Wollen sich als erstes die Bildungspolitik im Land vornehmen: Der designierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (li.) von den Grünen und SPD-Chef Nils Schmid. Foto: dpa

Die künftige grün-rote Landesregierung will die verbindliche Grundschulempfehlung abschaffen.  

Stuttgart - Die künftige Landesregierung macht ernst. Als einen ihrer ersten Schritte will sie die verbindliche Grundschulempfehlung abschaffen. Eltern entscheiden, auf welche Schule ihr Kind geht.

Nach dem Willen der SPD sollen die Eltern in Baden-Württemberg künftig frei wählen, welche weiterführende Schule ihr Kind besucht. Das hat SPD-Bildungsexperte Frank Mentrup am Dienstag in Stuttgart angekündigt. Demnach soll die bisher verbindliche Grundschulempfehlung ab dem Schuljahr 2012/2013 gestrichen werden.

"Atomisierung der Schulen"

Im Zuge ihrer Koalitionsverhandlungen wollen die Spitzen von Grünen und SPD heute über das Thema Bildung beraten. Der Landeselternbeirat hatte wiederholt gefordert, dass Eltern eine Wahlmöglichkeit zwischen Haupt- und Werkrealschule, Realschule und Gymnasium haben müssten. Scharfe Kritik an der geplanten Streichung der Grundschulempfehlung kam von CDU-Fraktionschef Peter Hauk: "Das ist der erste klare Schritt zur Abschaffung unseres erfolgreichen Schulsystems." Die Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Doro Moritz, sprach sich dafür aus, dass die von Grün-Rot geplanten Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg zum Abitur führen müssten. "Die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule lehnen wir aber ab", sagte Moritz am Dienstag in Stuttgart.

Der Beamtenbund Baden-Württemberg hat die künftige Landesregierung derweil vor Schnellschüssen in der Bildungspolitik gewarnt. "Es ist völlig unklar, wie das von Grünen und SPD angestrebte längere gemeinsame Lernen in der Praxis umgesetzt werden soll", sagte Landeschef Volker Stich im Interview mit unserer Zeitung. So müsse geklärt werden, wie viel Eigenverantwortung die Schulen künftig haben und wie die Lehrerausbildung verändert wird. "Ich warne vor einer Atomisierung der Schulen", sagte Stich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: