Welche Kinder bekommen in Zukunft eine Sprachförderung in Kitas und Grundschulen? Was sind die neuen Juniorklassen? Fragen und Antworten zum Sprachförderprogramm in baden-württembergischen Kitas und Grundschulen.
An acht Grundschulen in Stuttgart wird seit diesem Schuljahr das Landeskonzept „SprachFit“ eingeführt. Noch seien die Schulen in einer „Aufbau- und Orientierungsphase“, sagt Thomas Schenk, der Leiter des Staatlichen Schulamts Stuttgart. „SprachFit“ ist Teil der Bildungsreform der grün-schwarzen Landesregierung. Das Ziel: Bereits im Vorschulalter zu erkennen, welche Kinder Unterstützungsbedarf in der sprachlichen Entwicklung haben – und diese Jungen und Mädchen dann gezielt fördern. Aber was umfasst das Programm?
Was ist „SprachFit“? Vor der Einschulung und in den Grundschulen soll die Sprachförderung laut dem Kultusministerium „eine deutlich stärkere Rolle spielen und vor allem verbindlich sein“. Das Programm „SprachFit“ ist ein Unterstützungsangebot für alle Kinder, die bei der Einschulungsuntersuchung (Esu) des Gesundheitsamtes einen sprachlichen Förderbedarf zeigen. Es umfasst Sprachfördergruppen im Jahr vor der Einschulung und Juniorklassen für Kinder vor der ersten Klasse. Auch Kinder, die keine Kita besuchen, sollen teilnehmen. Wer direkt eingeschult werden kann, aber dennoch Unterstützung braucht, soll in den Klassen 1 und 2 jeweils zwei Wochenstunden Sprachunterricht bekommen. Im aktuellen Haushaltsentwurf der Landesregierung für 2025 und 2026 ist die Sprachförderung im frühkindlichen Bereich mit insgesamt 231 Millionen Euro ein Schwerpunkt.
Wann wird das Programm umgesetzt? Bereits im laufenden Schuljahr sind 350 Gruppen an Grundschulen und Kindertagesstätten in Baden-Württemberg „mit einer ergänzenden Sprachförderung im Umfang von vier Stunden in der Woche“ gestartet, schreibt das Ministerium auf seiner Homepage. Die Teilnahme ist noch freiwillig. Flächendeckend und damit verpflichtend soll „SprachFit“ bis zum Schuljahr 2027/2028 eingeführt sein. „Dann wird es im Land voraussichtlich rund 4200 Sprachfördergruppen geben.“
Wo und von wem wird gefördert? Die Gruppen sollen an Grundschulen und in Kitas – gesteuert durch das Staatliche Schulamt und mit Zustimmung des jeweiligen Trägers – eingerichtet werden. Das Ministerium sieht für die Extraförderung Grundschullehrkräfte und Kitapersonal vor und will sich dazu mit den Kitaträgern, also in erster Linie den Kommunen, abstimmen. „Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) qualifiziert das Personal im Vorfeld. Umgesetzt wird die Sprachförderung auf der Grundlage einer verbindlichen Rahmenkonzeption“, heißt es außerdem.
Was ist eine Juniorklasse? Schulpflichtige Kinder, die sprachlich noch nicht fit sind oder in anderen Bereichen Entwicklungsbedarf haben, „besuchen künftig nach der Kita zunächst ein Jahr lang eine Juniorklasse“, in der sie 25 Stunden pro Woche gefördert werden, schreibt die Kultusbehörde. Die Entscheidung treffe die jeweilige Schulleitung. Soweit an der Grundschule ein Ganztagesangebot eingerichtet sei, könnten sie auch daran teilnehmen. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen weiterhin ein SBBZ.
Wo und wann werden Klassen eingerichtet? Nicht an jeder Grundschule wird es Juniorklassen geben. Sie sollen aber für die Kinder „in zumutbarer Erreichbarkeit liegen“. Das Ministerium will ab dem 1. August 2026 zunächst bestehende Grundschulförderklassen zu Juniorklassen weiterentwickeln, um das Angebot danach auszudehnen. In Stuttgart beispielsweise besuchen derzeit 210 Schülerinnen und Schüler, und damit 0,5 Prozent aller Schüler, eine Grundschulförderklasse. Ab dem Schuljahr 2028/29 rechnet das Ministerium mit einem flächendeckenden Ausbau. Dann soll an etwa „jeder dritten Grundschule eine Juniorklasse eingerichtet sein“. Bis dahin ist der Besuch freiwillig auf Empfehlung hin, danach verpflichtend.
Welche Schulen sind schon dabei? An acht Schulen in der Landeshauptstadt läuft„SprachFit“ bereits seit diesem Schuljahr. Allerdings sind die Standorte laut dem Schulamt der Stadt noch in der Aufbau- und Orientierungsphase. Dabei sind die Schönbuchschule in Dürrlewang, die Reisachschule in Weilimdorf, die Pragschule in Stuttgart-Nord, die Grundschule Riedenberg, die Wilhelmsschule in Wangen, die Carl-Benz Schule in Bad Cannstatt, die Grundschule Gaisburg und die Pelikanschule in Neugereut.