Viel Bildschirmarbeit kann die Augen belasten. Foto: Cliff Owen/FR170079 AP/dpa

Die Belastung der Augen durch Monitore und LED-Licht kann gesundheitliche Folgen haben. Wie Büromenschen einen gesunden Arbeitsplatz gestalten können.

Stuttgart - Während der Arbeit starren Büromenschen oft stundenlang auf Monitore, in der Freizeit blicken sie auf Smartphones, Notebooks und Fernseher. Die starke Belastung der Augen kann viele Folgen haben – angefangen von Ermüdungserscheinungen, über Kopfschmerzen und Fehlhaltungen bis hin zu trockenen, brennenden Augen, das sogenannte „Office-Eye-Syndrom“. „Wir gehen davon aus, dass etwa 70 Prozent der Menschen, die an Bildschirmen arbeiten, Beschwerden mit den Augen haben“, sagt der Optometrist Oliver Kolbe von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Darüber hinaus könnten langfristig noch ganz andere Probleme auftreten: Blaulicht, das Monitore abstrahlen lässt, wirke sich auf Dauer möglicherweise negativ auf die Gesundheit aus. Allerdings gibt es technische Möglichkeiten, die Strahlen wirkungsvoll zu blockieren.

 

Wie schädlich ist Blaulicht?

Moderne Flachbildschirme werden mit LEDs hinterleuchtet, die Licht mit einem hohen Anteil im blauen Spektralbereich aussenden. Blaulicht kann in hohen Dosen die Netzhaut akut schädigen: „Es gibt starke LED-Quellen, bei denen die Expositionsgrenzwerte nach kurzer Zeit überschritten werden, wenn man in einem kurzen Abstand, zum Beispiel von 20 Zentimetern, direkt hineinblickt“, sagt Ljiljana Udovicic von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. „Bürobeleuchtung, Bildschirme von Computern, Smartphones und Notebooks sind aber weit weg von diesen Werten. Daher erwarten wir nicht, dass es durch solche Geräte zu einer Netzhautschädigung kommt.“

Allerdings halten es manche Wissenschaftler für möglich, dass sich die Auswirkungen erst nach vielen Jahren bemerkbar machen: Blaulicht kann Zellschädigungen in der Netzhaut verursachen, die möglicherweise das Risiko für Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD) erhöhen. Bei dieser chronischen Erkrankung, die vor allem bei Menschen ab 60 Jahren auftritt, geht die zentrale Sehschärfe verloren. Solide Belege gibt es dafür jedoch nicht. „In vielen Studien, die vor LEDs warnen, wurden sehr hohe Lichtintensitäten angewandt, weit entfernt von den Lichtintensitäten der Bürobeleuchtung“, erklärt Udovicic.

Anteil künstlicher Lichtquellen senken

Blaulicht hat aber noch ganz andere Auswirkungen auf den Körper. Es unterbindet die Müdigkeit, indem es die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmt, und steuert somit den Biorhythmus. „Der Blaulichtanteil im Tageslicht ist morgens und am Vormittag hoch und verringert sich im Verlauf des restlichen Tages“, sagt Kolbe, der in der Arbeitsgruppe „Bildschirmarbeit im Demographischen Wandel” unter der Leitung von Stephan Degle zum Thema promoviert. Ist man nachts künstlichem Blaulicht ausgesetzt, kann das die innere Uhr durcheinanderbringen. Auch Udovicic sieht diesen Zusammenhang gut belegt. „Eventuell wird dadurch sogar die Entstehung von Krebs begünstigt“, sagt sie. Ein Mangel an Melatonin führe nämlich dazu, dass DNA-Schäden in den Zellen schlechter repariert werden.

Daher ist es sinnvoll, den Blaulichtanteil künstlicher Lichtquellen abends und nachts zu senken. „Dazu wird im Moment viel auf den Markt gebracht“, sagt Kolbe. „Die stärkste Reduktion erreicht man mit Blaulichtfiltern an den Geräten selbst.“ So haben einige Monitore einen integrierten Blaulichtfilter, der sich individuell einstellen lässt. Bei manchen Modellen lässt sich der Blaulichtanteil nach Herstellerangaben auf diese Weise um mehr als 70 Prozent senken. Bei neueren Smartphones kann man in der Regel einen Nachtmodus, zum Beispiel „Night Shift“ bei Apple, aktivieren, der bei Dunkelheit wärmere Farbtöne und damit weniger Blaulicht ausstrahlt. Daneben gibt es diverse Software-Lösungen für Computerbildschirme. Kolbe nennt hier vor allem das kostenlose Programm „f.lux“, das die Farbtemperatur an die Tageszeit anpasst. Es ist mit den gängigen Betriebssystemen kompatibel. Abgesehen davon sind auch diverse Anti-Blaulichtfolien und -scheiben auf dem Markt, die man auf Smartphone oder Monitor kleben kann.

