Bildungsplan-Gegner in Stuttgart Polizei muss Demonstration sichern

Von SIR/dpa 

Unter dem Motto "Ehe und Familie vor“ haben sich laut Schätzungen der Polizei am Sonntag rund 1200 Bildungsplangegner in Stuttgart versammelt. Auch Gegendemonstranten reisten an. Die Polizei war mit mehreren hundert Beamten im Einsatz.

Stuttgart - Das Thema Sexualität im Unterricht lässt weiter die Emotionen hochkochen: Rund 1200 Menschen haben unter dem Motto „Ehe und Familie vor“ gegen den Bildungsplan des Kultusministeriums protestiert. 500 Polizisten überwachten am Sonntag die „Demo für alle“ in Stuttgart, gegen die auch 200 Gegendemonstranten auf die Straße gingen.

Zeitgleich war von verschiedenen linken Gruppierungen zu einer Gegendemonstration aufgerufen worden. Etwa 500 Beamte waren im Einsatz, um Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern zu verhindern.

Das Kultusministerium wehrte sich gegen Vorwürfe, es strebe mit dem Bildungsplan eine „Sexualisierung der Schule“ an oder wolle Familien zerstören. „Die Initiatoren spielen bewusst mit den Ängsten von Eltern, um ihrer Ideologie zu entsprechen und ihre Anhänger anzuheizen“, sagte ein Sprecher von Ressortchef Andreas Stoch (SPD). Vielmehr sei der Wert von Ehe und Familie einer der Grundpfeiler des Bildungsplans.

Keine Übergriffe zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten

Stochs Sprecher forderte die Bildungsplan-Gegner auf, sich mit dem tatsächlichen Vorhaben zu beschäftigen und die Erarbeitung der Bildungspläne durch Pädagogen im Internet nachzuvollziehen. Er erinnerte daran, dass das Ministerium das Thema sexuelle Vielfalt nach Kritik in einem größeren Zusammenhang gestellt habe: Es gehe genauso um Akzeptanz religiöser, kultureller, ethnischer und sozialer Vielfalt.

In einer der Leitperspektiven des Plans, der an den Südwest-Schulen von 2016 an gelten soll, soll Toleranz unter anderem gegenüber sexueller Vielfalt verankert werden. Dagegen wandten sich Eltern und Großeltern bei der Protestversammlung mit blauen und rosa Ballons. Auf ihren Transparenten war zu lesen: „Schützt unsere Kinder“, „Recht auf Kindheit“ und „Gender-Ideologie stoppen“. Auch der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Bernd Saur, kritisierte im „Focus“ eine „Pornografisierung der Schule“. Einige Bundesländer wollten abstruse Vorstellungen einer modernen Sexualpädagogik im Bildungsplan der Schulen festschreiben.

Der Petitionsausschuss des Landtags hat kürzlich eine entsprechende Eingabe der Initiative „Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens“ abgelehnt, die 192.000 Unterstützer fand. Dadurch wurde die dritte „Demo für alle“ ausgelöst.

Zwei Gruppen aus etwa 200 Personen versammelten sich laut Polizei im Bereich Schillerplatz/Planie und Schillerplatz/Dorotheenstraße, um gegen die Kundgebung zu demonstrieren. Die Polizei fand bei mutmaßlichen Gegendemonstranten, die aus den Räumen Tübingen, Reutlingen und Pforzheim angereist waren, Böller, Quarzhandschuhe und Vermummungsmaterial, das beschlagnahmt wurde.

Nach der Kundgebung auf dem Schillerplatz zog der Demonstrationszug über die Planie, den Charlottenplatz, die Konrad-Adenauer-Straße, die Gebhard-Müller-Straße zum Staatstheater. Hier wurde die Abschlussveranstaltung von massiven Polizeikräften gesichert. Zu Übergriffen kam es nicht.

Insgesamt gegen acht Personen sprach die Polizei nach eigenen Angaben Platzverweise aus. Eine Teilnehmerin, die dem Platzverweis keine Beachtung schenkte, wurde vorläufig festgenommen. Zudem seien Beamte von Gegnern der Bildungsplandemo angespuckt und mit Stinkbomben beworfen worden. Die Polizei nahm die Personalien dieser Personen auf.

 

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