Arbeitsplätze wie diesen an einer preisgekrönten Schule in Niedersachsen wünschen sich Eltern und Pädagogen auch in Stuttgart Foto: dpa

Die SPD-Fraktion im Rathaus will aktuelle Bildungsthemen öffentlich und mit Experten diskutieren. Doch der Auftakt am Donnerstagabend ist den Veranstaltern entglitten. Statt um Bildungspolitik ging es vorwiegend um Ganztagsschulen.

Stuttgart - Braucht die Bildungspolitik in Stuttgart Nachhilfe? Das fragte die SPD-Gemeinderatsfraktion am Donnerstagabend und hatte als Experten Schulbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP) und Wolfgang Mack, den Dekan der Fakultät Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, geladen. Wegen der jüngsten landespolitischen Querelen um Lehrerstellen kündigte Fraktionschef Martin Körner die Diskussion als „brandaktuelle Veranstaltung“ an, doch eingelöst wurde dies nicht.

Wolfgang Mack stellte Bedingungen vor, die aus Sicht der Wissenschaft Großstadtschulen erfolgreich machen: unter anderem, dass Schule räumliche soziale Ungleichheiten auffangen und als Bildungs- und Beratungszentrum für alle im Viertel da sein muss, dass Inklusion und erfolgreiche Übergänge für Schüler Pflichtaufgaben sind und dass Schule nur ein Teil einer Bildungslandschaft ist und eng verknüpft arbeiten müsse mit Jugendeinrichtungen, Sozialarbeit, Vereinen.

Hohe Investitionen geplant

Vieles davon hat die Bildungspolitik schon in Angriff genommen, eine halbe Milliarde für Schulsanierungen zur Verfügung gestellt, und sie werde „noch mal so eine Summe“ für Investitionen bereitstellen müssen. „Die besten Bildungschancen bietet die Ganztagsschule“, warb Fezer.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) teilt ihre Begeisterung nicht. Arbeitsplätze und Ruheräume fehlten, Unterricht fiele aus, und ob rhythmisierter Ganztag stattfinde „oder ob wir wegen Lehrermangels nur den ganzen Tag betreuen“, wüssten die Eltern oft nicht, trug Stuttgarts GEW-Chefin Annemarie Raab vor. Die Stadt solle den Schulen lieber mehr Zeit für den Umbau lassen.

Mack sprach sich für unterschiedliche Betreuungs- und Schulformen aus: „Die Ganztagsschule löst die Frage der Bildungsgerechtigkeit nicht.“ Doch über längeres gemeinsames Lernen oder über Inklusion wurde nicht mehr diskutiert: Die Zeit war um. Bei der zweiten Veranstaltung am 22. November soll es um 18 Uhr im Rathaus um „Bildungsgerechtigkeit durch Ganztagsschulen?!“ gehen. Erneut.

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