Helle Zeichen auf dunklem Hintergrund

Ein neuer Trend ist der „Dark Mode“, den viele Apps und Programme für Computer- und Smartphone-Bildschirme bieten: Dadurch erscheinen helle Zeichen auf einem dunklen Hintergrund. Das soll Strom sparen und in einer dunklen Umgebung die Augen schonen. Ob die Darstellung aus ergonomischer Sicht aber Vorteile hat, ist noch unklar. Für Büro-Arbeitsplätze wird in der Regel eine helle Umgebung und die gängige Positivdarstellung (dunkle Zeichen auf hellem Grund) empfohlen. „Die Positivdarstellung bietet eine bessere Anpassungsmöglichkeit der Augen an die Arbeitsumgebung und verbessert die Lesbarkeit der Zeichen“, heißt es bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft . Andererseits haben Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Augenheilkunde der Uni Tübingen Anhaltspunkte dafür gefunden, dass das Lesen von hellem Text vor schwarzem Hintergrund die Entwicklung von Kurzsichtigkeit bremsen könnte.

Um Blaulicht zu blocken, werden Blaulicht-reduzierende Brillengläser, Brillenaufsätze und sogar Kontaktlinsen angeboten. Sie seien vor allem dann sinnvoll, wenn man sich auch draußen vor schädlichem Licht schützen wolle, meint Kolbe. Für das Büro hält er nicht-optische Lösungen, also Software-Filter an den Geräten, für effektiver und einfacher. In den nächsten Jahren werden neue Technologien auf den Markt kommen, wie der Optometrist berichtet. In der Erprobungsphase seien zum Beispiel holografische Displays und Holografie-Brillen, die ein erweitertes 3-D-Sehen möglich machen. „Damit wird das Sehen am Display endlich deutlich natürlicher werden“, meint Kolbe. Ob sich die Technik aber im Büroalltag durchsetzt, bleibt abzuwarten.

Tipps für einen ergonomisch gestalteten Bildschirm-Arbeitsplatz

Monitor: Der Bildschirm sollte frei stehen und sich leicht drehen und neigen lassen. Empfehlenswert sind entspiegelte, flimmerfreie Modelle mit kontrastreicher, hochauflösender Darstellung. Aufgestellt wird der Monitor so, dass sich möglichst wenig Blendungen ergeben. Daher darf er nicht direkt am Fenster oder unter der Deckenbeleuchtung stehen. Er sollte so platziert sein, dass die Blickrichtung parallel zum Fenster verläuft. Außerdem sollte er nicht zu hoch stehen: Idealerweise sitzt man so am Arbeitsplatz, dass der Kopf leicht nach unten geneigt ist. Für den Abstand zwischen Auge und Bildschirm werden 50 bis 80 Zentimeter empfohlen. Notebooks sind auf Dauer für die Büroarbeit ungeeignet, weil sie sich schlechter einstellen lassen.

Darstellung: Die Zeichen sollten mühelos zu lesen sein, also deutlich, scharf, ausreichend groß und kontrastreich dargestellt werden. Das Bild darf nicht verzerrt sein. Insgesamt sollte die Darstellung nicht wesentlich schlechter sein, als man es von der Papiervorlage her kennt.

Licht: Ideal ist Tageslicht, ansonsten sind Deckenleuchten empfehlenswert, die das Licht streuen und keine Blendungen erzeugen. Auch im Umfeld sollte Licht nicht reflektieren – etwa durch Spiegel, weiße Wände oder helle Möbel.

Brille: Ab 40 beginnt im Allgemeinen die Alterssichtigkeit. Auf den Monitor zu fokussieren, wird für das Auge zunehmend schwieriger. In vielen Fällen empfehlen Optiker daher eine individuelle Bildschirmbrille, die ideal auf den Abstand zum Bildschirm eingestellt ist. Lesebrillen gelten dagegen als ungeeignet für die Bildschirmarbeit: Sie sind für einen kürzeren Abstand gedacht und verleiten dazu, dass man sich zum Monitor beugt. Das hat Verspannungen und Fehlhaltungen zur Folge. Auch Gleitsichtbrillen bereiten oft Probleme.