Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Foto: dpa/Jens Büttner

Um eine Ausbreitung des Coronavirus im Schulalltag zu verhindern, müssen die Schulen stetig neue Maßnahmen umsetzen. Der Degerlocher Bezirksbeirat hat sich mit Vertretern der Schulen zusammengesetzt. Die Wunschliste ist lang.

Degerloch - Auf dem Boden der Turn- und Versammlungshalle an der Albschule Degerloch stehen Messgeräte. Sie zeigen an, wie hoch der CO2-Gehalt ist. Die Geräte sollen als Indikator für die Virenlast in der Luft dienen und Alarm schlagen, sobald gelüftet werden muss. Mitgebracht hat sie Javier Bellviure. Er leitet die Abteilung Gebäudemanagement beim Schulverwaltungsamt und ist am vergangenen Dienstag gekommen, um den Rektorinnen der Degerlocher Schulen sowie dem Bezirksbeirat Fragen rund um die Corona-Pandemie zu beantworten.

Bezirksbeirätin Inka Glaser-Gallion (CDU) hatte die Veranstaltung initiiert. Denn als Elternbeiratsvorsitzende am Wilhelms-Gymnasium hatte sie erfahren, dass den Schülern kein Desinfektionsmittel zur Verfügung gestanden habe. Diesen Missstand nahm sie zum Anlass und regte an, Politik und Schulen an einem Tisch zu versammeln: „Wir wollen den Schulen die Möglichkeit geben, auf Missstände und Schwierigkeiten hinzuweisen und schauen, was man besser machen kann.“

Schulen mussten selbst Desinfektionsmittel kaufen

Bellviure informierte über mögliche Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen. Hierunter fallen auch die CO2-Messgeräte. „Manche Leute meinen, das seien Heilsbringer. Diese Gerätschaften sind aber nur Indikatoren.“ Denn sie könnten nicht die Virenlast in der Luft messen. Auch über den Stand bei der Anschaffung von Luftreinigungsgeräten für Schulgebäude klärte er auf: Derzeit würden Mitarbeiter der Stadt den Markt sondieren. „Wir wollen erst eine seriöse Grundlage schaffen, bevor wir aktiv werden.“ Er rät ebenso wie beispielsweise das Umweltbundesamt dazu, regelmäßig die Fenster zu öffnen und so die Luft in den Klassenzimmern auszutauschen.

Obwohl sie sich auch für das Lüften als geeignete Maßnahme aussprach, setzte sich die Schulleiterin der Fritz-Leonhardt-Realschule, Karin Grafmüller, indes für die Geräte ein: „Händewaschen, Seife, Lüften: Dieses Konzept geht auf. Ich bin dafür, das Naheliegende zu nutzen. Die Geräte sind eine zusätzliche gefühlte Sicherheit. Wir finden es wichtig, solche Geräte zu bekommen, um diese Sicherheit weitergeben zu können.“ Doch neben den Luftreinigungsgeräten brennen den Schulleitern andere Probleme unter den Nägeln. Zum Beispiel, dass sie gezwungen waren, Desinfektionsmittel und -tücher im Drogeriemarkt zu kaufen. Diese zusätzlichen Ausgaben stellen für die Schulen eine finanzielle Belastung dar: „Wir würden uns eine Aufstockung des Schuletats erhoffen, denn das geht alles davon ab“, sagte Grafmüller. Bärbel Kirdorf, Schulleiterin der Albschule, stimmte zu: Sie musste den Etat durch den Kauf von Desinfektionsmittel überziehen.

Grundschullehrer bekommen keine Masken gestellt

Auch Masken sind weiterhin ein Thema. Denn bisher müssen Lehrkräfte an Grundschulen diese oft aus eigener Tasche finanzieren. „Wir Grundschullehrer bekommen keinen Mundschutz gestellt, obwohl wir einen tragen müssen. Ich möchte das gerne meinen Kollegen zur Verfügung stellen“, sagte Kirdorf. So ergeht es auch Carola Frech, Rektorin der Filderschule.

Um den Kindern den Schulalltag im Winter angenehmer zu gestalten, empfiehlt die Elternbeiratsvorsitzende der Albschule, Nina Bartsch, Heizkissen. Bisher würden viele Eltern auf Wärmflaschen setzen. „Doch es ist nicht die beste Idee, einem Kind eine Flasche mit kochend heißem Wasser in die Tasche mitzugeben.“ Die Vertreter der SMV an der Fritz-Leonhardt-Realschule wünschen sich Sitzkissen für den Außenbereich, um die Pausen draußen verbringen zu können.

Der digitale Unterricht bereitet noch Sorgen

Insgesamt zeigten sich die Rektorinnen froh darüber, die Schüler vor Ort unterrichten zu können. Sie strahlten Zuversicht für die kommenden Monate aus – und das, obwohl der digitale Unterrichts immer noch Sorgen bereitet.

Das betrifft derzeit vor allem das Wilhelms-Gymnasium. Dort befinde sich die Schulleitung in Quarantäne, auch das Kollegium sei betroffen, berichtete Glaser-Gallion: „Bei der Ausstattung sehe ich die Stadt Stuttgart in der Pflicht. Die Digitalisierung ist ein wichtiges Thema, wenn die Pandemie erst einmal in der Schule ist, denn dann muss man die Situation lösen.“ Und auch das Thema Aufstockung des Nahverkehrs sprachen die Beteiligten an.

Was die Wünsche betrifft, forderte der Bezirksvorsteher Marco-Oliver Luz die Schulleiterinnen dazu auf, Anträge zu stellen. Die anwesenden Bezirksbeiräte waren sich einig darüber, die Schulen finanziell unterstützen zu wollen, wo es ihnen möglich ist.

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