In dem ansprechenden Klinkerneubau sind drei Einrichtungen an einem Standort vereint. Foto: Hans-Dieter Wolz

Die neuen Räume der Volkshochschule im Bildungscampus am Fellbacher Bahnhof gefallen nicht allen Nutzern. Während sich die einen über bessere Technik und die zentrale Lage freuen, würden sich andere kleinere Einheiten für die Sprachkurse wünschen.

Fellbach - Unterricht in einer Küche ohne Stauraum, dafür mit einer lauten Lüftungsanlage; zu große Unterrichtsräume und ein pompöses, unnötig ausladendes Foyer – so haben sich Rosemarie Schwarz und Sigrun Lutz die neuen Räumlichkeiten der Volkshochschule im Bildungscampus am Fellbacher Bahnhof nicht vorgestellt. „Die alte VHS in der Theodor-Heuss-Straße war wirklich nichts mehr, deshalb hatten wir große Erwartungen an den Neubau. Aber der wurde am Bedarf vorbeigeplant“, sind sich die Frauen aus Fellbach einig. Im Grunde sei die Kapazität jetzt geringer als vorher, weil es nur einige große, statt mehrere kleinere Unterrichtseinheiten gebe.

Wenn Stefanie Köhler über die Räumlichkeiten der Volkshochschule im Bildungscampus am Bahnhof spricht, klingt das ganz anders. „Wir haben tolle neue Zimmer, ein Foyer mit Aufenthaltsqualität, eine hohe technische Ausstattung und es liegt zentral. Das ist etwas ganz anderes als am früheren Standort“, sagt die Leiterin der Volkshochschule Unteres Remstal.

Das Angebot, sich für ein Essen oder einen Snack am Geschirr zu bedienen, bestehe immer

Die Vorwürfe der beiden Kursteilnehmerinnen kann Stefanie Köhler so nicht stehen lassen. „Ich weiß, dass so eine große Veränderung wie ein Umzug für die Nutzer nicht einfach ist. Da ist die Erwartungshaltung sehr hoch.“ Die VHS-Leiterin hat Verständnis dafür, dass es für die langjährigen Teilnehmerinnen befremdlich gewirkt haben könnte, dass sie in einen Unterrichtsraum mit Küchenzeilen gesetzt wurden, doch der Raum sei nur so genehmigt worden und biete viele Vorteile. „Zahlreiche Kurse schätzen die Möglichkeit, Sprache und Kochen darin zu verbinden“. Das Angebot, sich für ein Essen oder einen Snack am Geschirr zu bedienen, bestehe immer. Auch die konkrete Kritik an dem betreffenden Kursraum weist Stefanie Köhler zurück. „Der Raum hat keine Klimaanlage, sondern eine Hochleistungslüftung, die direkt im Raum gesteuert werden kann. Und Jacken können natürlich in einen Garderobenschrank gehängt werden.“ Dieser sei von Anfang an da, aber nicht sofort als solcher beschriftet gewesen, erklärt die Leiterin der Volkshochschule Unteres Remstal.

Die beiden Frauen aus Fellbach sind seit Jahren in der Volkshochschule aktiv. Die 70-jährige Rosemarie Schwarz lernt Italienisch, Sigrun Lutz ist 74 Jahre und Teilnehmerin des Französischkurses. Sie erinnert sich noch genau, wie geschockt sie war, als sie beim Tag der offenen Tür den zukünftigen Unterrichtsraum für den Französischkurs anschauen durfte. In einer Mail an Stefanie Köhler formulierte sie es folgendermaßen: „Ich dachte an einen Druckfehler im Programm. Dem war aber nicht so: Der Unterricht fand tatsächlich in der Küche statt.“ Stefanie Köhler bietet angesichts der Probleme an, dass die Kurse, die in dem Küchenraum sind, im nächsten Semester in einen anderen wechseln können.

Auch wenn Stefanie Köhler die erste Ansprechpartnerin für Sigrun Lutz und Rosemarie Schwarz war, richtet sich deren Ärger im Grunde gegen die Stadt

Die Reaktion der Leiterin wissen Rosemarie Schwarz und Sigrun Lutz zu schätzen. „Frau Köhler hat umgehend Stellung genommen und bemüht sich.“ Doch gegen ihren Unmut hilft es nicht. „Da wird die VHS verlegt und neu konzipiert, und nachher ist es schlechter als vorher. Es fehlen einfach kleinere Einheiten. Das wollen wir nicht runterschlucken, sondern kundtun.“

Auch wenn Stefanie Köhler die erste Ansprechpartnerin für Sigrun Lutz und Rosemarie Schwarz war, richtet sich deren Ärger im Grunde gegen die Stadt. „Die ist doch für die grandiose Fehlplanung verantwortlich“, sagt Sigrun Lutz. Doch auch Sabine Laartz, die Sprecherin der Stadt, kann den Unmut hinsichtlich des Bildungscampus – an der Eisenbahnstraße sind die drei Kultureinrichtungen Kunstschule, Jugendtechnikschule und Volkshochschule vereint – nicht verstehen. Auf den Vorwurf, die VHS habe nach den Anfangsplänen das ganze Erdgeschoss einnehmen sollen und dann wäre die Aufteilung bedarfsgerechter gewesen, sagt sie: „Dass die Jugendtechnikschule mit reinkommt, war von Anfang an klar. Schnell zeigte sich, dass mit allen drei Einrichtungen unter einem Dach viele Synergien verbunden sind, räumlich, finanziell und fachlich.“ Die VHS-Leiterin fügte an, dass für die zertifizierten Kurse auch Standards einzuhalten sind. „Wenn wir einen Integrationskurs anbieten, braucht es eine bestimmte Größe.“

Die drei großen Räume können für Veranstaltungen zudem zum großen Hansel-Mieth-Saal geöffnet werden. Das bedeute aber nicht – wie Rosemarie Schwarz und Sigrun Lutz gleich befürchteten – dass dort künftig auch die Verleihung des gleichnamigen Reportagenpreises stattfinden würde. „Der Saalname soll die Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Ich gehe davon aus, dass die Verleihung im Rathaus bleiben wird“, sagt Sabine Laartz.

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