In der Redaktion landet manch seltsame Nachricht. Etwa die von einem Weißtannenpreis, oder auch der syrischen Opposition. Foto: dpa

Was so alles an Nachrichten in einer Redaktion eintrifft. Etwa den Hinweis auf einen Weißtannenpreis. Oder die syrische Opposition meldet ihre Erfolg an die Lokalredaktion. Und das mitten im Wahlkampf, das bringt unseren Kolumnisten auf Ideen.

Während die Welt über den Chemiewaffenangriff in Syrien rätselt und berät, denken die syrischen Oppositionellen auch an die Lokalzeitung. Regelmäßig kommt eine E-Mail der „Syrian Opposition“ im Postfach der Redaktion an, um über die neusten Entwicklungen zu informieren. Damit auch die Untergruppe Weissach der syrischen Rebellen aktuell informiert ist. Noch skurriler ist aber der „Weißtannenpreis“, der vom Forum Weißtanne der Regionen Nordschwarzwald, Westallgäu und Vorarlberg verliehen wird. Hmmm, warum die Lüneburger Heide und der Südzipfel von Gibraltar dabei nicht mitmachen? Hach ja, vielleicht lohnt es sich ja, auf dem Fensterbrett des „Newsrooms“, wie die Produktionszentrale der Zeitung heißt, ein paar Weißtannen-Zapfen auszuquetschen und mit den Setzlingen einen Baum zu züchten. Beim Weißtannenpreis 2028 haben wir dann vielleicht Chancen.

Ansonsten hat die Redaktion in dieser Woche versucht, das Wort „Buchsbaumzünsler“ korrekt auszusprechen. Wie unsere Geschichte auf der Seite II zeigt, ist diese fiese Raume Nimmersatt auch in unserem schönen Altkreis angekommen, um die Vorgartenidylle zu zerstören. Versuchen Sie mal, „Buchsbaumzünsler“ nach einem Viertele (oder auch zwei) noch unfallfrei zu artikulieren – das ist der Renner auf jeder Cocktailparty im Pomeranzengarten.

Ansonsten ist unser Altkreisle ja ziemlich im Sommerschlaf. Alle weg, alle nicht erreichbar, die Redaktion muss sich Geschichten aus den Fingern saugen. Wenn, ja wenn da nicht der Wahlkampf wäre. Plötzlich sind sie da, die Politiker, besuchen Jugendhäuser, Kitas, Betriebe. Und im Fernsehen nach „In aller Freundschaft“, der beschaulichen ARD-Sachsenklinik, plötzlich Angela Merkel zwei Minuten lang in Großaufnahme. Brrrr. Noch besser aber der Spot der Liste „Ab jetzt... Bündnis für Deutschland, für Demokratie durch Volksabstimmung (Volksabstimmung).“ Der betagte Herr in dem Beitrag liest den Titel zwei Mal vor – der ist schon fast länger als das Wahlprogramm. Da freuen wir uns doch, wenn auf dem Engelberg Rainer Brüderle uns morgens auf Breitwand begrüßt. Da fährt man doch viel besser gelaunt durch die nervige 30er-Zone zwecks Dauerbaustelle. Aus dem Augenwinkel könnte man meinen, dass Brüderles Plakat zwischen zwei Weißtannen steht. Die trainieren für 2028.

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