Digitale Bildungsplattform Eisenmann entsetzt über Gutachten

Von Renate Allgöwer 

Kultusministerin Susanne Eisenmann will sich mit dem Gutachter über ella beraten. Foto: dpa
Kultusministerin Susanne Eisenmann will sich mit dem Gutachter über ella beraten. Foto: dpa

Sie sollte das Leuchtturmprojekt bei der Digitalisierung der Schulen werden. Jetzt bescheinigt ein Gutachter der geplanten digitalen Bildungsplattform ella erhebliche Mängel.

Stuttgart - Die Zukunft der geplanten landesweiten Bildungsplattform „ella“ (elektronische Lehr- und Lernassistenz) ist ungewiss. Ein jetzt bekannt gewordenes Gutachten bescheinigt dem Vorhaben, das als das digitale Leuchtturmprojekt für die Schulen gedacht war, erhebliche Mängel. Bisher hat Baden-Württemberg 8,7 Millionen Euro in die Plattform für 1,5 Millionen Nutzer investiert.

Zu einer klaren Empfehlung kommt der Gutachter des Stuttgarter Beratungsunternehmens DST it-services jedoch nicht. Das Land könne die Zusammenarbeit mit der Kommunalen Informationsverarbeitung Baden-Franken (KIVBF), einem kommunalen Zweckverband, fortführen oder das Projekt neu ausschreiben. Sollte das Projekt mit der KIVBF fortgeführt werden, müsse erheblich nachgearbeitet werden, es sei ungewiss, wie lange das dauern könnte. Eine Neuausschreibung dauere lange und „ein neuer Partner ist auch keine Garantie für die erfolgreiche Umsetzung“, heißt es in dem Gutachten, das unserer Zeitung vorliegt.

Kultusministerin ist nicht zufrieden

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) zeigte sich angesichts der technischen Umsetzung, die das Gutachten offenbarte, „schlichtweg entsetzt“. Sie erklärte: „Die Ergebnisse des Gutachtens können uns definitiv nicht zufrieden stellen.“ Jetzt werde bewertet, ob es eine Lösung auf der Basis der vorhandenen Struktur gebe, „oder ob wir die Reißleine ziehen müssen“. In den nächsten Wochen will Eisenmann die Frage mit dem Gutachter erörtern und dann eine Entscheidung treffen. Das Ministerium ist verpflichtet, die landeseigene IT-Agentur BITBW für derartige Vorhaben einzuschalten. Diese hat den Kommunalen Zweckverband KIVBF beauftragt. Dass dieser zahlreiche Sub-Subunternehmen einschaltete, sei nicht bekannt gewesen, heißt es aus dem Ministerium.

Opposition spricht von Fiasko und Blamage

Die oppositionelle SPD spricht bereits von einem Fiasko für das „Prestigeobjekt ella“ und von einem Desaster. Der Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei erklärte, beide Optionen gingen mit erheblichen Unsicherheiten einher. Er sagt: „Plan B darf kein neues Luftschloss sein, wir brauchen umsetzbare Lösungen und zwar bald."

Hans-Ulrich Rülke, der FDP-Fraktionsvorsitzende, sieht in Ella für Eisenmann und den für Digitalisierung zuständigen Innenminister Thomas Strobl eine „peinliche und millionenschwere Blamage“. Angesichts des zu erwartenden zweistelligen Millionenschadens müsse jetzt hart nach den Verantwortlichen gefragt werden.

Grüne sehen Mängel in der Landes-IT

Die mitregierenden Grünen fordern Strobl als Digitalisierungsminister auf, „sich unverzüglich der gravierenden organisatorischen Probleme in der Landes-IT anzunehmen“. Das Kultusministerium müsse einen „klar definierten Anforderungskatalog“ für ella vorlegen und konkrete und belastbare Kosten-und Zeitpläne ausarbeiten. Das sei in der Startphase des Projekts unter SPD-Führung offenbar versäumt worden, kritisiert Sandra Boser, die bildungspolitische Sprecherin der Grünen.

Das Projekt ella hätte den Schulen den Weg in die Digitalisierung eröffnen sollen. Kurz vor dem offiziellen Start stoppte Eisenmann im Februar den Probelauf. Insgesamt hat das Land für das Vorhaben 24 Millionen Euro vorgesehen.

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