Ökumenisches Zentrum im Ezach: hier läuft der Umbau bereits. Foto: Simon Granville

Trotz einer enormen Preissteigerung von mehr als vier Millionen Euro beschließt der Leonberger Gemeinderat: Mit dem Projekt geht es weiter. Es fallen jedoch klare Worte.

Dass die Planungen in Sachen Bildungscampus Ezach weitergehen würden, war schon vor Ostern quasi klar. Doch schon in der Sitzung des Sozial- und Kultusausschusses sparten die Leonberger Stadträte nicht mit Kritik an der riesigen Preissteigerung, die ihnen die Verwaltung präsentierte. Statt der ursprünglich geplanten 12,6 Millionen werden nach aktuellem Stand 16,7 Millionen Euro fällig für den Kita-Neubau plus Mensa. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend wurde das weitere, teurere Vorgehen zwar mehrheitlich beschlossen. Aus Rätereihen setzte es allerdings neuerliche, teils heftige Kritik.

 

„In der freien Wirtschaft wäre das ein No-Go“

Jörg Langer (Freie Wähler) betonte: „In der freien Wirtschaft wäre das ein No-Go.“ Er war schließlich der einzige, der gegen die Weiterführung des Projekts stimmte. CDU-Stadtrat Oliver Zander kritisierte: „Wir sind in keiner Weise mitgenommen worden auf dem Weg der Kommunikation.“ Man stimme zähneknirschend zu. „Aber wir haben ja auch keine Wahl.“

Johannes Frey (Freie Wähler) sprach derweil vom „absoluten Gipfel“. Für ihn, selbst Architekt, sei dieser Preissprung nicht nachvollziehbar. „Das ist der GAU zwischen Verwaltung, Bürgern und Planern.“ Es sei unerhört, was dem Gremium hier vorgelegt werde. „Und das ist auch ein Versäumnis der Verwaltung.“ Unverständnis äußerte er zudem über das Resultat des europaweiten sogenannten VgV-Verfahrens (also der Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge bei hohen Auftragssummen). „Es sind immer dieselben Büros, die beauftragt werden. Wir hatten aber noch nie zum Beispiel einen italienischen Architekten.“ Man könne ja auch dabei „mal andere Wege einschlagen“. Für die Planung des Bildungscampus Ezach zeichnet die Stuttgarter Architektenpartnerschaft ARP verantwortlich, die bereits mehrere Kitas in der Stadt geplant und realisiert hat.

Mehrkosten haben laut Stadtverwaltung mehrere Gründe

Die Mehrkosten, so argumentiert die Leonberger Stadtverwaltung, kommen zum einen aus den enormen Verteuerungen im Bausektor. Zum anderen muss die geplante Mensa nun, anders als geplant, doch unterkellert werden. So soll genügend Platz entstehen für die Lüftungszentrale der Küche und die Hausanschlussräume der Gewerke Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Das macht das Projekt deutlich teurer, was bereits im Ausschuss Fragen aufwarf – vor allem nach der Kostendeckung. Die Antwort, woher die fehlenden gut vier Millionen Euro kommen sollen, blieb die Stadtverwaltung noch schuldig.

Axel Röckle (Freie Wähler) forderte schließlich, dass die Rathausspitze die Stadträte in acht Wochen detailliert über die Gründe für die Kostensteigerung informieren möge. Bürgermeister Klaus Brenner, der die Sitzung für den im Urlaub weilenden OB Martin Georg Cohn leitete, legte dafür nach einigem Hin und Her die Sitzung am 5. Juni fest.

Forderung nach mehr Fördermöglichkeiten

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Elke Staubach forderte die Verwaltung zudem nochmals auf, sich abermals über weitere Fördermittel zu informieren. Die Stadt hatte bereits Ende 2023 einen Antrag auf einen Landeszuschuss eingereicht. Ob dieser Erfolg hat, steht aktuell noch nicht fest.

Der Campus und die Mensa

Bildungscampus
  Kinder ab einem Jahr bis zum Ende der Grundschule sollen am Bildungscampus Ezach ihren Betreuungs- und Schulplatz finden. Im Oktober wird es in Sachen Bauarbeiten so richtig losgehen. Ist alles fertig, soll auch eine Mensa zur Verfügung stehen. Aktuell wird schon das Ökumenische Zentrum umgebaut, dort soll der Schopfloch-Kindergarten einziehen. Die neue Kita soll acht Gruppen beherbergen.

Mensa
 In der zu bauenden Mensa sollen einmal 160 Essen täglich ausgegeben werden – Stand jetzt soll dort frisch gekocht werden.