Die Kultusministerin Susanne Eisenmann bekennt sich zum Lehrermangel. Foto: dpa

Die Kultusministerin diskutierte mit Pädagogen und Schulrektoren in Gerlingen über die akuten Personalprobleme. Sie plädiert für passgenaue Schulangebote.

Gerlingen - Wir schleifen einen Teil der Kinder mit durch“, sagt Eiko Schwalbe, „das ist hart“. Schwalbe, der Rektor der Gerlinger Realschule, wies bei einer Veranstaltung der örtlichen CDU mit der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann am Montagabend vehement auf die Probleme dieser Schulart hin. Und er ging noch weiter: „Wir sind randvoll, wir wehren uns gegen Qualitätsverlust, und wir warten, dass der Klassenteiler abgesenkt wird.“ Im selben Beitrag dankte Schwalbe der Ministerin allerdings auch für ihr Engagement: „Sie haben die Realschule gestärkt.“

Nicht auf Pensionierungswelle eingestellt

Die Ministerin hatte Verständnis. Ihr Credo angesichts eines drastischen Lehrermangels im Land und 500 deswegen nicht besetzter Stellen: Das Land sei nicht auf die kommende Pensionierungswelle eingestellt, „die Leidtragenden sind die Schulen und die vorhandenen Lehrer“. Die müssten auch ausgleichen, was Eltern versäumten: „Viele verabschieden sich vom Erziehungsauftrag, die Lehrer leisten unglaublich viel.“ Sie wolle „keine Zwangsbeglückung“ von Eltern mit schulischen Angeboten, so die 54-Jährige, die Ganztagsschule sei „ein richtig gutes Angebot“. Weil dieses aber von vielen Eltern nicht akzeptiert werde, müsse man flexible Betreuungsangebote an den Schulen fördern. Die Gerlinger Elternvertreter hörten es wohl – der Gemeinderat hatte dies jüngst beschlossen.

Viele Herausforderungen an der Realschule

Die Realschule blieb in der Diskussion ein Thema. Bekanntlich können auch Schüler mit Hauptschulleistungen an der Realschule ihren Hauptschulabschluss machen. In den ersten zwei Jahren erlebten dabei viele schwächere Kinder Frust, hielt die Stadträtin Gabriele Badenhausen der Ministerin vor – warum das so sei? Auch Eisenmann stellte die Frage, was mit leistungsschwachen Schülern in den fünften und sechsten Klassen der Realschulen geschehen solle. Die Realschulen müssten heute mit „extrem vielen Herausforderungen“ fertig werden, meinte dazu der Rektor Eiko Schwalbe, auch mit einer großen Vielfalt der Schüler – nicht nur deshalb seien die Lehrer stark belastet. „Wenn einer krank wird, bricht alles zusammen.“

Dazu kommt, dass die Realschule jedes Jahr nicht nur Fünftklässler aufnimmt, sondern auch viele Schüler, die am Gymnasium scheitern. Auch das ist ein Grund für die große Vielfalt. Dazu die Ministerin: „Das Schulwahlverhalten ist problematisch.“ Will heißen: entgegen anderslautender Empfehlungen der Grundschullehrer melden viele Eltern ihr Kind in die weiterführende Schule an, welche das Kind überfordert – und das fordert alle Beteiligten.

Extrem starke Vielfalt in einer Klasse

Nicht alle Lehrer sind mit ihrer Aufgabe glücklich, offenbarte eine Pädagogin, die an einer Stuttgarter Gemeinschaftsschule unterrichtet. „Ich werde den Bedürfnissen der Schüler nicht gerecht“, sagte sie. Sie erlebe in einer Klasse eine extrem starke Vielfalt, auch an Leistungsvermögen der Kinder. Die Schule habe zu wenige Lehrer, sie sei öfter parallel für zwei Klassen da, in denen auch Inklusionskinder seien. Fazit: „Das System deprimiert mich.“

Da sind dann die Aufzählungen der Ministerin, wie viel Geld das Land in die EDV an Schulen stecke, nur ein schwacher Trost. Eberhard Blanz, Chef des örtlichen Gymnasiums , stellte dazu die Frage „Wer bildet die Lehrer dafür aus?“ IT-Fachleute für Schulen, die keine Lehrer sind, gibt es – fünf in Stuttgart, so die Ministerin.

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