Die Digitalisierung an den Schulen kommt in Fellbach gut voran. Foto: dpa

Die Anmietung einer Glasefaserleitung zum Einspeisepunkt beim Stuttgarter Rosensteinmuseum ermöglicht den direkten Breitbandanschluss ans Wissenschaftsnetz BelWü. Die Kosten für zehn Jahre liegen bei knapp 120 000 Euro.

Fellbach - Schöne Aussichten für Fellbach: BelWü heißt das Wissenschaftsnetz des Landes Baden-Württemberg. Eine lautmalerische Wortkreation, die beste Perspektiven ermöglicht. Und demnächst für Fellbachs Schüler und Lehrer sogar mit bestmöglichem Anschluss.

Die Situation an den Schulen ist derzeit ein bundesweites Aufregerthema. Die Klagen sind fast unendlich: zu wenig Lehrer, marode Gebäude, mangelhafte Ausstattung. Dass derzeit der Digitalpakt zwischen dem Bund und den Ländern auf Eis liegt, passt ins Bild. In Fellbach versucht man allerdings, auch ohne Berliner Unterstützung bei der Multimedia-Ausstattung an den Schulen Fortschritte zu erzielen. Der Verwaltungsausschuss hat jetzt einstimmig die von der Verwaltung vorgelegte Strategie abgesegnet.

Die Anbindung an das wissenschaftliche Netz erfolgte bisher über unzureichende DSL- oder Festnetzanschlüsse

Zum Frühjahr 2019 werden demnach die elf städtischen Schulen über Glasfaserkabel direkt ans BelWü angeschlossen. Damit ist ein Datenaustausch bis zu zehn Gigabit ohne Probleme möglich.

„Das ist ein Quantensprung“, schwärmt Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. „Andere reden von der Digitalisierung der Schulen, wir machen es.“ Der Erste Bürgermeister Johannes Berner erläutert: „Wir tun auf kommunaler Ebene, was wir können.“

Bisher verfügen die Schulen in städtischer Trägerschaft zwar untereinander und mit dem Rathaus über ein schnelles Netzwerk, doch der Austausch darüber hinaus war bisher stark eingeschränkt. Alle elf Schulen sind zwar bereits über t@school-Anschlüsse der Telekom mit dem Wissenschaftsnetz BelWü verbunden – aber eben nur einzeln, das bedeutet: elf Standorte, elf Anschlüsse. „Ein sinnvolles Arbeiten mit mehreren Personen parallel ist auf diese Weise nicht möglich“, erklärt der Erste Bürgermeister.

Denn die Arbeit mit Tablet, Whiteboard und Smartphone ist oft mit dem Herunterladen von großen Datenmengen verbunden. Die Anbindung an das wissenschaftliche Netz erfolgte bisher über unzureichende DSL- oder Festnetzanschlüsse. So standen je nach Schule zwischen zwei und 25 Megabit zur Verfügung, was einen modernen Schulunterricht schwierig bis unmöglich macht. Der Austausch über mobile Programme oder auch das Herunterladen von Unterrichtsmaterialien – immer greifen mehrere Personen auf die Daten zu, doch das funktioniert nur bei höheren und stabilen Übertragungsraten. „Eine stabile, sichere, verlässliche und schnelle breitbandige Anbindung an das Internet ist unerlässlich“, so Johannes Berner.

Die neue Anbindung an das Netz, das den Landesuniversitäten, Hochschulen und Bildungseinrichtungen zur Verfügung steht, kostet die Stadt bei einer Laufzeit von zehn Jahren genau 118 200 Euro. Heruntergebrochen auf jeden Schüler in der Stadt, zeigt Fellbach, dass mit 2,30 Euro pro Schüler und Jahr ein Quantensprung bei der Ausstattung der Schulen gelingen kann, ist man in der Rathausspitze überzeugt.

Diese optimistische Einschätzung teilen auch die Lokalpolitiker

Die Investition ist für einen kurzen Lückenschluss sowie die Anmietung einer Glasfaserleitung von NetCom BW notwendig. Die Stadt überbrückt so die Entfernung zwischen Fellbach und dem nächstmöglichen Einspeisepunkt ins BelWü-Netz. Dieser Knotenpunkt befindet sich nach Berners Angaben im Rosensteinpark nahe des dortigen Museums.

„Die Kommunen müssen eigene Wege finden, die Schulen gut auszurüsten“, betont der Erste Bürgermeister. Warten auf die Landes- oder auf die Bundespolitik oder auch das Suchen nach weiteren Kooperationspartnern dauere einfach zu lange. „Wir haben sehr wenig Begleitung von Landesseite, wir Kommunen sind gezwungen, unsere eigenen Wege zu gehen“, so Johannes Berner. Dies sei auch eine Verpflichtung gegenüber den Schulen und vor allem den Schülern. Bürgermeister Berner ist überzeugt: „Die Verwaltung in Fellbach tut nicht nur das Allernotwendigste, sondern ist an der Spitze.“

Diese optimistische Einschätzung teilen auch die Lokalpolitiker. Nach derartigen Übertragungsraten „lechzen andere“, stellte Stadtrat Erich Theile (CDU) im Ausschuss fest. Damit, ergänzte Fraktionschef Ulrich Spieth, „überholen wir sogar die Bundesregierung“. Andreas Möhlmann (SPD) lobte die gute Investition für „eine dreistellige Zahl an Lehrkräften und eine vierstellige Zahl an Schülern“. Mit dem jetzt erfolgten Beschluss zum Anschluss an BelWü sei „Fellbach in guter Gesellschaft“, so Grünen-Stadträtin Agata Ilmurzynska. Die Anbindung sei „alternativlos“ und habe eine „herausragende Bedeutung“, erklärte Stadtrat Ulrich Lenk (FW/FD).

Fellbach hat über verschiedene Initiativen den Breitbandausbau in der Kommune im vergangenen Jahr intensiviert. „Wir wollen den Zugang zum schnellen Internet für Unternehmen, Bürger und Schulen“, forderte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull im Ausschuss.

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