Was Wolfgang Thierse nur gegen Schwaben hat? Foto: LKZ

Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse hat sich über die Schwaben in Berlin beschwert. Unser Kolumnist will heute nachweisen, dass etwas mehr Schwertgosch der Berliner Schnauze durchaus guttun würde.

Leonberg – Vergangene Woche haben wir uns ein wenig aufgeregt in Berlin und im schönsten aller Bundesländer, dem unseren. Der SPD-Politiker Wolfgang Thierse hat sich beschwert, es gebe so viele Schwaben in Berlin, dass man beim Bäcker schon einen „Wecken“ bestellen müsse statt einer Schrippe. Journalisten aus Stuttgart haben schon darauf hingewiesen, dass allenfalls Reingeschmeckte, angelernte Schwaben von „Wecken“ sprechen, echte Landsmänner hingegen von „Weckle“. Aber so mancher Sozialdemokrat hat ja in diesen Tagen Verständigungsprobleme mit dem gemeinen Volk – 215 000 Euro Jahresgehalt für den Kanzler sind halt doch nur ein paar Peanuts.

Und überhaupt, sie können eigentlich ganz froh sein in Berlin. Wenn wir erst mal richtig loslegen und in der preußischen Residenz Herrgottsb’scheißerle, Breschtlengs-Gsälz-Häfele oder einen Rutemser Rohstrugel bestellen, dann wissen die schnoddrigen Berliner erst, was eine echte Schwertgosch ist. Von wegen Berliner Schnauze.

In unserem schönen Altkreis haben wir dafür ein treffendes Sprichwort, wenn wir schon bei kulinarischen Genüssen sind. „Der hat gute Kutteln“, heißt es schon mal, wenn jemand einen, sagen wir, Saumagen hat und einiges verträgt. Und der Leonberger VHS-Leiter bringt es dieser Tage in einer Pressekonferenz so schön auf den Punkt: „Der Norddeutsche sagt mehr als er denkt. Der Schwabe denkt mehr als er sagt.“ Ja, maulfaul sind wir vielleicht manchmal, aber wenn wir uns äußern, dann mit herrlichen Worten.

Die Herrenberger werden zum Beispiel „Pflastersteinscheißer“ genannt, die Renninger „Schnaigees“ (für Preußen: Schneegänse), die Höfinger „Erbsebäuch“, und die Leonberger „Schnogga“. Wie wir alle wissen, geht das auf einen Bauern zurück, der eine Schnecke auf seinem Fuß wähnte, mit der Hacke zuschlug – und seinen Zeh traf. So schöne Geschichten und Wörter, lieber Herr Wolfgang Thierse, habt ihr in Berlin gar nicht. Vereinen wir doch unsere Kulturen, maulfaul und schneidig. Künftig also beim Bäcker bestellen: „An Weckle biddä, ’n bisschen plötzlich, wa?“

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