Oberbürgermeister Roland Klenk hat Fried-Peter Bourseaux Ende 2015 aus seinem Amt verabschiedet Die Stelle der VHS-Leitung ist seitdem nur kommissarisch besetzt. Foto: Natalie Kanter

Die Verwaltungsspitze denkt über eine Zusammenarbeit mit der VHS Böblingen-Sindelfingen nach.

Leinfelden-Echterdingen - Macht die Große Kreisstadt Leinfelden-Echterdingen künftig in Sachen Weiterbildung mit den Städten Böblingen und Sindelfingen gemeinsame Sache? Gründen diese drei Kommunen als gleichberechtigte Partner eine neue, übergreifende Volkshochschule? Diese Fragen stehen derzeit im Raum. Antworten darauf wird es laut Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell aber auf keinen Fall vor der Sommerpause geben. Denn die Verwaltungsspitze von L.-E. will dem eigenen VHS-Team die Möglichkeit geben, in den Sommerferien selbst ein Konzept für die Zukunft zu entwickeln – quasi als einen Gegenentwurf.

Fest steht: Die Stadt Leinfelden-Echterdingen will den Weggang des langjährigen VHS-Leiters Fried-Peter Bourseaux nutzen, sich zu überlegen, wie man die städtische Weiterbildungseinrichtung neu strukturieren und damit auf finanziell gesündere Beine stellen kann. Dies hatte Oberbürgermeister Roland Klenk bereits zum Jahreswechsel in einem Gespräch mit unserer Zeitung angekündigt. Und dazu gibt es offenbar auch einen Beschluss des zuständigen Gemeinderatsausschusses. „Die Möglichkeit, über eine Einrichtung nachzudenken, ergibt sich in der Regel nur dann, wenn der Kopf geht“, hatte Klenk damals gesagt.

Einrichtung wird zurzeit kommissarisch geführt

Bourseaux wurde Anfang Dezember in den Ruhestand verabschiedet. Er hatte vor mehr als 28 Jahren als Lehrer an der VHS Leinfelden-Echterdingen angefangen und 1993 deren Leitung übernommen. Nun lebt er in Berlin. Ilse Winkler, die langjährige Vize-Leiterin der Einrichtung, lenkt derweil die Geschicke der Einrichtung – allerdings nur kommissarisch.

Der wesentliche Grund für die Umstrukturierungspläne ist das Defizit von 1,38 Millionen Euro, das die VHS nach den Worten von Klenk in den vergangenen Jahren konstant eingefahren habe. Er habe Bürgermeister Kalbfell deshalb gebeten, gemeinsam mit der VHS-Mannschaft zu überlegen, ob es intensivere Formen der Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen Filderstadt, Ostfildern, Stuttgart oder auch mit Einrichtungen im Kreis Böblingen gibt.

Gespräche mit der VHS Böblingen-Sindelfingen

Mittlerweile hat es solche Gespräche gegeben. Das Ergebnis: Eine Zusammenarbeit mit den Weiterbildungseinrichtungen in Ostfildern, Filderstadt und Stuttgart ist nicht möglich. In Ostfildern hat man nach den Worten von Kalbfell erst eine neue VHS-Leitung eingesetzt. Filderstadt habe mit der Kunstschule und der VHS eine spezielle und damit zu L.-E. nicht ganz passende Organisationsform. „Die VHS Stuttgart ist zu groß. Da wären wir untergegangen“, erklärt der Bürgermeister. Daraufhin habe man in Steinenbronn und Waldenbuch angeklopft. Deren Weiterbildungsangebote sind Außenstellen der Volkshochschule Böblingen-Sindelfingen.

Das Ergebnis: Die Verwaltungsspitze spielt konkret mit dem Gedanken, die bisherige städtische Einrichtung mit der VHS Böblingen-Sindelfingen verschmelzen zu lassen. „Unsere VHS würde dabei aber nicht geschluckt“, sagt Kalbfell. L.-E. säße fortan mit Böblingen und Sindelfingen im Vorstand einer größeren Organisationseinheit. OB Klenk beschreibt die Vorteile wie folgt: Die Arbeitsplätze des VHS-Teams vor Ort wären gesichert, genauso wie die Gehälter der Mitarbeiter. Das komplette Personal werde übernommen. Auch die jeweiligen Angebote würden weiter im Stadtgebiet beheimatet bleiben. Der Gemeinderat L.-E. dürfe mitbestimmen. Zudem könne man jährlich bis zu 200 000 Euro sparen.

„Fusion ist eine potenzielle Möglichkeit“

Klenk sagt aber auch: „Wir sind ergebnisoffen an die Geschichte herangegangen.“ Eine Fusion sei eine potenzielle Möglichkeit. Eine andere: Die Weiterbildungseinrichtung bleibe – wie bisher – Teil der Stadt L.-E. Das Volkshochschul-Team ist aufgefordert sich zu überlegen, wie das Defizit im Haushalt anderweitig abgebaut werden kann.

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