gebacken werde, erklärt Sperling. In heißen Sommern kann es passieren, dass er Tausende von Eiern an die sogenannte Aufschlagindustrie verkaufen muss. Dort werden sie für die Lebensmittelindustrie weiterverarbeitet. Je nach Marktlage erhält der Produzent dann noch zwischen zehn und 15 Cent pro Ei.

Sperling ist bewusst, dass er preislich nicht mit anderen Geflügelhaltern mithalten kann. Nicht mit Bio-Höfen, die das Naturland-Limit von 12 000 Hühnern pro Stallgebäude ausnutzen. Und schon gar nicht mit den norddeutschen Großbetrieben, deren Bestände oftmals mehr als 50 000 Tiere umfassen. In Stuttgart seien solche Dimensionen schon wegen der begrenzten Flächen und hohen Bodenpreise undenkbar, sagt Sperling. „Wer Wert auf ein Ei aus Stuttgart legt, muss deshalb mehr zahlen“, fügt er hinzu. „Dafür bekommt man ein gutes Produkt und unterstützt die heimische Landwirtschaft.“